Gewinnen gehört zum Geschäft
Archiv der Ausgabe 1 | 21. Jahrgang | Frühjahr 2008
- Jurist trifft Black Jack – Volker Richter lässt am Potsdamer Platz die Kugel rollen
Was treibt einen Juristen, der Richter heißt, in die Spielbank? Nicht die Spannung des Spiels, sondern die Arbeit. Seit Beginn des neuen Jahres hat die Spielbank Berlin am Potsdamer Platz eine Geschäftsführungs-Doppelspitze: Mit Günter Münstermann auf Augenhöhe arbeitet Volker Richter. Wir trafen den Juristen zum Interview.
Vom Staatsexamen an den Spieltisch? Welche beruflichen Wege führten Sie zum Potsdamer Platz?
Foto: Oliver WiaIch komme aus Westfalen, habe in Bochum, Marburg und Freiburg Jura studiert und das Studium mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen. Schon da war mir klar, dass ich die klassischen juristischen Laufbahnen nicht wirklich packend finde. So arbeitete ich anschließend in einem renommierten Wirtschaftsprüfungsunternehmen, das mir auch umfassende Möglichkeiten bot, mir betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen. Nach 18 Jahren brodelte in mir der Wunsch nach Veränderung. Die bot sich dann mit einem Angebot der Spielbank Hamburg. Das klang so herrlich exotisch und ziemlich spannend, also sagte ich ja. Von 2002 bis 2007 war ich Geschäftsführer der Spielbank Hamburg und nun bin ich in Berlin.
„Doppelspitze“ klingt nach einer schwierigen Konstellation. Ist es eher ein Gerangel oder ein Miteinander?
Ganz klar: ein Miteinander. Das funktioniert nur, weil die Kompetenzen definiert sind und die Kommunikation funktioniert. Und was genauso wichtig ist: Die Chemie muss stimmen. Das alles ist der Fall. So erweist sich die Konstellation als sinnvoll und ökonomisch. Günter Münstermann ist der Chef für das operative Geschäft, er sorgt sozusagen dafür, dass die Kugel rollt. Ich kümmere mich um alle Rechtsfragen, Personal, Finanzen und allgemeine Verwaltung. So brauchen wir keine kostspieligen externen Berater, wohl aber eine intensive Kommunikation.
Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag eines Spielbank-Chefs aus?
Der beginnt kurz vor 9.00 Uhr damit, die Ergebnisse des Vortags zu prüfen, einfach gesagt: Stehen da schwarze oder rote Zahlen? Dem folgt die Post. Und dann setzt etwas ein, was ich an diesem Beruf so liebe: Der Tag verläuft meist anders als geplant. Spielbank ist ein People-Business, da gehören viele Gespräche – mit staatlichen Stellen, Mitarbeitern, Lieferanten … – dazu. Und am Abend ist unsere Hauptgeschäftszeit. Da ich neu in Berlin bin, besuche ich auch viele offizielle Veranstaltungen und Events, um die Atmosphäre der Hauptstadt kennen zu lernen und natürlich Menschen zu treffen.
Welche Berliner Eindrücke dominieren?
Nach zehn Wochen kann ich sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Ich treffe auf eine offene Gesellschaft und Menschen, die auf andere zugehen. Das ist sehr sympathisch. Den oft beschriebenen Berliner Ton finde ich gar nicht so rau, eher direkt, was ja auch etwas mit Ehrlichkeit zu tun hat.
Gegenwärtig pendle ich noch, denn meine Familie lebt in Hamburg. Ich bin überzeugt, dass die Offenheit, das Flair und der Alltag in der Hauptstadt gute Argumente für einen Umzug sind.
Hand aufs Herz: Fiebern Sie manchmal mit Spielern mit?
Fiebern ist das falsche Wort. Aber die Atmosphäre im Spielsaal ist schon eine ganz besondere. Manchmal kann man die Spannung beinah körperlich spüren.
Gewinnen gehört zum Geschäft – für den, der spielt, und für uns als konzessionierte Spielbank!
Spielen Sie selbst?
Manchmal aus Spaß an der Freude. Aber am liebsten Gesellschaftsspiele zu Hause mit meiner ganzen Familie.
Was ist für Sie Glück?
Der Zustand großer Zufriedenheit. Wenn Dinge, denen man Priorität einräumt, funktionieren. Das ist wie beim Glücksspiel: Wenn die Zahl, auf die man gesetzt hat, auch tatsächlich kommt. Ich denke, es ist wichtig, wahre Glücksmomente zu genießen. Und ehrlich, wenn mich eines meiner Kinder umarmt, die gegebene Liebe zurückkommt, bin ich sehr glücklich.
Eine Reihe neuer Verordnungen regeln den Spielbank-Alltag. So dürfen Sie in der Werbung keine Aufforderung zum Spielen kommunizieren. Wie wirkt sich das aus?
Zum einen das und zum anderen gelten seit dem 1. Januar 2008 für alle Bereiche der Spielbank, also auch das Automatenspiel, Ausweiskontrollen und Rauchverbot. Das alles zusammen hat unseren Umsatz um 30 Prozent schrumpfen lassen.
Um es noch einmal deutlich zu sagen: Wir kontrollieren die Ausweise nur, um zu prüfen, ob die Person 18 Jahre alt und nicht für Spielbanken gesperrt ist. Es findet keine Speicherung von Daten oder Registrierung von Personen statt. Diese Kontrollen sind sinnvoll und dienen auch dem Schutz der eigenen Person.
Unsere Aufgabe als staatlich konzessionierte Spielbank ist die Gewährleistung eines geregelten Glücksspiels. Das tun wir gewissenhaft. bm
http://www.spielbank-berlin.de/
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