Sommer in Berlin und Umgebung
- von Katja Stein
Archiv der Ausgabe 2 | 23. Jahrgang | Sommer 2010
Berlin und seine Umgebung bieten gerade in den Sommermonaten viele schöne Ziele für einen Tagesausflug oder für ein verlängertes Wochenende. Dabei sind den Wünschen kaum Grenzen gesetzt. Man kann auf dem Fahrrad, im Kanu, auf Skatern, im Segel- und im Ruderboot aktiv sein oder in Wander- und Spazierschuhen auf Entdeckungstour gehen. Unsere kleine Auswahl soll die Entscheidung für die passenden Stadt- und Landpartien erleichtern.

Heilandskirche am Port von Sacrow, Foto: Katja Stein
Die jüngste Auszeichnung für die „Gärten der Welt“ in Marzahn war längst überfällig. Jetzt weht hier die „Grüne Flagge“ als Zeichen für die Besucher, eine der schönsten Grünanlagen Europas zu betreten. Eine Jury aus Großbritannien zeichnete die 21 Hektar große Anlage im Nordosten Berlins damit als ersten deutschen Park überhaupt aus. Neben dem Gartendesign wurden vor allem Umweltschutz, die Sauberkeit, die Pflege und die Barrierefreiheit bewertet. Seit 1997 wird der Preis alljährlich verliehen. Anlässlich der Auszeichnung überreichte Paul Wright von der Bezirksverwaltung der britischen Partnerstadt Halton Pläne für einen Englischen Garten, der bald die Angebote in der 1987 entstandenen Gartenschau bereichern soll.
Eine Reise in die Gartenwelten
Schon jetzt kann sich der Gast von der Fülle der europäischen und exotischen Gartenkünste buchstäblich berauschen lassen. „Mit etwas Phantasie und guter Kondition ist sogar innerhalb eines Tages eine kleine Weltreise möglich“, heißt es keineswegs übertrieben. Schließlich haben Fachleute der jeweiligen Länder gleich acht verschiedene Gärten geschaffen: den Chinesischen Garten des wiedergewonnenen Mondes, den Japanischen Garten des zusammenfließenden Wassers, den Balinesischen Garten der drei Harmonien, den Orientalischen Garten der vier Ströme, den Koreanischen Seouler Garten, den Italienischen Renaissancegarten, den Karl-Foerster-Staudengarten, einen Irrgarten und ein Labyrinth. Derzeit entsteht noch ein Christlicher Garten. Nirgendwo sonst in Europa gibt es beispielsweise einen größeren Chinesischen Garten. Er besitzt eine Fläche von 2,7 Hektar. Im Chinesischen Pavillon können sich die Besucher stärken. Selbst Kindern wird es in der Gartenanlage nicht langweilig. Sie finden viele Spielmöglichkeiten und können im Rhododendronhain zehn bunte Figuren aus den Märchen von Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm betrachten. Mit den Eltern liefern sie sich dann sehr gern einen Wettstreit um den Sieg beim schnellsten Gang durch den Irrgarten. Er ist der Anlage im Garten des britischen Königsschlosses Hampton Court nachempfunden, die als eine der ältesten in Europa gilt und über die Jahrhunderte weitgehend unverändert erhalten blieb.
Eine Insel wie ein Kunstwerk

Am Ufer der Westspitze das Schloss auf der Pfaueninsel, Foto: Bautsch, Wikipedia
Eine ganz andere Parklandschaft empfängt den Besucher auf der Pfaueninsel im Südwesten der Stadt. Das 67 Hektar große Gelände hatte Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. 1793 erworben. Ein uralter Baumbestand von rund 400 Eichen gibt dem Eiland ein einzigartiges Gepräge. Die Gartenarchitekten Eyserbeck, Lenné und Fintelmann entwarfen ein so geschicktes Wegesystem, dass sich die Besucher wie in einem begehbaren Kunstwerk fühlen können. Als optischer Höhepunkt gilt das 1794 erbaute weiße Schloss mit den charakteristischen Türmen und der sie verbindenden Brücke. Der Blick von hier über die Havel nach Glienicke, zum Neuen Garten und nach Sacrow, auf den weißen Ruinenbau der Meierei, die Voliere und den Wasservogelteich im Zentrum der Insel öffnet regelrecht das Herz.
Von hier aus ist es nur ein Katzensprung in das Potsdamer Weltkulturerbe. Per Wassertaxi geht es beispielsweise ganz bequem zur Sacrower Heilandskirche. Sie wirkt vom Wasser aus betrachtet wie ein vor Anker gegangenes Schiff. Die Idee dafür hatte Friedrich Wilhelm IV., der Romantiker auf dem Thron. Er beauftragte seinen Stamm-Architekten Ludwig Persius mit der Umsetzung seiner Skizzen. Das Meisterwerk begeistert die Besucher bis heute. Schließlich erscheint der rechteckige Sakralbau wie eine dreischiffige Basilika. Erst beim genauen Hinsehen werden die genialen Ideen des Architekten sichtbar.
Auf der Landzunge lässt sich beim Picknick vortrefflich über die Geschichte des Bauwerks sinnieren. Immerhin lag es nach der Grenzziehung im Niemandsland zwischen Havelufer und Mauer. Soldaten zertrümmerten die Inneneinrichtung. Zwischen 1993 und 1999 erfolgte die Restaurierung auch im Innern. Seit zwei Jahren erklingt auch wieder eine Orgel.
Ein italienisches Belvedere mit bewegter Geschichte

