Newton mal anders
- von Alexander Wiesner
Archiv der Ausgabe 2 | 23. Jahrgang | Sommer 2010
Grace Jones, Sonja Rykiel, Dennis Hopper, Yves Saint Laurent … – die Liste der von Alice Springs fotografierten Persönlichkeiten ist lang. Trotzdem ist sie im Vergleich zu ihrem weitaus erfolgreicheren Mann Helmut Newton bis heute nur wenigen ein Begriff. In der weltweit ersten Retrospektive über ihr Werk zeigt die Berliner Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie noch bis Januar 2011 etwa 250 Aufnahmen der Künstlerin.

Pat Cleveland, Paris 1970, Foto: © Alice Springs
In seltenen Fällen im Leben kann man einer Erkrankung auch etwas Positives abgewinnen. Im Fall von June Newton sollte eine harmlose Grippe ihres Mannes Helmut den entscheidenden Anstoß für ihre Karriere als Fotografin geben. Als er 1970 den Auftrag einer französischen Zigarettenmarke nicht annehmen konnte, sprang sie kurzerhand für ihn ein. Da sich June – unabhängig von ihrem Mann – den guten Ruf als Fotografin selbst erarbeiten wollte, verzichtete sie auf ihren bekannten Nachnamen und nannte sich fortan Alice Springs. Im Laufe ihrer Karriere fotografierte sie viele Werbekampagnen bekannter Modezeitschriften, ein Motiv schaffte es sogar bis auf das Cover der französischen Elle. Vor ihrer Linse standen Hollywood- Schauspieler und Rockstars, nicht selten in ähnlich lasziven Posen, die man bereits von den Fotografien ihres Mannes kannte. Nachdem die Helmut Newton Stiftung in den vergangenen Jahren bereits vereinzelt Bilder von Alice Springs ausstellte, gewährt das Museum nun erstmals einen umfassenden Einblick in ihr Gesamtwerk.
www.helmutnewton.com





















