See in Sicht!
Archiv der Ausgabe 2 | 22. Jahrgang | Sommer 2009
- Auf, am und im Wasser – Zwischen Ostsee und Müritz gibt die Natur den Ton an
- von Brigitte Menge
„Das Paradies muss hier gelegen haben“, schwärmte der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter. Drei Nationalparks und 261 Naturschutzgebiete beherbergt das Land zwischen Ostseeküste und Mecklenburgischer Seenplatte. Das Bundesland ist ein Paradies für Individualisten, Alleinreiser, Familien, Junge, Alte, Naturfreunde, Wassersportler, Golfer, Wanderer, Radler, Kulturliebhaber …
Mecklenburg-Vorpommern ist mit seinen 1.900 Küstenkilometern die größte und zugleich auch sonnenreichste Badewanne Deutschlands. Die feinsandigen Strände, das salzhaltige Meerwasser, die saubere und feuchte Seeluft, die geringen Temperaturschwankungen und die hohe Sonnenscheindauer sind ein Gratis-Wellness-Paket der Natur, das jeder Urlauber zu jeder Jahreszeit bekommt. Macht die Sonne Pause, trifft man an den Stränden und Steilufern Schatzsucher. Die kleinen und großen Abenteurer patrouillieren am schwer atmenden Meer entlang und suchen mit fiebrigem Eifer nach Hühnergöttern und Donnerkeilen, nach Bernsteinen und Muscheln.
Prachtbad Kühlungsborn
Entlang der Küste ziehen sich die Badeorte wie Perlen. Die Kette der Prachtbäder beginnt in Westmecklenburg mit dem adretten Kühlungsborn, das den Gast perfekt gestylt empfängt. Stolz verweisen die Kühlungsborner darauf, dass sie die längste Promenade der Ostseeküste besitzen. Annähernd vier Kilometer zieht sich die Flaniermeile zwischen Bilderbuchstrand und noblen Villen dahin. In dieser Freiluftarena des weißen, breiten Sandstrandes spielt die Weite von Wasser und Himmel die Hauptrolle. Flach abfallendes Wasser macht das Badevergnügen perfekt. Die erhabene Schönheit des Ortes zieht nicht nur Urlauber an, sondern auch Film- und Fernsehleute. So entstehen in diesem Sommer hier die Aufnahmen für einen Fernsehfilm aus der bekannten ARDReihe „Mord in bester Gesellschaft“. Die Kühlungsborner Hoteliers setzen auf Vielfalt. Von der familiär geführten Pension über moderne Ferienwohnungen und -appartements bis zum exklusiven sternegekrönten Hotel reichen die Offerten. Die Gegend kann der Gast auch stampfend und fauchend erkunden, denn die Mecklenburgische Bäderbahn, liebevoll „Molli“ genannt, wartet auf reiselustige Dampfbahn-Fans, die pure Nostalgie erleben wollen. Bereits seit 1886 verrichtet die Schmalspurbahn ihren Dienst. Die Touristenattraktion zuckelt auf schmaler Spur mit Dampf, Gebimmel und flotten Pfiffen zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn hin und her. Mollis Weg führt mitten durch die engen Straßen der Münsterstadt Bad Doberan, entlang an einer der schönsten Lindenalleen Mecklenburgs, durch die weiße Stadt Heiligendamm nach Kühlungsborn.
Hafen- und Universitätsstadt
Auf dem Weg an der Küste entlang ist Rostock mehr als einen Besuch wert. Einst wichtiges Mitglied der Hanse, ist die Hafen- und Universitätsstadt heute die Wirtschafts- und Handelsmetropole Mecklenburg- Vorpommerns. In der City begegnet man auf Schritt und Tritt den architektonischen Zeugen der Geschichte. Hier stehen die herausgeputzten Giebelhäuser dichtgedrängt, eines schöner als das andere. Dazwischen das idyllische Kloster zum Heiligen Kreuz mit dem Kulturhistorischen Museum, einige alte Speicher, das Schifffahrtsmuseum und der Marktplatz mit dem barock verkleideten siebentürmigen Rathaus. Mitten in der City liegt der Stadthafen mit seiner breiten Uferpromenade, mit Kneipen und Speichern. An seinen Kaimauern machen im Sommer viele kleine Yachten und manch großer Windjammer fest. Besonders natürlich zur Hanse Sail – in diesem Jahr vom 7. bis zum 9. August –, bei der man den Hafen vor lauter Masten kaum noch sieht.
