Kleine Strolche und große Ideen
Archiv der Ausgabe 2 | 23. Jahrgang | Sommer 2010
Zehn Berliner Unternehmerinnen machten mit ihrem Porträt Mut, den Weg in die Selbständigkeit zu wagen. Erfolg hat viele Gesichter. So auch das Motto der Kampagne zum 5. Berliner Unternehmerinnentag am 19. Juni, dessen Höhepunkt die Verleihung der Auszeichnung „Berliner Unternehmerin des Jahres“ war. Damit ehrte das Land Berlin zum vierten Mal Frauen, die gute Ideen zu erfolgreichen Unternehmen entwickeln.

Hinten, von links: Harald Wolf, Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen; Sabine Beckmann, Moderatorin der Preisverleihung; Dr. Frank / Foto: Sharon Adler
Veranstaltet von der Investitionsbank Berlin sowie der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, bietet der alle zwei Jahre stattfindende Berliner Unternehmerinnentag ein vielfältiges Angebot für Berliner Unternehmerinnen, Gründerinnen und Gründungsinteressierte. Herzstück ist das Seminar-, Foren- und Informationsprogramm, das sich an Unternehmerinnen in den unterschiedlichen Stadien der Selbstständigkeit richtet. Von der Vorbereitung des Bankgesprächs und einer gelungenen Selbstdarstellung über den gezielten Einsatz von Controllinginstrumenten und Personalstrategien bis hin zum Blick in die (Wirtschafts-) Trends der Zukunft reichte die thematische Vielfalt. So bot dieser Tag auch reichlich Gelegenheit, Meinungen und Gedanken auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und von den Erfahrungen anderer selbstständiger Frauen zu lernen.
Kontakte, Kontakte, Kontakte
Dicht umlagert war an den ganzen Tag die Informationsbörse im Foyer des Ludwig Erhard Hauses. Hier trafen sich Gründerinnen, gestandene Unternehmerinnen und Ansprechpartner aus ganz verschiedenen Bereichen. Den rund 800 Teilnehmerinnen standen 30 Berliner wirtschaftsorientierte, nicht-gewerbliche Vereine, Netzwerke und Beratungsinstitutionen mit Rat und Tat rund ums Thema Selbstständigkeit zur Seite. Zugleich bot die Informationsbörse den Ausstellerinnen und Ausstellern die besondere Möglichkeit, direkt in Kontakt mit den Unternehmerinnen von morgen zu treten und ihr Leistungsspektrum aufzuzeigen.
Seit kurzem pflegt die Veranstaltungsreihe auch eine sehr zeitgemäße Kommunikation: Die Facebook-Seite des Berliner Unternehmerinnentages wurde zur Stärkung des Netzwerkes ins Leben gerufen. Diese Seite bietet eine zentrale Plattform, um miteinander in Kontakt zu treten, sich über aktuelle Themen auszutauschen und gezielte Informationen zum Berliner Unternehmerinnentag zu bekommen. Dabei verfolgt diese Seite ausschließlich nicht-kommerzielle Zwecke, denn es geht um das, was man mit Geld nicht aufwiegen kann: Kontakte, Kontakte, Kontakte.
Berliner Unternehmerinnen
Eine wahrhaft schwere Entscheidung hatte die Jury mit „Berliner Unternehmerin des Jahres 2010/2011“ zu treffen. Aus 25 Bewerbungen wählte sie drei Finalistinnen, die auf bemerkenswerte Weise die Kriterien der Ausschreibung erfüllten: erfolgreiche Umsatzentwicklung, innovative Geschäftsidee, soziale Personalpolitik und eine überzeugende Persönlichkeit mit Vorbildcharakter. „Berliner Unternehmerin des Jahres 2010/2011“ wurde Stefanie Zschieschan- Steinfest, Geschäftsführerin der Kleine Strolche Kinder-Intensivpflegedienst GmbH. Das eigene Schicksal gab den Anstoß für die Unternehmensgründung: Tochter Emilia kam 13 Wochen zu früh auf die Welt und nach schwerem Krankheitsverlauf wurde schnell klar, dass sie intensive Pflege benötigte. Die Grenzen, an die Stefanie Zschieschan-Steinfest bei ihrer Suche nach einem geeigneten Pflegedienst stieß, weckten ihren Ehrgeiz: Die frühere Projektmanagerin, die unter anderem für die Sicherheitsausstattung am Airbus A 380 zuständig war, gründete 2005 einfach ihren eigenen Pflegedienst. Ihr Unternehmen bietet neben häuslicher Intensiv-Kinderkrankenpflege eine Rundumbetreuung von der Pflegeberatung bis hin zu Hilfestellungen bei Behördengängen. Mittlerweile ist die 34-Jährige nicht nur eine erfolgreiche Unternehmerin mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch alleinerziehende Mutter von drei Kindern.
Den zweiten Platz im Wettbewerb belegte Nare Yesilyurt-Karakurt, Gründerin und Geschäftsführerin der DetaMed. Der Pflegedienst integriert Migrantinnen und Migranten in zweifacher Weise in das deutsche Gesundheitssystem: Die auf die spezifischen Bedingungen von Patienten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ausgerichtete ambulante Hauskrankenpflege schließt nicht nur erfolgreich eine Lücke im Berliner Gesundheitssystem, sondern bietet gezielt alleinerziehenden Müttern mit Migrationshintergrund eine Integration in den Arbeitsmarkt. Nare Yesilyurt-Karakurt beschäftigt insgesamt 233 Mitarbeiter.
Drittplatzierte wurde Ulrike Saade, die sich mit Ihrer Velokonzept Saade GmbH zum Ziel gesetzt hat, das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu etablieren und die urbane Mobilität zu fördern. Velokonzept vernetzt auf neuen Wegen die Fahrradbranche mit Politik, Wirtschaft und Dienstleistern und kann dabei auf die 30-jährige Erfahrung ihrer Geschäftsführerin, Ulrike Saade, zurückgreifen.
www.berliner-unternehmerinnentag.de
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