Alte Liebe rostet nicht
Archivbeitrag der Ausgabe 2 | 6. Jahrgang | Sommer 2010
- In der Brandenburger Oldtimer-Szene dominiert die Erinnerung an einheimische Entwicklungen für Straßen, Schienen und die Luft
- von Christa Steuer

Die sowjetischen Luxuslimousine „Tschaika“
Die Objekte der Begierde sind nicht nur schön und wohlgeformt, sondern vor allem trotz ihres hohen Alters sehr gut in Schuss. Da die Begeisterung für sie alle Generationen erfasst, dürfte diese Liebe wohl ewig halten: zu den Oldtimern mit zwei, vier oder noch mehr Rädern. In Brandenburg kümmern sich sowohl einige Vereine als auch enthusiastische Privatsammler um die Schmuckstücke für Straßen und Schienen. Dabei verwundert es nicht, dass unter den hier gepflegten Modellen im Unterschied zu den weiter westlich und südlich gelegenen Landesteilen Fahrzeuge aus DDR-Produktion einen gewichtigen Platz einnehmen.
Als regelrecht „vom Oldtimer-Bazillus infiziert“ bezeichnen sich die fast 50 Mitglieder der Brandenburger Landesgruppe des Deutschen Automobil-Veteranen Clubs (DAVC). Vor nunmehr sechs Jahren hatten sich 17 Freunde alter Fahrzeuge zur Gründungsversammlung getroffen. Heute pflegen die Mitstreiter untereinander einen regen Meinungsaustausch, sammeln und restaurieren alte Modelle vom Fahrrad mit Hilfsmotor bis zur Feuerwehr. „Vor allem nutzen wir unsere Oldtimer zu ihrem eigentlichen Zweck: dem Fahren. Ganz im Sinne des Clubs soll unser rollendes Museum so viele Leute wie möglich begeistern – und natürlich damit auch Werbung machen für unsere Interessen und für die Teilnahme an unserem Hobby“, heißt es von der Brandenburger Vereinigung.
Fragt man die Mitglieder nach ihren Motiven, kommen meist identische Antworten: „Der Spaß an alter Technik, spannende Geschichten über Scheunenfund und Restauration, der Kampf um Ersatzteile oder die Erfüllung eines Jugendtraums.“ Die Landesgruppe trifft sich unter anderem regelmäßig in ihrem Clublokal im Landgut A. Borsig in Groß Behnitz bei Nauen im Havelland. An jedem 1. Dienstag im Monat sind Gäste jeweils ab 19 Uhr immer herzlich willkommen.
Schlafwagen als Blickfang für Tschaika & Co.
Einen besonderen Blickfang hat sich der Bauunternehmer Ulrich Theileman für sein Oldtimercafe im Ortsteil „Altes Lager“ von Jüterbog einfallen lassen. „Viele Ausflügler sind auf ihrem Weg zur nahen Kart-Bahn an meiner Attraktion vorbeigefahren“, erzählt Theilemann. „Im Vorjahr erhielt ich das Angebot, zwei einst für die Transsibirische Eisenbahn in Halle- Ammendorf gebaute Waggons zu erwerben.“ Die seien zwischen dem Ende der DDR und dem Zerfall der Sowjetunion vor 20 Jahren nicht nach Sibirien geliefert worden. Der Sammler kaufte die 40 Meter langen und 50 Tonnen schweren Wagen und baute einen davon zum Schlafwagenhotel mit allem Komfort aus. Nun stehen sie an der Straße direkt vor seinem Oldtimercafe. Drinnen geraten selbst Fachleute ins Staunen. Neben einem Mercedes aus dem Jahre 1933 gibt es hier ein fahrbares und für Hochzeiten und andere Anlässe gern ausgeliehenes Prachtexemplar der sowjetischen Luxuslimousine „Tschaika“, das ganze DDR-Sortiment von Wartburg bis Trabant sowie Wagen der Marken Moskwitsch und Saporoschetz, MZ-Motorräder und Simson-Mopeds. Nur ein Katzensprung ist es von hier bis zu einer großen Halle voller Militärtechnik aus vergangenen Zeiten. Das Oldtimercafe ist freitags und sonnabends von 12 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
www.oldtimercafe.eu
Schwanzflossen am „Mercedes des Ostens“
Mit dem „Tschaika“ konnten im Osten am ehesten noch Wagen der tschechischen Marke „Tatra“ mithalten. In Angermünde hält Jürgen Riesebeck mit seiner Frau Iris die Erinnerung an die Karossen in einem privaten Museum fest. Als „Diplomatenwagen“ hatte er einen stolzen Preis, sodass sich Privatleute kaum eines dieser chromblitzenden Autos aus Koprewnice leisten konnten. Jürgen Riesebeck, zu DDR-Zeiten Chef eines Wartburg-Zentrums, gehörte allerdings zu diesem erlesenen Kreis. Sein Tatra T 613, auch als „Mercedes des Ostens“ bezeichnet, besaß schon Servo-Lenkung und Klimaanlage und schaffte Tempo 190. Jetzt steht er neben einem legendären „T 87“, der noch bis Anfang der Fünfzigerjahre produziert worden war. Zu den vielen Geschichten über den Wagen gehören auch jene über die Anzeige von „Tatra“ gegen „VW“ wegen des Plagiats der aerodynamisch geformten Schwanzflosse. Die Tschechen gewannen den Prozess. 1998 verließ der letzte „Tatra“ die Werkstore.
