Im Einklang mit der Natur
- Museen, das sind doch nur gute Ausflugsziele für regnerische Nachmittage oder trübe Novembertage. Falsch. Denn mindestens eins in Zehlendorf lädt gerade bei Sonnenschein zu einem Besuch ein.
- von Martina Reckermann
Archiv der Ausgabe 2 | 23. Jahrgang | Sommer 2010
Mein Lieblingsplatz ist die Terrasse mit dem Blick über den wunderschönen Garten, hinter dem die Vormittagssonne über dem Wannsee glitzert“, verrät der Museumsleiter der Liebermann- Villa, Dr. Martin Faass.

Liebermann-Villa mit Staudengarten, Foto: © Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin
Ähnliche Gefühle wird wohl auch der einstige Besitzer Max Liebermann gehabt haben, wenn er glücklich mit seiner Familie in seinem „Schloss am See“ die Sommermonate verbrachte und dabei rund 200 Gemälde von seiner Villa und dem Garten aus den verschiedensten Blickwinkeln malte. Dass der Besucher die Kunstwerke direkt mit den Originalschauplätzen vergleichen könne, sei das Besondere der Liebermann-Villa – so der Museumsleiter. Nicht der einzige Unterschied zu anderen Museen, denn der Garten ist nicht nur dekoratives Beiwerk, sondern Teil des Gesamtkunstwerkes.
Der Garten als Kunstwerk
Nachdem Max Liebermann 1910 das geeignete Grundstück gefunden hatte, um seine Idee vom Haus im Grünen zu verwirklichen, hatte er nicht nur von seiner Villa genaue Vorstellungen, Vorder- und Rückfront sind Kopien zweier Hamburger Landhäuser, sondern auch vom Garten. Zusammen mit dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, einem Gartenreformer, erschuf er verschiedene Gartenräume: einen Nutzund einen Stauden-Bauerngarten, zwei Heckengärten, eine Blumenterrasse und eine bis ans Ufer gehende Rasenfläche, die rechts von einer Birkenallee begrenzt wird. Beides vereint – klassizistische Villenarchitektur und Gartenkunst – sind ein einmaliges Ensemble in Berlin, das durch die Bemühungen der 1995 gegründeten Max Liebermann Stiftung Berlin unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Bewegte Geschichte

Max Liebermann im Garten seines Sommerhauses, Wannsee 1920, Foto: © Archiv der Akademie der Künste
Nach dem Tod Liebermanns 1935 musste seine Witwe Martha das Haus an die Reichspost verkaufen und nahm sich aus Angst vor der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt das Leben. Nach der Rückübertragung an die Erben nach Kriegsende wurde das Haus an das Land Berlin verkauft, war danach ein Krankenhaus und ab 1972 Vereinsheim eines Unterwasserclubs. Nachdem die Max Liebermann Stiftung Berlin das Grundstück mit der Villa zurückbekommen hatte, wurde das Haus renoviert und rekonstruiert. Beispielsweise war auf einem Gemälde Liebermanns der Salon mit einem wunderschönen Kamin aus rot-weiß-grau gemustertem Marmor zu sehen, den der Tauchsportverein herausgerissen hatte, um eine Bar zu errichten. Lediglich eine Bodenplatte sei noch erhalten geblieben. Anhand dessen und des Liebermann-Bildes konnte der Marmor in Italien gefunden werden, so dass der Kamin jetzt fast eine naturgetreue Kopie des einstigen sei – so der Museumsleiter.
Ein Stück Garten fehlt
Im ehemaligen Speisezimmer der Familie wurde das Café „Max“ eingerichtet, das Besucher mit leckeren Torten und Tartes bis hin zu Erdbeerbowle und Milchkaffee verwöhnt. Die einstigen Schlafzimmer sind jetzt Ausstellungsräume, in denen u. a. die Sonderjubiläumsausstellung „100 Jahre Liebermann-Villa – Die Idee vom Haus im Grünen“ zu sehen ist. Anhand von Gemälden, Zeichnungen, Radierungen, Fotografien und Dokumenten wird die Geschichte der Liebermann- Villa und ihre Verankerung in der Landhaus-Bewegung um 1900 dargestellt. Zu sehen sind farbenprächtige Werke der Weggefährten Liebermanns wie Lovis Corinth, Max Slevogt und Wilhelm Trübner. Die Herzstücke der Ausstellung sind natürlich die Werke Liebermanns, die sein Sommerhaus und den Garten zeigen. Letzterer wurde in mühevoller Kleinarbeit von der Max Liebermann Stiftung Berlin nach altem Vorbild rekonstruiert und neu bepflanzt. Lediglich ein drei Meter breites Teilstück entlang des hinteren Gartens ist noch von einem Zaun abgetrennt, da es von einem Paddelclub genutzt wird. Der größte Wunsch der Stiftung und der gesamten Museumsmannschaft im Jubiläumsjahr wäre es, dieses Stück vom Land Berlin zurückzubekommen. Man sei in Verhandlungen, hieß es.
130 freiwillige Helfer

Max Liebermann, Der Eingang zum Landhaus, Enkeltochter und Kinderfrau, Foto: Privatbesitz, Courtesy Kunsthandel Wolfgang Werner
Seit 2006 erstrahlen Villa und Garten im neuen, alten Glanz. 80 000 Besucher kommen seitdem pro Jahr, dennoch ist das Museum, das keinerlei Landeszuwendungen bekommt, auf Unterstützung angewiesen wie z. B. auf die Hilfe von 130 ehrenamtlichen Helfern. „Egal ob im Museumsshop, bei der Gartenarbeit oder als Ausstellungsführer, unsere Mitarbeiter sind mit dem Herzen dabei und erzeugen eine entspannte, familiäre Atmosphäre“, erzählt Dr. Martin Faass. Wenn die Besucher nach den farbenfrohen Bildern Liebermanns, der Sonderausstellung und dem Betrachten der Leihgaben der Bremer Stadthalle ihren Cappuccino auf der Terrasse genossen haben, werden sie bestimmt wiederkommen z. B. zu den zahlreichen Veranstaltungen, die zum 100-jährigen Jubiläum einladen. Darunter sind Konzertabende, Lesungen, ein großes Fest, aber auch Garten- und Malkurse sowie Staudenmärkte. Auch die Witwe von Hans Rosenthal hatte zur Benefiz-Lesung anlässlich des 85. Geburtstages des Showmasters in die Liebermann-Villa eingeladen.
www.liebermann-villa.de
Archiv:
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