Familiensache: Schwarz heißt sauber!
Wenn die Chefs einer Reinigungsfirma Schwarz heißen, kann das auch missverstanden werden und muss nicht unbedingt Werbung fürs Geschäft sein. Bei Stephan und Heiko Schwarz ist das anders: Der Name steht für Qualität – und das schon seit 90 Jahren. So lange sorgt das Berliner Familienunternehmen schon für Hochglanz. 1920 war Großvater Walter Schwarz mit Eimer, Leiter und Fensterleder den Messingschildern und Schaufenstern in der aufstrebenden Metropole Berlin zu Leibe gerückt. Aus diesem Vorläufer der „Ich AG“ wurde die Großberliner ReinigungsGesellschaft, kurz GRG, und die heutige GRG Services Group mit jetzt über 3 000 Mitarbeitern in Berlin, Hamburg und München. Das Gespräch führten Jürgen Blunck und Matthias Tüxen.
Wenn Unternehmenszentralen oft mit einem Ameisenhaufen verglichen werden, dann ist das selten von der Hand zu weisen. Junge, umtriebige Schlipsträger wuseln durch die Großraumbüros, perfekt geschminkte Damen stöckeln durch die Gänge. Ein Serien-Klischee? Oder echter Alltag? Zumindest in der Reinickendorfer Mark-Straße regiert ein anderer Ton: Geschäftsführer Stephan Schwarz begrüßt Mitarbeiter im Fahrstuhl persönlich – mit Namen und kräftigem Händedruck. Herbert Grönemeyer hat zwar die Zeilen seiner Heimatstadt Bochum gewidmet, sie passen aber auch auf die GRG-Zentrale, die von den Mitarbeitern auf den Namen „Burg“ getauft wurde: „… da, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld“. Dabei zählt das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 50 Millionen nicht zu den kleinsten der Branche. Allerdings will die Firma nicht „Umsatz um jeden Preis“ machen. An Ausschreibungen des öffentlichen Dienstes, beispielsweise für die Reinigung von Schulen oder im Handel, beteiligt sich die GRG kaum. „Da lautet die Vorgabe meist, dass entweder nachts oder nur einmal pro Woche geputzt wird“, erläutert Stephan Schwarz. „Da können wir auch unsere Stärken nicht ausspielen und das lässt sich auch mit unserem Anspruch nur schwer vereinbaren.“ Zu den GRG-Kunden zählen daher eher Fünf-Sterne-Hotels oder Banken, begründet der Chef die Firmenphilosophie: „Dort, wo Reinigung nicht nur als Kostenfaktor gesehen wird, sondern auch als Teil der Wertschöpfung des Kunden – das ist unser Markt.“ Zahlreiche Auszeichnungen für die hohe Qualität, unter anderem der Ludwig-Erhard-Preis, sind Beleg dafür, dass diese Idee funktioniert – seit 90 Jahren.
Der Sprung ins kalte Wasser
Bis 1970 führte Firmengründer Walter Schwarz die Geschäfte, danach übernahm Sohn Hans-Jochen. Am letzten Januar-Freitag 1996 die tragische Nachricht aus Südafrika: Der Unternehmenschef war bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen. Trauer und Verunsicherung bei Mitarbeitern wie Kunden gleichermaßen. Innerhalb weniger Stunden stand fest, dass der älteste der drei Söhne, Stephan, an die Unternehmensspitze rückt.
„Das war ein Sprung ins kalte Wasser, aber der Markt hat dafür gesorgt, dass ich schnell schwimmen gelernt habe“, erzählt der studierte Historiker. Eigentlich hatte er Verleger werden wollen, heute kann er sich ein Leben ohne die GRG nicht mehr vorstellen. Zwei Jahre später stieß auch der jüngste Bruder, Heiko, zum Unternehmen und ist heute Geschäftsführer der Hamburger Dependance: „Wir konzentrieren uns auch an der Alster auf das hochwertige Marktsegment. Der Unterschied zu Berlin ist aber, dass es in Hamburg einfach mehr Industrie gibt, damit sieht die Kundenstruktur etwas anders aus.“ Nur Dirk, der dritte der Schwarz-Brüder, mischt nicht im Reinigungsgeschäft mit. Er pendelt als Kunstmanager mehr zwischen Portugal und Brasilien.
„Entspannen müssen wir uns nicht auch noch gemeinsam“
So harmonisch, wie es im Unternehmen zwischen den beiden Brüdern zugeht, so oft getrennt sind ihre Wege in der Freizeit – mit Ausnahme des Sports. Stephan Schwarz ist Kunstfan, sicher auch durch das Studium an der Sorbonne und die Liebe zu Paris („nach Berlin die zweitschönste Stadt der Welt für mich“). Er sammelt auch Kunst, gesteht aber zugleich: „Natürlich entscheiden wir viele Anschaffungen auch gemeinsam, aber meine Frau ist die ganz wesentliche Ideengeberin und kennt sich auch sehr gut auf diesem Gebiet aus.“ Neben Galerien gehören Bücher (zur Lieblingslektüre zählen Essays des französischen Humanisten Michel de Montaigne), Musik (Jazz) und Theater (bevorzugt Stücke von Thomas Bernhard) zu den Hobbys von Stephan Schwarz. Und: Er läuft. Drei- bis viermal die Woche an der Havel – zur Entspannung, wie er sagt. Auch die Marathondistanz hat er bewältigt, gemeinsam mit Bruder Heiko, in New York: „Die Zeiten sind unser bestgehütetes Geheimnis“.
Kinder, Kinder
Die GRG-Mitarbeiter wurden gerade von Jette Joop eingekleidet – in dezentem Grau, Weiß und kräftigem Rot. In der Chefetage dominiert der klassische Businesslook: „Am Wochenende freuen wir uns auch auf Jeans“. Dabei ist Freizeit ein Wort, das im Wortschatz der Schwarz-Brüder eher selten vorkommt. Während Heiko in Hamburg dem eigenen Nachwuchs (ein und drei Jahre alt) die Aufmerksamkeit widmet, hat Stephan in Berlin oft noch mehr Kinder um sich. Sie alle haben eine Adresse: Schlesische 27. Das ist nicht nur eine Kreuzberger Adresse, dort befindet sich auch ein Internationales JugendKunst- und Kulturhaus. Im Unternehmen hängen viele selbstgemalte Bilder der Kreuzberger Kids, denn die GRG unterstützt das Projekt. Stephan Schwarz: „Wenn man die leuchtenden Kinderaugen sieht, wenn die Jungen und Mädchen ihre Arbeiten präsentieren – einfach toll!“
„Kenne die Grenzen meines Talents!“
Allerdings ist für Stephan Schwarz die Zeit, selbst in Kreuzberg zu sein, immer knapp bemessen. Denn nach einem Streitgespräch mit dem damaligen Arbeits- und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement wurde an ihn die Bitte herangetragen, für den Posten des Handwerkskammerpräsidenten zu kandidieren. Nach anfänglichem Zögern sagte er zu und setzt sich nun für die Belange eines gesamten Wirtschaftszweiges in Berlin ein.
Abschließend muss natürlich noch die Frage geklärt werden, wer bei einem Chef einer Reinigungsfirma eigentlich daheim den Besen schwingt? Natürlich wollen beide Brüder nicht auf professionelle Hilfe verzichten, Stephan verrät mit einem Augenzwinkern: „Ich kenne die Grenzen meines Talents! Aber ich koche auch mal gern, um meine Dienstleistungsbereitschaft zu dokumentieren.“
www.grg.de
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