The place for business
Archiv der Ausgabe 4 | 22. Jahrgang | Winter 2009
- Die Kongress-Hauptstadt
- von Brigitte Menge
Berlin ist Deutschlands Kongresshauptstadt Nr. 1 und spielt auch international in der obersten Liga. 2008 zählten die offiziellen Hauptstadt- Werber der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) 104 600 Veranstaltungen mit rund 8,15 Millionen Teilnehmern. Auch für das Krisenjahr 2009 erwarten sie erneute Steigerungen. Was steckt hinter dieser Bilanz? Wie vermarktet man einen Kongressstandort? Das und mehr wollten wir genauer wissen und trafen Heike Mahmoud zum Interview. Als Director des Berlin Convention Office der BTM arbeitet sie seit acht Jahren deutschland-, europa- und weltweit daran, die Kongressmetropole Berlin als Impulsgeber für die Berliner Wirtschaft auszubauen.

Heike Mahmoud, Director „Berlin Convention Office“ / Foto: Oliver Wia
Die Stadt mit ihrer hervorragenden Hotellerie bietet ein attraktives Preis- Leistungs-Verhältnis. Jeder Veranstalter plant sein Budget exakt. Da überzeugt Berlin genauso wie mit seinem Image der spannenden, sich ständig neu erfindenden Stadt. Die Bilder der großen Ereignisse – von der Fußball- und Leichtathletik-Weltmeisterschaft bis zu den Feiern zum Mauerfall – gingen um die Welt und zeigen die Metropole in ihrer faszinierenden Vielfalt. Die wird geprägt von Kunst und Kultur, Geschichte und Entertainment, Wissenschaft und Architektur. Hinzu kommen die unglaublich vielen außergewöhnlichen Veranstaltungsorte zwischen hochmodern, originell und szenig.
Nach Angaben der ICCA-Statistik aus dem Jahr 2007 ist Berlin im internationalen Städte-Ranking der Verbandskongresse Gewinner der Silbermedaille. Gold ging an Wien. Bestätigen auch die aktuellen Zahlen diesen „Siegerpodest-Platz“ der deutschen Hauptstadt?
Das betrifft nur die Verbandskongresse und hierbei gewannen wir – um im Bild zu bleiben – 2008 bei den Teilnehmerzahlen die Goldmedaille. Wichtig ist, in diesem Ranking zu den zehn wichtigsten Kongressdestinationen weltweit zu gehören. Diese sind für die Entscheider von Veranstaltungen die gesetzten Favoriten. Auch im ersten Halbjahr 2009 stieg trotz weltweiter Wirtschaftskrise die Zahl der Veranstaltungen und Teilnehmer. Das ist ein gutes Ergebnis, allerdings wissen wir, dass vor allem die asiatischen Länder auf den Markt drängen. Allein in China sind 110 Congress- Center samt dazu gehöriger Infrastruktur im Bau oder geplant. Seitens des Staates werden Kongresse finanziell unterstützt, weil dies zum einen ein effektiver Weg ist, die Elite des Landes zu bilden, und zum anderen auch das internationale Renommee fördert.
Welche Branchen sind die Spitzenreiter im Tagungs-Ranking?
Berlin ist einer der Hauptaustragungsorte für Medizinkongresse in Europa. Mit der Charité als größtem Universitätsklinikum in Europa, zahlreichen Forschungseinrichtungen und Spitzenkliniken bietet die Stadt ein Netzwerk, das aktiv für Kongresse genutzt wird, beispielsweise für eine Live-Übertragung aus dem Operationssaal. Auch die Wissenschaftskongresse nutzen den forschungsintensiven High-Tech-Standort Berlin. Dabei sind nicht nur die großen wissenschaftlichen Kongresse von Bedeutung, sondern auch kleinere hochkarätig besetzte Tagungen, bei denen die international bedeutenden Denker und Forscher zusammentreffen. Für die Tagungen von Verbänden ist natürlich die Nähe zur Politik ein ausschlaggebendes Kriterium, sich für Berlin zu entscheiden.
Wieviele Übernachtungen bringen Kongresse und Tagungen den Berliner Hoteliers? Wie viel gibt ein Tagungsteilnehmer im Durchschnitt pro Tag in Berlin aus?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Stadt sind erheblich. 26 Prozent der Übernachtungen in den Berliner Hotels kommen aus dem Tagungs- und Kongressbusiness. Das Umsatzvolumen der rund 8,15 Millionen Teilnehmer an Kongressen belief sich 2008 auf rund 1,5 Milliarden Euro. Die durchschnittlichen Ausgaben je Teilnehmer lagen bei 188 Euro. Rund 29 600 Vollzeitarbeitsplätze sind in Berlin durch den Tagungs- und Kongressreiseverkehr sichergestellt.
Die Zahlen sind beeindruckend. Wer registriert das eigentlich so exakt?
