Natürliche Schönheit
- von Brigitte Menge
Archiv der Ausgabe 2 | 23. Jahrgang | Sommer 2010
Steilküsten von herber Schönheit, kilometerlange feinkörnige Sandstrände, Heckenrosenhaine, weiße Strandvillen, Seebrücken, die weit ins Meer hinausragen, die plätschernde Ostsee, dazu der Duft von Salz, Algen und Gräsern. Abwechslungsreiche Küstenlandschaften, abgeschiedene Buchten, pulsierende Badeorte, geheimnisvolle Moore, Zeugen vergangener Kulturen und angesagter Lifestyle – es gibt viele Gründe, das Land zwischen Flensburg und Ahlbeck zu besuchen.
Oberflächlich betrachtet standen die boomenden Seebäder des Ostens in den letzten Jahren mehr im Rampenlicht als Schleswig-Holstein. Wer genauer hinschaut, weiß, dass Deutschlands nördlichstes Bundesland nichts an Anziehungskraft verloren hat. Hier rauschen die Ostseewellen und Buchenwälder wie eh und je, das grüne Hinterland der Holsteinischen Schweiz ist zauberhaft. Zwischen Kiel und Flensburg erwartet Urlauber eines der schönsten Reiseziele des Nordens: die Region rund um den Ostseefjord Schlei, deutschlandweit bekannt geworden durch die ZDFFernsehserie „Der Landarzt“. Herzstück der Gegend ist die Schlei – mit 43 Kilometern Schleswig-Holsteins längste Ostseeförde.
An den 400 Kilometern Strand Schleswig- Holsteins kommen Segler, Sonnenanbeter, Schiffsgucker, Surfbrett-Artisten und Naturfreunde voll auf ihre Kosten. Ein beliebtes Segel- und Surfrevier ist die Hohwachter Bucht, übrigens eine der niederschlagsärmsten Regionen HohSchleswig-Holsteins. Das Ostsee-Heilbad Hohwacht hat sich seinen Fischerdorf- Charme erhalten. Natürlich gibt es neben kleinen verwunschenen Reetdachkaten am Meer längst auch Luxushotels für anspruchsvolle Gäste. Die Sonnenecke mitten im Ostholsteiner Land lockt mit kilometerlangen Sand- und Naturstränden, geschwungenen Dünen, bizarren Steilufern und stillen, romantischen Binnenseen. Europas größter und höchster Hochseilparcours befindet sich nur 150 Meter vom Hohwachter Strand der Ostsee entfernt in einem der vielen schönen Buchen- und Eichenwälder. Wer die zehn Stationen bewältigt, wächst nicht nur über sich selbst hinaus, sondern wird auch sofort mit einem grandiosen Ausblick über die Küste hinweg belohnt.
Kunstkilometer am Strand
Action und Natur treffen sich auch am Timmendorfer Strand. Das mondäne Ostseebad an der Lübecker Bucht bezaubert mit dem längsten Strand Schleswig- Holsteins, einem historisch gewachsenen Ortskern mit Gründerzeitvillen, Sterne-Gastronomie und intakter Natur. Hier gehen Shopping-Paradies und Sommerfrische eine lebhafte Verbindung ein. Nur wenige Meter vom kilometerlangen Sandstrand entfernt finden Urlauber exklusive Mode, ausgefallenen Schmuck, edle Pralinés, großartige Kunst, verführerische Düfte, internationales Design, neueste Trends und jede Menge Lifestyle. Zum Pausieren und Sehen und gesehen Werden laden szenige Straßencafés wie das legendäre „Café Wichtig“ ein.
Ganz anders das Sehen und gesehen Werden beim „Kunstkilometer am Strand“: Von Mai bis Oktober werden hier jährlich Werke internationaler Künstler ausgestellt, sodass Besucher an der Strandpromenade immer wieder Neues entdecken und in Meeresnähe auf sich wirken lassen können. Der Kunstkilometer mit seinen wechselnden Skulpturen und Exponaten am Strand ist bislang einmalig an der Ostseeküste.
