METROPOLEN WACHSEN ZUSAMMEN
Archiv der Ausgabe 2 | 19. Jahrgang | Sommer 2006
- Deutsche Bahn fährt im Stundentakt zwischen Hamburg und Berlin
Theaterbesuch, einkaufen oder arbeiten in der einen Stadt, leben in der anderen? Seit der Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofs und dem Bau des Tiergartentunnels in Berlin kein Problem mehr, denn die Deutsche Bahn hat zur Inbetriebnahme dieser Bauwerke einen neuen Takt spendiert: Stündlich verkehrt der ICE zwischen Berlin und Hamburg, den beiden größten deutschen Städten.
Die einstige Vorzeigestrecke der Deutschen Reichsbahn war nach dem Krieg schwer gebeutelt. Nun erstrahlt sie in neuem Glanz – in den 90er-Jahren auf Tempo 160 (wieder) ausgebaut und später auf Hochgeschwindigkeit erweitert. Seit Dezember 2004 fahren die Züge hier zwischen 200 und 230 km/h schnell. Das Beachtliche daran ist die Verwendung der vorhandenen Bahntrasse – einmalig in der jüngeren Hochgeschwindigkeitsgeschichte der Deutschen Bahn.
Seit Ende Mai dieses Jahres hat die Bahn nun die eingesetzten 16 Zugpaare auf 21 erweitert. Das hat seine Auswirkungen auf die Zahl der Reisenden zwischen Berlin und Hamburg, die von 6 500 pro Tag im Jahr 2004 auf 10 000 gestiegen ist. Dieser Zuwachs von rund 30 Prozent liegt weit über dem Wachstum, das üblicherweise nach Streckenausbauten stattfindet.
Somit bietet die Bahn hier eine echte Alternative zum Auto, denn in rund 90 Minuten von Zentrum zu Zentrum ist die Strecke einfach nicht mit dem PKW zu machen. So wundert es nicht, dass die Bahn auf dieser Strecke neben Politikern und Verbänden, die in Berlin sitzen, oder Wirtschafts- und Medienvertretern, die in Hamburg beheimatet sind, einen außergewöhnlich hohen Promi-Faktor ausmacht. So soll auch schon im „Theaterzug“ der Bahn, der abends von Berlin nach Hamburg fährt, der eine oder andere Schauspieler oder Politiker gesehen worden sein.
„Hamburg-Berlin ist bei unseren Kunden der Renner. Mit Tempo 230 hat der ICE das Auto längst überholt“, freut sich Bahnchef Hartmut Mehdorn. Der Anstieg der Reisenden auf dieser Strecke zeige, „dass wir mit dem Ausbau des Schienennetzes und den Investitionen in moderne Fahrzeuge auf dem richtigen Weg sind“, resümiert Mehdorn weiter.
Die Fernzüge der Deutschen Bahn rollen nun nicht mehr durch den Bahnhof Zoo, sondern durch den neuen Hauptbahnhof, dem modernsten und größten Kreuzungsbahnhof Europas als „Bahnhof für alle Richtungen“, wie Bahnsprecher Achim Stauß gegenüber dem TOP Magazin erklärt. Züge in West-Ost Richtung verkehren oberirdisch zwischen Zoo und Friedrichstraße, Züge in Nord-Südrichtung fahren durch den neuen Tunnel und halten zusätzlich im neuen Bahnhof Südkreuz in Schöneberg / Tempelhof.
Dies nutzen auch Berufspendler zwischen Hamburg und Berlin, aber auch aus dem Berliner Umland – hier hat der regionale Zug- und Reiseverkehr in den letzten zehn Jahren in ähnlicher Weise zugenommen, wie zwischen den Städten – sicherlich auch aufgrund des höheren Angebots und der modernen Doppelstockwagen. So verwundert es nicht, dass Bahnsprecher Stauß auch Bahn fährt und gar kein Auto hat – ob das an Europas dichtbefahrenstem Bahnnetz liegt, das sich in Deutschland befindet? tb
Achim Stauß, stellvertretender Sprecher Personenverkehr der Deutschen Bahn





















