Ein Mann des großen Spiels und für große Spiele
Archiv der Ausgabe 1 | 22. Jahrgang | Frühjahr 2009
- Der Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbunds und Spielbank-Unternehmer Manfred von Richthofen im Interview
Ortstermin im Grunewald. Die Herren sind tadellos gekleidet und die Atmosphäre ist sportlich-lässig, als Manfred von Richthofen und sein Sohn Reinhard von Richthofen-Straatmann (Präsident des Berliner Leichtathletikverbandes) Jürgen H. Blunck und Gerald Backhaus vom TOP Magazin Berlin bei Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen empfangen. Das Gespräch dreht sich um das spannende Leben des Sportfunktionärs und Unternehmers, Berlin als Sportstadt und natürlich auch um die berühmte Familie.

Manfred von Richthofen: „Keine andere Stadt hat eine solche Spitzenstellung, das war lange nicht der Fall. Ob im Eishockey, im Volleyball, im Damen-Hockey oder im Badminton.“; Foto: DAVIDS
Manfred von Richthofen spielt kein Skat wie viele seiner Funktionärskollegen im Sport, und einen Flipper hat der Mitbegründer und Anteilseigner der Spielbank Berlin auch nicht im Haus. „Ich bin von klein an Hockeyspieler“, betont er, der zehn Jahre lang aktiv war in der Hockey-Oberliga. „Das merkt man dann auch an den Knochen, man bekommt da ja nicht wie beim Fußball nur Tritte, sondern auch Schläge.“ Die Leidenschaft für diese Sportart begann in seiner Zeit im renommierten Bodensee-Internat Salem. Dort war Hockey Schulsport, und der kleine Manfred lernte das Spiel gemeinsam mit Kindern aus dem Kreis der Stauffenberg-Attentäter vom Schulleiter Prinz Georg-Wilhelm von Hannover. Dieser schrieb an Manfreds Vater, dass die Leistungen seines Sprößlings in den wissenschaftlichen Fächern teilweise zu wünschen übrig ließen, die im Hockey aber sensationell seien. Der heute 75-Jährige fährt zum Ausgleich Rad. „Alles andere mache ich nicht mehr wegen eines Bandscheibenvorfalls. Ich bin sehr gern in Davos und Arosa Ski gelaufen, aber das geht leider nicht mehr wegen der Erschütterungen.“ Der älteste Sohn von Bolko Freiherr von Richthofen und Viktoria Freiin Praetorius von Richthofen lebt heute halb in seiner Heimatstadt Berlin und halb in Bayern. Er mag München besonders wegen der Umgebung, betont aber ausdrücklich, dass er lieber in Berlin sei, weil die Hauptstadt so lebendig ist. Gerade das kulturelle Angebot findet er sensationell. Er hält Vorträge und sitzt in mehreren Beiräten, vor allem in der Wirtschaft, zum Beispiel in der Commerzbank, aber auch im Beirat der Reinickendorfer Füchse. „Für die Sportstadt Berlin ist es zwingend, dass man auch im Handball mitmacht. Und das Publikum dafür ist ja da.“ Seiner Meinung nach gibt Berlin in den Spielsportarten zurzeit in Deutschland den Ton an. „Keine andere Stadt hat eine solche Spitzenstellung, das war lange nicht der Fall. Ob im Eishockey, im Volleyball, im Damen-Hockey oder im Badminton.“
Aus zwei mach eins: Vereinigung der Sport verbände West und Ost, Fusion von DSB und NOK
Als Vize- und später als Präsident des DSB organisierte Manfred von Richthofen nach dem Mauerfall die Zusammenführung der Sportverbände Ost und West. Da waren neue Landessportbünde zu gründen, Vorsitzende wurden gewählt und einige mussten wegen ihrer Stasi-Verstrickungen ausgewechselt werden. Damals wurde seiner Meinung nach nicht in jedem Fall richtig entschieden: „Die Deutsche Hochschule für Körperkultur in Leipzig hätte man von den Apparatschiks befreien, aber grundsätzlich erhalten sollen, das war eine bedeutende wissenschaftliche Einrichtung.“ Richthofens wohl größter Erfolg ist die Fusion des Deutschen Sportbundes mit dem Nationalen Olympischen Komitee 2006 zum Deutschen Olympischen Sportbund. „Es ging nicht an, dass es einen großen Sportbund gab und ein kleines Nationales Olympisches Komitee, da kollidierte es zum Teil auch personell.“ Den Zusammenschluss hatte er jahrelang gefordert. Rund zehn Jahre vergingen, und zustande kam die Vereinigung erst am Ende seiner sportpolitischen Laufbahn. Dafür wurde Richthofen der erste Ehrenpräsident des neuen Verbandes.
Neffe des „Roten Barons“
Manfred von Richthofen ist der Neffe des legendären Jagdfliegers Rittmeister Manfred von Richthofen, der als „Roter Baron“ wie ein Volksheld verehrt wurde und dem der Sport-Mann seinen Vornamen zu verdanken hat. Von klein an ist er mit allen Fliegergeschichten betraut worden. So jemand wie Generaloberst Ernst Udet, der nach Richthofens Onkel die zweithöchste Zahl von Abschüssen unter den deutschen Jagdpiloten erzielte, kam „zwei Mal die Woche zu uns zum Mittagessen.“ Und in Schweidnitz, im Museum seines Onkels, „wo die Leute von morgens bis abends Schlange standen“, hat er selbst als kleiner Junge die Karten abgerissen.