Da steckt viel Arbeit dahinter. Wir haben die Plattform congress.net geschaffen. Hier geben unsere Partner, also die Hotels, Kongresszentren, Locations, Agenturen, ihre Zahlen ein. Es werden Monats-, Halbjahres- und Jahresstatistiken gefertigt, die dann allen Partnern zur Verfügung stehen. Die repräsentativen Zahlen zeigen nicht nur den Status, sondern auch Entwicklungen und Trends.
Mit rund 100 000 Betten bietet die deutsche Hauptstadt eine der modernsten Hotellandschaften Europas. Welcher „Sternebereich“ ist eigentlich der gefragteste?
Exakt sind es schon 108 000 Hotelbetten, und die Zahl wird weiter steigen. Am meisten werden Hotels im 3- und 4-Sterne- Segment gebucht. Da spielten auch eine Reihe international geltender Regularien der Veranstalter eine Rolle, wie z. B. der so genannte Pharmakodex. Das heißt aber auch, dass die 5-Sterne-Häuser gegenwärtig unter besonders schwierigen Bedingungen agieren. Dabei zeigt sich, dass bei aller Konkurrenz die Partner in dieser Situation enger zusammenrücken. Hoteliers und Touristikfachleute tauschen sich über neue Möglichkeiten der Kundengewinnung und -bindung aus. Das ist bemerkenswert und spricht für den Geist dieser Stadt. Die BTM fördert das nach allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften.
Welche Hauptaufgaben bewältigt das Berlin Convention Office?
Einfach gesagt: Die weltweite Vermarktung Berlins. Dazu sind wir auf allen bedeutenden Fachmessen der Branche präsent. Wir organisieren eigene Veranstaltungen, um potenzielle Kongressveranstalter vom Standort Berlin zu überzeugen. Wir akquirieren neue Kunden für Veranstaltungen, beraten Kongressveranstalter, koordinieren Dienstleistungen und vermitteln Dienstleistungs-Partner. Natürlich sind wir bei prestigeträchtigen Ereignissen in der Hauptstadt vor Ort.
Wer sind dabei Ihre wichtigsten Verbündeten?
Das sind die Hotellerie der Stadt, zusammengeschlossen im BTM-Partnerhotels e. V., ein leistungsfähiges Agenturnetzwerk (Berlin Preferred Agencies), aber natürlich auch die Congress-Center und Veranstaltungs-Locations. Wir arbeiten in der Tat partnerschaftlich zusammen und entwickeln viel Leidenschaft für diese packenden Aufgabenstellungen.
Seit 2001 wirbt Ihre Abteilung national und international für die Destination Berlin als Austragungsort für Conventions, Tagungen und Incentives aller Art. Wie hat sich in diesen acht Jahren Ihre Tätigkeit verändert?
2001 haben wir zu zweit das Feld beackert, jetzt sind wir neun Mitarbeiter in diesem Bereich. Die Arbeit ist spannender und internationaler geworden, aber auch dynamischer, weil sich viele Kunden zunehmend kurzfristig entscheiden. Wir verfügen über ein funktionierendes Netzwerk in dieser Stadt, in dem ein hoher Serviceanspruch für die Wünsche und Belange der Gäste gelebt wird. Das ist eine gute Werbung für Berlin.
Wie beeinflusst die wirtschaftliche Weltlage das Kongressgeschehen in Berlin?
Da wir auch im ersten Halbjahr steigende Veranstaltungsund Teilnehmerzahlen vorweisen können, sind die Auswirkungen geringer als befürchtet. Einige große internationale Kongresse wurden zwar verschoben, sind aber für die Stadt nicht verloren, sondern finden zu einem späteren Zeitpunkt statt. Dagegen stieg die nationale Nachfrage im ersten Halbjahr 2009 an. So bestätigt sich der Berlin-Slogan „The place to be for business.“ auch in Krisenzeiten. Wir punkten auch mit neuen Angeboten. So gibt es seit Mai 2009 die Online-Plattform „Green-Meetings“, die die umweltfreundlichen Anbieter der Kongress- und Veranstaltungsbranche Berlins vorstellt. Vor allem aus den USA und den Benelux-Staaten wird verstärkt nach solchen Kriterien gefragt. Wir haben recherchiert: bisher bietet keine andere Metropole dieser Welt eine derartige Datenbank.
Welche Kongresse sind 2010 bzw. in den nächsten Jahren für die Stadt und natürlich auch für Sie und Ihr Team besonders wichtig?
2010 ist das Berliner Wissenschaftsjahr, denn fünf der ältesten und renommiertesten Wissenschaftseinrichtungen feiern ein Jubiläum, so die Staatsbibliothek, die Charité, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die Humboldt- Universität und die Max-Planck-Gesellschaft. Zu diesem Themenjahr gibt es viele Veranstaltungen, bei denen wir Partner zusammenführen und unsere Serviceleistungen einbringen.
www.berlin-convention-office.de
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2008
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- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2009





