Der Darß: Bunte Türen und weißer Strand
Viele Künstler zog es von jeher an die Küste. Ruhe, das besondere Licht, die Spuren der Naturgewalten und Landschaftsbilder, die Kulissen gleichen, faszinierten vor allem Maler. Schon vor etwa 120 Jahren waren naturverliebte Maler von der herben Schönheit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst bezaubert. Von weit her reisten sie an und gründeten im verschlafenen Fischerdorf Ahrenshoop eine Künstlerkolonie. Den Malern folgten Literaten und Kunsthandwerker. Viele ihrer Häuser und Werkstätten haben die Zeit unbeschadet überdauert und trugen so zur Bewahrung der Idylle auf der gesamten Halbinsel bei. Die reich geschnitzten und bunt bemalten »Darßer Türen« gelten als Meisterwerke alter Handwerkskunst. Ebenso reizend wie die liebevoll restaurierten Fischerkaten sind die kleinen, aber feinen Kapitänshäuser in einigen Küstenorten. Ein Großteil der Männer fuhr damals zur See – wenn nicht als Kapitän, dann als Steuermann, Schiffsjunge und Smutje oder eben als Fischer direkt vor der Haustür. So lebten 1880 in Zingst 80 Kapitäne, die sogenannten Schiffer, und mindestens doppelt so viele Seeleute. Heute ist Zingst ein attraktiver Ferienort mit viel traditionellem Charme. Das Ostseeheilbad ist die östlichste Gemeinde der reizvollen Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst und liegt eingebettet zwischen Ostsee und Bodden inmitten des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“. Die Gäste finden hier endlose feinsandige Strände und eine einmalige nahezu unberührte Naturlandschaft, die auf dem sehr gut ausgebauten Radund Wanderwegenetz zu ausgedehnten Erkundungstouren einlädt.
Abschalten und abtauchen
Wer auf Deutschlands größter – nicht wenige behaupten auch schönster – Insel unterwegs ist, landet immer wieder am Wasser. Rügen hat 140 Kilometer Küstenlinie mit allem, was das Urlauberherz begehrt: Sandstrände, einsame Buchten, Steilküsten und natürlich den grandiosen Kreidefelsen. Die Insel lockt mit einer Natur, die auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Facetten zeigt. Weitgehend unberührte Landschaft finden Besucher vor allem auf der Halbinsel Jasmund in der Vorpommerschen Boddenlandschaft. In dieser Saison gibt es auf der Insel flächendeckend Elektrofahrräder. An bis zu 40 Stationen können Gäste die Räder, deren Elektromotor das Treten unterstützt, ausleihen und den Akku wechseln.
Ist es der weiße Strand, die Vielfalt der Villen oder die idyllischen Flecken der Stille und Abgeschiedenheit? Usedom wirkt unbeschwert, leicht, verspielt, hell und heiter. Hier ist der Himmel nah und der Horizont unendlich weit. Als der Kaiser, die deutschen Adligen, aber auch eine wohlhabende Mittelschicht nach 1870 die Insel als Urlaubsparadies entdeckten, avancierten mehrere bisher gottverlassene Nester im Handumdrehen zu eleganten Badeorten. Im Bauboom dieser Zeit entstanden die Villen mit ihrer einzigartigen Bäderarchitektur.
Auch das Ostseebad Zinnowitz war einst ein Fischerdorf. Wie so viele Badeorte erlebte auch dieses Ostseebad seinen zweiten Bauboom nach 1989. Die beliebteste Flaniermeile des Ortes ist die Strandpromenade, die gerade im Sommer Augen und Nase gleichermaßen gut tut. Bäume unterschiedlicher Form und Farbe, Blattpflanzen, Bambusstauden und Pflanzen mit aromatischen Düften sind wie Gärten zum Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen und Riechen.
Stolze 2 247 Kilometer ist die deutsche Ostseeküste lang: 1 712 km im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und 535 km in Schleswig- Holstein. Manchmal umfasst das Paradies aber nur ein paar Quadratmeter Strand.
Noch mehr Ostsee zum Eintauchen unter:
www.auf-nach-mv.de
www.sh-tourismus.de
www.howacht.de
www.timmendorfer-strand.de
www.fischland-darss-zingst.de
www.ruegen.de
www.usedom.de
Archiv:
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