Politik, Sport und Spiel-Geschäft
Sein Vater, seinerzeit Generaldirektor der Spielbanken in Baden-Baden und Konstanz, hat den Berliner Senat dazu überreden können, auch in Berlin eine staatlich anerkannte Spielbank zu gründen. Ein sehr guter Schachzug war es, den berühmten Eishockeyspieler und Rekordnationalspieler Gustav Jaenecke, einen Berliner Sportstar, dabei als ersten Direktor einzusetzen. „Mein Vater fand mich clever und befürwortete, dass ich in den Aufsichtsrat der Spielbank Berlin ging. Das tat ich und saß dann zudem auch in den Aufsichtsräten von Baden-Baden und Konstanz.“ Dadurch landete er, der im Studium Schul- und Sozialpädagogik kombiniert hatte, in der Geschäftswelt. Dabei gab es ganz andere berufliche Pläne, er wollte in die Landesregierung: „Die Voraussetzungen für den Senator für Jugend und Sport hätte ich erfüllt, nur hatte ich immer das falsche Parteibuch.“ Also nutzte er seine Chance und sammelte erste politische Lorbeeren in der Opposition. Er war Chef der Jungen Union und wurde als junger Mann bei einer Kampfabstimmung zum stellvertretenden Parteivorsitzenden der Berliner CDU gewählt. Die Kontakte aus dieser Zeit nutzten ihm später sehr. „Helmut Kohl kannte ich aus der Jungen Union. Das hat er gerade in seinem Geburtstagsbrief geschrieben. Im Länderrat der Jungen Union vertrat ich Berlin und er Rheinland-Pfalz. Als Sportpräsident war dadurch für mich vieles einfacher bei ihm als Kanzler, wir mussten nicht groß drumherum reden. Ich war ja immer so etwas wie der ‚zentrale Bettler’, und nicht jeder Finanzminister war sportfreundlich“.
Ohne Geld läuft leider nicht viel im Sport. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als DSB-Präsident kippte das Bundesverfassungsgericht das staatliche Wettmonopol. Damals sah sich der deutsche Sport in der Gefahr, Lotto-Gelder in dreistelliger Millionenhöhe zu verlieren. „Die Folgen sind verheerend“, so Manfred von Richthofen, „für den Sport, für einige Sozialorganisationen und auch für den Denkmalschutz, denn die hängen sehr am Lottotropf. Die Zuschüsse an den Sport in Berlin sind um fünf Prozent zurückgegangen.“ Viele Berliner Bundesliga-Vereine werden von der Spielbank Berlin unterstützt, und auch die Spielbanken haben starke Umsatzeinbußen, wofür Gelegenheitsraucher Manfred von Richthofen das Rauchverbot und die Ausweiskontrollpflicht und -registrierung beim Automatenspiel verantwortlich macht. „Das ist schizophren, weil in den Eckkneipen mit Automaten keiner die Ausweise kontrolliert.“ Dadurch gehen den Spielbanken Gäste verloren, Einnahmen fehlen und dadurch das Geld für Sportvereine wie die Reinickendorfer Füchse. Richthofen befürchtet, dass sich die Lage für Sportvereine noch verschlimmert: „Die werden Überlebensprobleme bekommen!“ Einzig der Fußball steht durch den Verkauf der Fernsehübertragungsrechte besser da. „Aber nehmen Sie mal die Leichathletik-WM im August“, wirft Reinhard von Richthofen-Straatmann ein, „das ist die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt. Dreitausend Journalisten aus aller Welt werden nach Berlin kommen. Trotzdem hat der Leichtathletikverband auf seiner Suche nach nationalen Sponsoren bis heute gerade mal drei gefunden.“ Der große Wunsch des Vaters für die Sportstadt Berlin ist der nach intakten Sportstätten. Der Senat sollte Geld in die Hand nehmen, um Stadien und Sporthallen auf Vordermann zu bringen. „Wenn man Jugendliche von der Straße holen will und Migranten sinnvoll integrieren möchte, sind Sportvereine am besten geeignet. Nehmen Sie zum Beispiel Fußball oder Boxen, da muss man sprachlich noch nicht fit sein, da ist die Verbindung zu den deutschen Jugendlichen am einfachsten herzustellen.“ Dazu braucht Berlin Sportstätten, in denen man ohne Probleme trainieren kann. Der Nachwuchs sei da, aber es fehlten teilweise adäquate Sportplätze und genug Trainer. Das ist allerdings kein reines Berlin-Problem, sondern ein deutschlandweites.
Manfred von Richthofen
• Geboren 1934 in Berlin
• Abitur, Studium der Sportwissenschaften und Sozialpädagogik
• bis 1969 Gymnasiallehrer, danach freier Unternehmer, u. a. beteiligt an der Spielbank Baden-Baden und Mitbegründer der Spielbank Berlin
• bis 1969 hauptamtlicher Sportfunktionär
• 1969-1985 Direktor des Landessportbundes Berlin
• 1983-1997 Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees
• 1990-1994 Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB)
• 1994-2006 DSB-Präsident
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