Der Ticketverkäufer
Archiv der Ausgabe 2 | 21. Jahrgang | Sommer 2008
DEAG-Chef Peter Schwenkow beherrscht den deutschen Konzertmarkt
„Aber wenn man keine leuchtenden Augen bei dem bekommt, was man tut, kann man niemals besser als die anderen sein.“ Foto: Oliver WiaDie Presse bezeichnet ihn gern als „Konzertmogul“. Peter Schwenkow spricht von sich selbst lieber als Eintrittskartenverkäufer. Und darauf ist der Vorstandschef der DEAG Deutsche Entertainment AG stolz. Rund 3.000 Veranstaltungen bringt das Unternehmen im Jahr auf die Bühne. Bei der Holding stehen rund 300 Menschen in Lohn und Brot. Hervorgegangen ist die DEAG unter anderem aus der Veranstaltungsagentur Concert Concept, die am 15. Juni ihren 30. Geburtstag feierte – mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne.
Von seinem Büro im oberen Stockwerk des Loeser & Wolff Hauses in der Potsdamer Straße hatte Peter Schwenkow am 20. Mai den Brand in der Philharmonie beobachten können. „Ich war der zweite Anrufer, der das Feuer gemeldet hat“, erzählt der 54-Jährige. Mit den Philharmonikern arbeitet Schwenkow seit 26 Jahren zusammen. Da war es Ehrensache, dass der Waldbühnen-Betreiber seine Spielstätte als Ausweichort anbot. „Ein gigantisches Unterfangen“, erinnert sich der fünffache Vater. „Normalerweise dauert es zehn bis zwölf Tage, die Waldbühne für die Saison vorzubereiten. Dieses Mal mussten wir alles innerhalb von 48 Stunden hinkriegen.“ Hecken mussten geschnitten, Unkraut auf den Zuschauerrängen gezupft und die Bühne vergrößert werden. Auch der Transport der rund 800 Künstler erwies sich als logistischer Kraftakt. Da nur jeweils drei Busse gleichzeitig am hinteren Bühneneingang vorfahren können, dauerte allein die An- und Abfahrt der Musiker und Chorsänger drei Stunden.
Und dann kam sie doch …
Die Waldbühne betreibt Peter Schwenkow bereits seit 1981. Ende September läuft der Betreibervertrag aus, die legendäre Spielstätte soll europaweit ausgeschrieben werden. Der DEAG-Chef rechnet sich gute Chancen aus, erneut den Zuschlag zu bekommen. „Das beste Angebot gewinnt“, sagt der Unternehmer, der im Zweitberuf für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Er jedenfalls habe immer versucht, sich um das „Gesamtkunstwerk“ Waldbühne zu kümmern.
Gelungen ist dies dem gebürtigen Hamburger immer wieder mit spektakulären Events. Schwenkow war einer der Ersten, der klassische Musik für ein breites Publikum anbot. Sein vielleicht aufsehenerregendster Coup: Er konnte Barbra Streisand für ihr erstes und bisher einziges Deutschland-Konzert in die Waldbühne locken. Die Diva war zuvor nie in Kontinentaleuropa aufgetreten. „Es wird nie wieder etwas Vergleichbares geben“, schwärmt Schwenkow. Vorangegangen war jahrzehntelanges Baggern beim Manager der Streisand, Marty Erlichman. Lange biss der Deutsche auf Granit, zu groß waren die Vorbehalte der Sängerin gegen das Land mit der Nazi-Vergangenheit. „She’s never going to sing in Germany ever“, hieß es jahrelang. Doch dann wendete sich das Blatt, die Streisand wollte das Auftaktkonzert ihrer Tournee zunächst in Zürich geben. Peter Schwen-kow intervenierte erneut bei Erlichman und pries die Vorzüge Berlins an. Ein Gespräch der Diva mit Regisseur Steven Spielberg soll schließlich den Ausschlag zugunsten der deutschen Hauptstadt gegeben haben. Für Schwenkow verwirklichte sich damit ein Lebenstraum.
Zukunftspläne
Foto: Oliver WiaDoch Peter Schwenkow wäre nicht so erfolgreich, würde er nicht bereits Pläne für die Zukunft schmieden. Derzeit beschäftigt er sich intensiv mit Ballett, das er als potenziellen Wachstumsmarkt sieht. „Das ist eine verschüttete Kunstform, die eine breitere öffentliche Wahrnehmung vertragen kann“, glaubt der DEAG-Chef. „Im Ballett ist noch Musik drin.“
Daneben plant der Manager für die Saison 2009 neue Open-Air-Konzerte mit Anna Netrebko und arbeitet an einem Projekt mit Jessye Norman. Dabei ist Schwenkow in Teilen der Presse als „Mann, der nicht gern in Konzerte geht“, verschrien. „Alles Schwachsinn“, sagt der 54-Jährige. „Wenn man keinen Bezug zu seiner Arbeit hat, kann man seine Sache sicherlich trotzdem gut machen. Aber wenn man keine leuchtenden Augen bei dem bekommt, was man tut, kann man niemals besser als die anderen sein.“
Auf Wachstumskurs
Leuchtende Augen kann man beim Blick auf die Bilanzen der DEAG bekommen. Das Unternehmen verweist auf ein überproportionales Wachstum im ersten Quartal 2008. „Das wird in den nächsten Quartalen so weitergehen“, ist sich Schwenkow sicher. Die Krise in der Musikbranche betreffe nur den Tonträgermarkt. „Unse re Konzerte laufen gut, für Peter Maffay haben wir in zwölf Tagen 80.000 Tickets ver-kauft.“ Nur der Aktienkurs der DEAG dümpelt im unteren einstelligen Bereich dahin. Der Vorstandschef sieht das entspannt: Das Unternehmen sei seit zwei Jahren auf Wachstumskurs, habe praktisch keine Schulden und mit Ticketmaster, Warner und Anschutz starke Partner. Schwenkow gibt sich optimistisch: „Der Kurs folgt irgendwann den Ergebnissen.“ cr
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