Auch die Exponate im Luftfahrtmuseum Finowfurt bei Eberswalde haben ihre besten Zeiten schon längst hinter sich. Auf dem Gelände eines ehemaligen sowjetischen Militärflugplatzes stehen mehr als 25 Flugzeuge aus der Zeit von 1945 bis 1985, Turbinen und Motoren sowie von den Armeen des Ostblocks bevorzugte Fahrzeuge. So manche Episode rankt sich um das ausgestellte Wrack einer in den letzten Kriegstagen 1945 abgeschossenen Maschine „Focke Wulf 190“, eine 1966 über Westberlin abgestürzte Jak-28 oder die einstige Regierungsmaschine „IL-14P“ von Walter Ulbricht. Besucher können in die Cockpits eines Flugzeuges vom Typ „TU 134“, eines Hubschraubers „MI 8“ oder eines Jagdflugzeuges „MIG 21“ klettern. Das Museum ist März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr und danach 10 bis 16 Uhr geöffnet.
www.luftfahrtmuseum-finowfurt.de
„Brennabor“ und „Berliner Roller“ im Museum
Ohnehin entpuppen sich zahlreiche Museen in Brandenburg als wahre Fundgruben für Oldtimerfans. So beschäftigt sich das Industriemuseum in der Havelstadt Brandenburg auch mit den „Brennabor-Werken“. 1871 zur Herstellung von handgeflochtenen Korb- und Kinderwagen gegründet, folgten 1882 Fahrräder und 1903 die ersten Automobile. Das Industriemuseum zeigt unter anderem einen Brennabor-Lieferwagen aus dem Jahre 1928, der es mit 75 PS Leistung immerhin auf eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometer schaffte. Außerdem besitzt die Schau einen „Opel Blitz“ aus den Opelwerken (1936– 1944) und einen „Traktor Aktivist“ aus den Brandenburger Traktorenwerken (1949-–1952). Das Museum öffnet von März bis Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, sonst von 10 bis 16 Uhr. www.industriemuseum-brandenburg.de
Das Stadt- und Technikmuseum Ludwigsfelde wiederum zeichnet die Geschichte des heimischen IFA-Automobilwerkes nach, das sich besonders mit der 1955 aufgenommenen Produktion von Motorrollern einen Namen machte. Typen mit den Namen „Pitty“, „Wiesel“, „Berlin“ und „Troll“ bestimmten über Jahrzehnte das Bild auf DDR-Straßen.
www.museum-ludwigsfelde.de
Im gemütlichen „Pollo“ durch die Prignitz
Auch Eisenbahn-Nostalgiker finden in Brandenburg einige Raritäten. So verkehrt seit einigen Jahren in der Prignitz bei Pritzwalk die Kleinbahn „Pollo“ wieder auf einem neun Kilometer langen Museumsgleis zwischen Mesendorf und Lindenberg. Mehrmals im Jahr werden die historischen Züge von Dampfloks gezogen. Ein Museum in Lindenberg zeigt die ganze Geschichte.
Infos unter www.pollo.de
Schon seit 80 Jahren fährt die Kleinbahn zwischen Müncheberg und Buckow in der Märkischen Schweiz im Osten Brandenburgs mit elektrischem Strom. Zwischen Mai und Oktober bringt sie an den Wochenenden die Ausflügler in den traditionsreichen Kurort.
Auskünfte unter www.buckower-kleinbahn.de
Archiv:
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