“So gelingt die Klimawende”
Archiv der Ausgabe 3 | 19. Jahrgang | Herbst 2006
- Klimagerechtigkeit und Wettbewerbsneutralität – gleiche Verschmutzungsrechte für alle
Klaus Töpfer präsentiert „Kyoto PLUS“ in der Bundespressekonferenz – Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) stellt sich hinter den neuen Ansatz zur Lösung des Weltklimaproblems.
Wir laufen sehenden Auges in die Klimakatastrophe.“ Ohne eine tief greifende Wende in der Klimapolitik wird sich nach neuesten wissenschaftlichen Berechnungen der Klimagasausstoß bis 2030 verdoppeln und bis 2050 verdreifachen – trotz des Kyoto-Protokolls. Dies ist die eine Botschaft des früheren Berliner Umweltstaatssekretärs Lutz Wicke und jetzigen Mitglieds im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA). Die andere, die positive Botschaft lautet: Es gibt einen Ausweg – mit dem von Klaus Töpfer jetzt vorgestellten „Kyoto- PLUS“-Konzept.
Politikfalle auflösen
Foto: Carola Langer, Pixelquelle.de“Und wie kann diese klassische Politikfalle aufgelöst werden? Die beiden Kernforderungen der derzeitigen Verweigerer müssen gleichzeitig anerkannt und in einen neuen Weltklimavertrag integriert werden und zwar nicht als Kompromiss, denn die scheinbaren Gegensätze sind beide richtig und ergänzen sich sogar wunderbar.
Die Entwicklungs- und Schwellenländer fordern „Klimagerechtigkeit“; ohne diese würden sie niemals einem solchen Vertrag zustimmen. Und es hat in der Tat Sinn, von gleichen Verschmutzungsrechten für alle auszugehen. Nur so entsteht ein für alle gerechter Preis für die Nutzung der Atmosphäre: Wer mehr verbraucht, muss Verschmutzungsrechte von jenen kaufen, die weniger verbrauchen. Die ärmeren Länder erhalten dadurch jährlich rund 25 Milliarden US-Dollar. Sie dürfen diese Einnahmen jedoch nur für Armutsbekämpfung und Klimawende-Maßnahmen einsetzen. Norden und Süden erhalten damit eine starke Motivation, die Klimawende einzuleiten.
Die USA fordern Wettbewerbsneutralität“, weil sie fürchten, dass sonst ihre Unternehmen übermäßig belastet würden. Und auch dies ergibt Sinn. Wettbewerbsneutralität kann man durch einglobales Emissionshandelssystem erreichen. Dadurch zahlt jedes Unternehmen der Welt gleich viel für die Nutzung der Atmosphäre. Und gleichzeitig bietet eine solche marktwirtschaftliche Lösung für die Unternehmen den größten Anreiz, möglichst schnell umzusteigen.
Oft ist die Lösung komplizierter Probleme im Kern verblüffend einfach. Daher sprach die erste Rezension, die zu diesem Buch im Berliner „Tagesspiegel“ erschien, davon, dass die Lösung von Kyoto PLUS „ohne Alternative“ sei. „Darum spricht vieles dafür, dass die kommenden Klimaschutzverhandlungen sich entlang der in diesem Buch skizzierten Linien bewegen werden“, meint Harald Schumann dort. Auch Klaus Töpfer sieht in dem Buch wichtige Impulse, die das Nachdenken über eine Verbesserung des jetzigen Status beflügeln kann.
Globalisierung besser gestalten
Foto: Carola Langer, PPeter Spiegel, Prof. Dr. Lutz Wicke, Michael Schumann, Prof. Dr. Klaus Töpfer, Jörg Dürr-Pucher (v.l.n.r.)Pixelquelle.deWarum sich der BWA als Wirtschaftsverband hinter dieses Konzept von „Kyoto PLUS“ stellt, erläuterte Wolfram Nowsch in seinen eröffnenden Worten bei der Buchvorstellung: „Der BWA hat sich ganz bewusst von jeglicher traditionellen Lobbyarbeit für irgendwelche Partikularinteressen verabschiedet. Er betreibt stattdessen ausschließlich konstruktive, lösungsorientierte Politikberatung. Und die Lösungen, die wir als BWA besonders gern mitentwickeln und hervorheben, sollen einerseits zu einer überfälligen besseren Gestaltung der Globalisierung beitragen, aber andererseits zugleich auch marktwirtschaftlich vernünftig funktionieren. Für ‚Kyoto PLUS’ trifft beides in exzellenter und beispielgebender
Weise zu.“Warum sich der BWA als Wirtschaftsverband hinter dieses Konzept von „Kyoto PLUS“ stellt, erläuterte Wolfram Nowsch in seinen eröffnenden Worten bei der Buchvorstellung: „Der BWA hat sich ganz bewusst von jeglicher traditionellen Lobbyarbeit für irgendwelche Partikularinteressen verabschiedet. Er betreibt stattdessen ausschließlich konstruktive, lösungsorientierte Politikberatung. Und die Lösungen, die wir als BWA besonders gern mitentwickeln und hervorheben, sollen einerseits zu einer überfälligen besseren Gestaltung der Globalisierung beitragen, aber andererseits zugleich auch marktwirtschaftlich vernünftig funktionieren. Für ‚Kyoto PLUS’ trifft beides in exzellenter und beispielgebenderWeise zu.
“Wie dringlich das Klimaproblem ist, zeigt eine Zahl der Versicherungswirtschaft. Sie schätzt die Schäden, die in den nächsten Jahrzehnten durch die Klimazerstörung entstehen werden, auf über 200 Billionen US-Dollar. Dies würde nach heutigem Stand dem gesamten wirtschaftlichen Zuwachs der Menschheit in den nächsten 200 Jahren entsprechen. Ein Nicht-Nachdenken über kluge und machbare Lösungen wird also teuer. Die Investition in das Buch von 19,90 Euro lohnt da allemal.
www.bwa-deutschland.de
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2006





