Seele baden, Sinne salzen
Gleich hinter Rostock streckt sich die wildromantische Halbinsel Darß in die Ostsee, deren unwiderstehlichem Zauber und sprödem Charme man sich kaum entziehen kann. Die schmale Landzunge zwischen Meer und Bodden mit ihren Flach- und Steilufern, Strandseen, Buchten, Nehrungen, Dünen, Stränden und Windwatten ist ein Kronjuwel der Natur, das durch den Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ streng geschützt wird. Fest einplanen sollte man einen Spaziergang am Hohen Ufer in Ahrenshoop. Jedes Jahr am ersten Samstag im August wird hier internationale Kunst versteigert. In dem Künstlerort mit langer Tradition haben Bildhauer und Keramiker ihre Ateliers und Werkstätten. Sind die Türen geöffnet, lassen sich die Künstler gern über die Schultern schauen. Ob Zingst, Prerow, Born, Wieck, Wustrow oder Dierhagen – erholsamer Bade- und Natururlaub lässt sich bestens mit kulturellen Aktivitäten verbinden. So zeigen lokale Museen und Ausstellungen Wissenswertes über Land, Leute, Geschichte und berühmte Besucher der vergangenen Jahrhunderte, wie Albert Einstein und Gerhard Hauptmann. Die östlichste Gemeinde der reizvollen Halbinselkette ist das Ostseeheilbad Zingst, das zwischen Ostsee und Bodden inmitten des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“ eingebettet ist. Zingst ist ein moderner attraktiver Ferienort voll traditionellen Charmes. Die wohltuende reine Seeluft, die Heilkraft des Meerwassers, das milde Reizklima und eine ausgebaute touristische Infrastruktur sind die Zutaten, die Zingst zu einem Ostseeheilbad mit vielfältigen Kur- und Gesundheitsangeboten machen. Alljährlich, im Frühjahr und besonders im Herbst, rasten vor der Zingster Haustür tausende Kraniche und verwandeln den Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ in ein wahres „Kranichland“.
1.000 Quadratkilometer Urlaubsland
Schon vor über 100 Jahren zog es Kurgäste und Badehungrige auf die größte und – wie viele finden – schönste Insel Deutschlands: Rügen. Bei einem Bummel durch die liebevoll renovierten und in neuem Glanz erstrahlenden Seebäder spüren Besucher ihn wieder – diesen Hauch von Glanz und Noblesse der Belle Époque. Vornehme Bäder und immer noch bescheidene Fischerdörfer, Steilküsten aus schneeweißer Kreide und Strände mit feinem Sand, schnurgerade Alleen und wilde Sanddornhecken, steinalte Hünengräber und hundertjährige Leuchttürme, gespenstische Buchenwälder und blanke Seen – Rügen gehört heute wohl vor allem wegen seiner Vielfalt und wegen seiner Einzigartigkeit zu den beliebtesten Ferienzielen in Deutschland. Dieser Reichtum beginnt und endet meist am Wasser: die majestätischen Kreidefelsen der Stubbenkammer, die Feuersteinfelder bei Mukran, die Halbinsel Mönchgut, das malerische Jagdschloss Granitz, die Promenade in Binz, Sellin mit seiner Seebrücke. Rügen ist ein Paradies für Wassersportler, vor der fast 600 Kilometer langen Küste mit ihren Häfen und Marinas finden Segler ihr Wunschrevier. Von Rügens Westküste ist es nur ein Flügelschlag bis zur traumhaften Insel Hiddensee. Wie ein Seepferdchen schmiegt sich „dat söte Länneken“ an die große Inselschwester. Das autofreie Eiland misst an seiner schmalsten Stelle nur 125 Meter, bietet dafür aber auf 17 Kilometern Länge eine unvergleichliche Vielfalt. Vom Leuchtturm an der Steilküste des Dornbusch blickt man über den malerischen Ort Kloster und den Hafen von Vitte bis zur blühenden Heide im Süden.
Wie Kaiser auf Usedom
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erwärmten sich Adel und Aristokratie für die Sommerfrische auf dem schmalen, von Ostsee und Achterwasser umspülten Land. Binnen weniger Jahre avancierten mehrere stille Fischerdörfer zu eleganten, ja exklusiven Vergnügungszentren mit europäischem Format. Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin durften gelegentlich sogar Wilhelm II. begrüßen, weshalb sie heute noch als die „Kaiserbäder“ gelten. Usedoms Seebäder, eins schöner als das andere, sind Kleinodien, die nostalgische Eleganz mit modernem Urlaubsgefühl verbinden. Überall ist das Image der boomenden Gründerzeit wieder aufpoliert und der Charme nostalgischer Verklärtheit kultiviert. Hinter den liebevoll restaurierten Fassaden verbergen sich komfortable Hotels und gemütliche Pensionen. Hinzugekommen sind moderne Kureinrichtungen und zum Beispiel die Ostseetherme in Heringsdorf – eine Badelandschaft mit zahlreichen therapeutischen Einrichtungen. Aktive Erholung versprechen der parallel zum Strand verlaufende Radweg sowie das grüne, mit blauen Seen durchwebte Hinterland.
