Archivbeitrag der Ausgabe 1 | 6. Jahrgang | Frühjahr 2010
- Das Haupt- und Landgestüt in Neustadt/Dosse verteidigt seinen guten Ruf als Mekka des Reitsports.
- von Christa Steuer
Wer sich auf den Weg ins kleine Neustadt an der Dosse macht, müsste dort auf sehr zufriedene Menschen treffen. Schließlich sagt der Volksmund: „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Und an Pferden mangelt es in dem 3 600 Einwohner zählendem Ort im Dreieck zwischen Neuruppin, Wittstock und Rathenow nun wahrlich nicht. Rund 300 Pferde, darunter 56 Zuchthengste und 40 Zuchtstuten, stehen im Haupt- und Landgestüt. Dazu kommen noch einmal 40 Pferde, die private Halter hier in Pension gegeben haben. Keine andere Gestütsanlage in Deutschland kann mit diesen Zahlen konkurrieren. Außerdem verweist Neustadt gern auf die lange Pferdetradition. Schon 1788 gründete Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. das Haupt- und Landgestüt. Als „Sanssouci der Pferde“ erwarb es sich landauf und landab einen ausgezeichneten Ruf. (mehr…)
Archivbeitrag der Ausgabe 1 | 6. Jahrgang | Frühjahr 2010
- Rund um die Stadt Brandenburg gibt es Spannendes zu entdecken
- von Matthias Berger
Seen, Wasserläufe, Schlösser, Herrenhäuser, Wälder, Wiesen, Museen, Parks, Landschaftsgärten und herausgeputzte Stadtzentren: Das westliche Brandenburg bietet viele Ausflugsmöglichkeiten. Hier können ganz unterschiedliche Interessen verfolgt werden, z. B. in einem Künstlerdorf, auf einem Floß und in einem Spielzeugmuseum.
Zu Monet, van Gogh oder doch zu Renoir?“ Die Frau mit dem ungewöhnlichen Vornamen Melodie steht lächelnd an der Treppe zum Obergeschoss ihres Kunsthofes Bahnitz im westlichen Havelland. Die gerade erst von ihren Rädern nach einer Tour auf dem neuen Havellandradweg gestiegenen Frauen und Männer blicken sich fragend an. „Wir wollten nur ein Bett für die Nacht und haben uns am Schild ‚bed & breakfast‘ orientiert“, sagt eine sportliche Mittdreißigerin.

Die Künstlerin Melodie Ebner-Joerges ist überzeugt: „Jeder Mensch kann malen.“
Doch die Hausherrin beruhigt. „Die Namen an den sieben Zimmertüren erinnern nur an die von mir verehrten Maler.“ In der Gaststube des Kunsthofes bleibt später Zeit für Gespräche. Dabei brennt eine Frage ganz besonders unter den Nägeln: Wie kommt eine Frau mit unüberhörbarem englischem Akzent zu so einem Vornamen? Die Antwort fällt kurz aus. „Meine Familie in Ohio bestand aus begeisterten Jazzmusikern. Da haben die Eltern wohl nicht lange überlegt“, berichtet Melodie Ebner-Joerges. Ihr Vater habe ihr das Malen beigebracht. Nach Stationen in der Karibik, Philadelphia, Hongkong und Amsterdam habe sie auf einer Urlaubsreise vor 14 Jahren nicht nur ihren Mann, sondern auch Brandenburg lieben gelernt. Heute bietet sie Malkurse an. Dabei meint sie es gut mit dem Laien: „Jeder Mensch kann malen. Erinnern Sie sich einfach an Ihre Kinderzeit“, meint sie. (mehr…)
Archivbeitrag der Ausgabe 1 | 6. Jahrgang | Frühjahr 2010
- Das Modemuseum in Meyenburg
- von Brigitte Menge
Harmonisch schmiegt sich der Ort Meyenburg in die Landschaft der Prignitz mit ihren weiten Wäldern, dunklen Mooren, ausgedehnten Wiesen und trägen Flüssen. Ruhe und Besinnlichkeit bestimmen den Takt des Alltags. Doch Meyenburg hat mehr zu bieten: Seit 2006 beherbergt das Schloss die vermutlich weltweit größte Privatsammlung historischer Kleidungsstücke und Accessoires. Auf drei Etagen zeigt die leidenschaftliche Sammlerin Josefine Edle von Krepl Mode von 1900 bis in die 1970er-Jahre – von Seidenroben bis hin zu den Kleidern der Flower-Power-Zeit.