Italienischer Renaissance-Garten, Foto: Archiv Grün Berlin GmbH
Wer sich die schönste Aussicht auf Potsdam verschaffen will, muss sich auf den Weg zum Pfingstberg machen. Friedrich Wilhelm IV. ließ hier bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nach eigenen Plänen ein Belvedere errichten. Das erinnert nicht ganz zufällig an italienische Vorbilder. Der König bestätigte später selbst, dass er sich während einer Romreise habe inspirieren lassen. Fast zehn Jahre dauerte die 2005 abgeschlossene Restaurierung, nachdem der Bau zu DDR-Zeiten zur Ruine verkommen war. Niemand durfte damals auf die beiden Aussichtstürme nach oben, weil diese einen Blick auf die Grenzanlagen zum nahen West-Berlin ermöglichten. 1988 begann der oppositionelle Pfingstbergverein, zu dem auch der heutige Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck gehörte, mit ersten Aufräumarbeiten. Heute schauen die Ausflügler wie selbstverständlich nicht nur auf Potsdam, sondern auch zum Fernsehturm am Alexanderplatz – gute Sicht vorausgesetzt. Die Umgebung eignet sich ausgezeichnet für ein Picknick im Grünen. Wer es bequemer haben will, spaziert zum nur fünf Minuten vom Belvedere entfernt liegenden Restaurant „Am Pfingstberg“ mit einer großen Freiterrasse unter alten Linden.
Per Rad auf dem Weg nach Usedom
Dank des wieder reibungslos funktionierenden S-Bahn-Netzes steht einer ausgiebigen Radtour vom Berliner Stadtrand ins Umland nichts mehr im Wege. Die Auswahl ist groß, weil mehrere Fernrouten in bester Qualität die Region durchqueren. Zu den persönlichen Favoriten gehört der schönste Weg zur Badewanne der Berliner, wie die Insel Usedom schon seit mehr als 100 Jahren genannt wird. Der Radweg Berlin-Usedom führt über rund 300 Kilometer bis zu den feinen Sandstränden der Kaiserbäder. Radfernfahrer teilen sich die Route in fünf oder sechs Tagesabschnitte ein. Doch auch wer sich nur für eine Etappe auf dem Weg entscheidet, streift viele Sehenswürdigkeiten. Knapp 70 km liegen zwischen dem S-Bahnhof Pankow und Joachimsthal in der Schorfheide. Der Weg verläuft überwiegend auf asphaltierten oder mit einer Kiesschicht versehenen Wegen. Nirgendwo stört Autoverkehr. Gleich im Schlosspark Pankow wartet mit dem restaurierten Schloss Schönhausen die erste Überraschung. 1662 bis 1664 im holländischen Stil erbaut, wurde es für die Gemahlin Friedrichs I., Elisabeth Christine, erweitert. Das heutige Schlossmuseum beherbergt auch eine Ausstellung über den Amtssitz des ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck.

Treppenhaus im Schloss Schönhausen, Foto: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Günter Schneider
Auf dem Pankeweg fährt es sich fast wie von allein durch den Park, in dem das Radeln erlaubt ist. Später geht es auf dem Pankeweg bis nach Bernau mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer, nach Biesenthal und schließlich bis zum Werbellinsee. Erst vor wenigen Wochen wurde der 23 km lange Berliner Abschnitt des Radfernweges Berlin-Kopenhagen fertiggestellt. Er beginnt wie alle Touren am Schlossplatz in der Mitte Berlins. Auf dem Boulevard Unter den Linden geht es zum Brandenburger Tor. Hier trifft die Radroute auf den Berliner Mauerweg nach Norden. Hinter dem Reichstag werden das Ensemble der Parlaments- und Regierungsgebäude, das Bundeskanzleramt, der Humboldthafen in Sichtweite des Hauptbahnhofes und schließlich der Hamburger Bahnhof passiert. Auf dem Invalidenfriedhof weisen Mauerreste auf die ehemalige Grenzanlage hin. Der schönste Teil beginnt am Oder-Havel-Kanal bis zum Flughafen Tegel. Schnell wird Hennigsdorf erreicht, wo sich die S-Bahn für den Rückweg anbietet. Die Tour kann aber auch bis nach Oranienburg fortgesetzt werden.
Traumlandschaften einer Kurfürstin
Die Kleinstadt inszeniert in diesem Jahr wieder „Traumlandschaften einer Kurfürstin“. Nach der erfolgreichen Landesgartenschau im Vorjahr veranstaltet die Stadt jetzt eine Neuauflage im Schlosspark. So können sich die Gäste wieder auf vertraute Arrangements und Ensembles in dem 27 Hektar großen Areal freuen. Dazu gehören 17 liebevoll angelegte Gartenzimmer und acht phantasievoll gestaltete Blumenschauen. Auf einer 6 000 Quadratmeter großen Fläche werden die Pflanzen sogar bis zu drei Mal im Laufe des Sommers gewechselt. Zu den Veranstaltungshöhepunkten zählen die Open-Air-Spektakel am Schlosshafen. Am 24. Juli ist auf der Schlossparkbühne Leon Jessels „Schwarzwaldmädel“ zu sehen, am 6. August „Zar und Zimmermann“ und am 8. August „Eine Nacht in Venedig“. Am 27. August können die Besucher in der Lichternacht auf den beleuchteten Wegen lustwandeln oder Programme im Freien und auf Bühnen genießen. Weiterhin geöffnet ist die weitläufige Spiellandschaft mit Badeteich, Fabelwesen und großem Spielehaus. An Wochenenden gibt es kurfürstliche Hof- und Verkleidungsspiele, botanische Abenteuer und weitere Mitmachangebote.
Archiv:
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