Über 2.000 Seen
Mecklenburg-Vorpommern hat zwei schöne Töchter. Das Land hinter der Küstenregion kann dem Urlauberparadies Nummer eins durchaus das Wasser reichen. Über 2.000 Seen – davon rund die Hälfte in der Region der Mecklenburger Seenplatte – zählt der Statistiker. Der Gast liebt die glasklaren Gewässer, die Stille der Ufer und die oft wie von Zauberhand geschaffenen Wege von einem ins nächste Gewässer. In dieser Gegend geht es weniger turbulent zu als in den Ostseebädern. Hier ist man auf dem Land und unter sich. Und eigentlich stets auf dem Wasser. Praktisch hinter jedem Hügel und jedem Wald glitzert es. Dazwischen liegen verträumte Dörfer und verwinkelte Kleinstädte, charmante Gutshöfe, verwunschene Schlösser und saftige Weiden. Hier begegnet man Menschen, die die Langsamkeit längst als Luxusgut entdeckt haben. Die mecklenburgische Seenplatte gilt als Europas größtes geschlossenes Seengebiet. Am Müritz Nationalpark, inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte, liegt die größte Freizeitanlage Nordeuropas: das Land Fleesensee, das Abwechslung, Abenteuer, Entertainment, Umwelt und Natur zu einem Urlaubs-Komplett-Paket bündelt. Das Urlaubsland ist auch ein Mekka für Sportbegeisterte: Joggen am See, Abschlagen am Golfplatz, Tennis, Angeln, Segeln und Surfen auf dem Fleesensee, Reiten oder Radfahren durch die Mecklenburger Landschaft, Abtauchen im Schwimmbecken, Indoor-Kletterwand, Plätze zum Fußballspielen, für Beachvolleyball und Streetball … Hier braucht der Gast wirklich eine sehr gute Ausrede, wenn er sich nicht bewegen möchte.
Kulisse für glanzvolle Kultur
Mittelalterliche Bauten, verwunschene Ruinen, eindrucksvolle Backsteinkathedralen, herrschaftliche Schlösser und romantische Parks bieten vortreffliche Szenerien für Musikereignisse, Festivals und Theateraufführungen. Diese ungewöhnlichen Orte machen den Charme der sommerlichen Konzerte und Festivals aus. Mit den Putbus-Festspielen, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, der Greifswalder Bachwoche, den Schlossfestspielen Schwerin, den Eldenaer Jazz Evenings und dem Usedomer Musikfestival offeriert das Land exzellente kulturelle Höhepunkte in ganz verschiedenen Genres. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin führt alljährlich vor einer prächtigen historischen Kulisse im „Alten Garten“ große Opern und bewegende Dramen auf. In unmittelbarer Nähe der BUGA 2009 gibt es 2009 bis zum 31. Juli Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, anschließend steht das Musical „Sorbas“ auf dem Park-Spielplan.
Im siebenten Himmel
Eine Woche, ein Wochenende, ein Tag – ob traumhaftes Hotel, einsamer Strand, Landhaus, alte Villa oder das Wissen, an einem besonders schönen Ort abseits der Massen angekommen zu sein. Mecklenburg-Vorpommern bietet ideale Aufenthaltsorte für Turteltäubchen. Ein Wunder der Natur ist die Herzinsel im Großen Brückentinsee bei Neustrelitz. Einwohner des 40.000 qm großen Eilands im Herzformat sind nur die Gäste des Inselhotels. Die Einsamkeit der Insel schätzen aber nicht nur Verliebte und Ruhesuchende, sondern auch seltene Tiere, denn nur 500 Meter vom Hotel entfernt nisten Fischadler.
Auf den Spuren der Pilger
Der Weg ist das Ziel und das spanische Santiago de Compostela weit. Doch die Mischung aus Naturerlebnissen, historischen Kunst- und Bauwerken, Begegnungen mit den Menschen der Region, anderen Pilgern und sich selbst ist auch ganz in der Nähe zu haben. Denn in Mecklenburg- Vorpommern mit seiner Vielzahl an Klöstern, Kirchen und Gebetsorten kreuzen sich die Pfade von Pilgern aus Skandinavien und dem Baltikum. Rund 350 Kilometer sind dabei zwischen Lübeck und Usedom auf der Via Baltica nacherlebbar, zum Großteil mit gelben Pfeilen markiert. Eine Teilstrecke des Jakobsweges führt vom Fischerort Lassan am Peenestrom bis nach Tribsees an der Trebel. Die heilige Birgitta, Begründerin des gleichnamigen Erlöserordens, begab sich 1341 von Schweden aus nach Santiago de Compostela. Ihr Weg führte durch Mecklenburg-Vorpommern und ist über 206 Kilometer praktisch nachvollziehbar. Auch hier wird Pilgern durch gelbe Pfeile und ein weißes Birgittenkreuz auf der Jakobsmuschel eine Orientierung gegeben. Den Ausgangspunkt der Tour bildet dabei die Hansestadt Stralsund als Perle der Backsteingotik. Über Güstrow mit dem Dom St. Maria, Johannes Ev. und St. Cäcilia, der Pfarrkirche St. Marien, der Gertruden- und Heiligengeist-Kapelle führt der Pfad bis in die Landeshauptstadt Schwerin als Endpunkt dieser Teilstrecke.
Weiterführende Anregungen und Tipps:
www.auf-nach-mv.de
www.erlebnistour-mv.de
www.kuehlungsborn.de
www.fischland-darss-zingst.de
www.ruegen.de
www.usedom.de
www.theater-schwerin.de
www.jakobswege-norddeutschland.de
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