Im Modemuseum in Meyenburg hängen Kleider aus verschiedenen Jahrzehnten
Auf rund 1000 qm offeriert das Modemuseum über 350 Kleider und Kostüme. Der chronologisch geordnete Streifzug durch die Modegeschichte des 20. Jahrhunderts beginnt im Kellergewölbe des Schlosses. Mode ist Zeitgeist und so erfährt der Besucher auch viel vom Lebensgefühl der jeweiligen Epoche. Aufwändige Roben mit Verzierungen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, kurze Tanzkleider aus Seidentüll mit Glasperlenstickerei aus den wilden 20ern oder Kleider der Kriegs- und Notzeiten, als mit Erfindungsgeist aus Altem Neues entstand. Jedes der Exponate hat Josefine von Krepl selbst restauriert: Nähte, ließ kunstvoll Schadstellen verschwinden, ergänzte fehlende Details. Zu den Kleidern in der Ausstellung gesellen sich Hüte, Taschen, Schuhe, Schirme, Ketten, Capes, Dessous, Brillen – all die Accessoires, die modischen Chic vollkommen machen. Ergänzt werden die sehenswerten Exponate durch liebevoll zusammengetragenes Mobiliar, originale Fotos, Modezeichnungen und Erklärungen zu Ereignissen der jeweiligen Zeit. Unaufdringlich untermalt die entsprechende zeitgemäße Musik den Modeausflug in vergangene Zeiten. (mehr…)
Archivbeitrag der Ausgabe 1 | 6. Jahrgang | Frühjahr 2010
Auf halber Strecke zwischen Berlin und Dresden befindet sich eine der schönsten und zugleich facettenreichsten Städte Brandenburgs. Kultur, Kunst und Natur locken mittlerweile Besucher aus dem ganzen Land nach Cottbus. Romantische Straßencafés rund um den Altmarkt laden genauso zum Verweilen ein wie der Landschaftspark und das Schloss Branitz. Kulturinteressierte kommen im Kunstmuseum Dieselkraftwerk und im Staatstheater, das vor zwei Jahren seinen 100. Geburtstag feierte, auf ihre Kosten. Auch als Bildungsstandort hat sich Cottbus überregional einen Namen gemacht. So verzeichnen die Brandenburgische Technische Universität (BTU) und die Fachhochschule Lausitz (mit Standorten in Senftenberg und Cottbus) immer mehr Studierende. Wir trafen Cottbus’ Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) zum Gespräch.
Was sind die Vorzüge Ihrer Stadt?

Frank Szymanski
An meiner Heimatstadt schätze ich besonders die Menschen. In Cottbus sind fleißige Arbeitnehmer, zupackende Unternehmer und engagierte Ehrenamtler zu Hause. Zauberhaft schön ist der Park des Fürsten Pückler; anspruchsvolle Kunst bietet das Staatstheater am Schillerplatz. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass hier zwei Hochschulen ihren Sitz haben. Und mit den Sportlerinnen und Sportlern, mit den Turnern, Radsportlern und dem FC Energie ist Cottbus zum Synonym für ostdeutsche Kraft und Selbstbewusstsein geworden.
Wo fühlen Sie sich am wohlsten in Cottbus und was zeigen Sie Gästen von außerhalb?
Da gäbe es eine ganze Reihe schöner Plätze oder Bauensemble zu nennen. Die Gegend der Mühleninsel mit dem angrenzenden Schlossberg und dem Amtsteich habe ich natürlich besonders ins Herz geschlossen. Hier sind wir als Kinder Schlittschuh gelaufen. Auf der Mühleninsel stehen die ältesten erhaltenen Häuser der Stadt, die Gerberhäuser. Im Kunstmuseum Dieselkraftwerk hat (mehr…)
Archivbeitrag der Ausgabe 1 | 6. Jahrgang | Frühjahr 2010
- In der Lausitz treffen Touristen und Einheimische auf eine Menge einzigartiger Entdeckungen.
- von Christa Steuer
Die Lausitz steckt voller Überraschungen. Wer würde als Außenstehender schon echte Pyramiden, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci, einen liegenden Eiffelturm, eine Büste vom Alten Fritz neben dem etwas zu groß geratenen Kopf von Marx, eine Kopie der mittelalterlichen Festung Castel del Monte in Süditalien oder gar schwimmende Häuser vermuten? Selbst Einheimische kennen längst nicht alle Kuriositäten, die sich jederzeit zu einem Ausflug anbieten. Ein bisschen Fantasie und Augenzwinkern schaden dabei nicht.
Im Park Branitz am Rande von Cottbus fällt beides nicht schwer. Der geniale Landschaftsarchitekt, Schriftsteller, Weltreisende und Gentleman Hermann Fürst von Pückler-Muskau hat hier ab einem Alter von 66 Jahren ein wahres „Kunstwerk der Harmonie“ geschaffen. Das erschließt sich aber oft erst dann, wenn die Besucher mit viel Muße die wechselnden Sichtachsen, künstlichen Hügel oder Seen erkennen. Irgendwann stoßen sie bei ihrem Rundgang auch auf zwei Pyramiden. Diese können zwar mit ihrer Größe nicht mit den ägyptischen Vorbildern konkurrieren, aber dafür steht ein Exemplar sogar im Wasser.
Eine Pyramide als letzte Ruhestätte
Hier fanden der 1871 gestorbene Pückler und seine Frau Lucie ihre letzte Ruhestätte. Der Parkschöpfer hatte seinen letzten Weg genau geplant. Die sterblichen Überreste wurden dank einer Säurebehandlung förmlich verbrannt. Zuvor war das Herz (mehr…)