Der neue Mann am Start
Betritt man das Porsche Zentrum in der Franklinstraße, fällt neben der luftigen Großzügigkeit zuerst die charmante Dame am Empfang auf. Das Warten auf ihren Chef wird im Sessel bei Kaffee, Zeitschriften und Porsche-Videos zum kurzweiligen Vergnügen, aber da ist er ja schon: Stephan Blässing, seit April Geschäftsführer der beiden Porsche Zentren in Berlin und Potsdam. Leichten Schritts, mit einem strahlenden Lächeln bittet uns der 45-Jährige – in einem gekonnten Mix aus Eleganz und sportlicher Lässigkeit gekleidet – in eine Gesprächsecke. Lounge-Gefühl entsteht, fast vergessen Herausgeber Jürgen H. Blunck und Autor Gerald Backhaus dabei, in einem Autohaus zu sitzen.
Warum ausgerechnet ein Panamera?“ „Ich möchte jetzt mal etwas anderes haben. Bei diesem Auto kann ich sehr komfortabel und per Knopfdruck auch sehr sportlich fahren.“ So oder ähnlich könnte ein Dialog zwischen Kunde und Porsche-Mitarbeiter ablaufen, beschreibt Stephan Blässing. Das aktuelle Modell der vierten Porsche-Dimension mit vier Türen und vier Sitzen kommt sehr gut an. Und er liebt es, seine Kunden immer wieder zu überraschen, nicht nur mit neuen Fahrzeugen, sondern auch mit außergewöhnlichem Service und zum Beispiel der eingangs erwähnten Rezeptionistin, einer neuen Idee bei Porsche. Der Chef ist ein großer Kommunikator. Er nutzt seine Stärke nicht nur im Kundenkontakt, sondern auch in der Personalführung. Wichtig ist ihm das persönliche Gespräch. Jeden Tag dreht er daher mindestens eine Runde durch den Betrieb, um allen seinen Mitarbeitern zu begegnen.
Vom roten 911er in Miniatur zum schwarzen 964er Coupé in echt
„Schon als Bub war ich von Autos fasziniert“, erzählt der gebürtige Augsburger, der sechs Geschwister hat, eine Klosterschule besuchte und in einem Haushalt aufwuchs, in dem ein Auto vor allem praktisch sein und der Mobilität dienen musste. Unter seinen Matchbox-Autos waren ihm – passend zu seiner späteren Karriere – eine silberne SL Pagode und ein roter 911er, die Porsche-Ikone, am liebsten. Blässing ist ein Mann spannender Kontraste: Einerseits trägt die humanistische Bildung, die er genoss, Früchte. Er ist erklärter Fan von Thomas Mann und Hermann Hesse, liest gerade Fontanes „Effi Briest“ zum zweiten Mal und empfiehlt Tolstois „Anna Karenina“ als Lektüre. Andererseits gibt es da seine abenteuerliche Seite. Schon immer liebte er den Geruch von Benzin, Motorengeräusche und überhaupt das Sportlich- Dynamische. Beim Urlaub in Südfrankreich zum Beispiel legt er sich gern in die Kurven. Schnelle Autos waren in seiner Kindheit aber „keine Realität, sondern ein Traum“. Während der Schulzeit wollte er entweder „etwas mit Autos“ oder Kinderarzt werden. Letzteres aus zwei Gründen: Er wollte diesen Beruf erlernen, um genau das anders zu machen, was ihm an seinem eigenen Arzt missfiel, „… und außerdem hatte er ein super Auto!“ Die Liebe zu den Fahrzeugen siegte. Blässings berufliche Karriere begann bei Mercedes. Nach Abitur und Berufsausbildung entschied er sich, bei der Münchner Niederlassung anzufangen. Stolz berichtet er, dass er mit 21 Jahren der jüngste Mercedes-Nachwuchsverkäufer Deutschlands war. Gar nicht so einfach, weil die Kunden dort damals eher arrivierte Herren als Gesprächspartner erwarteten. Mit 23 kaufte er sich vom selbst verdienten Geld den ersten SL. Seine Leidenschaft gehörte aber schon damals auch den Autos aus Zuffenhausen. Den ersten Porsche, ein gebrauchtes Cabrio, erwarb er im Alter von 26 Jahren, und bereits ein Jahr später fuhr er einen neuen, schwarzen 964er CoupĂ© in seiner Wunschausstattung.
Von Düsseldorf in die „neue Heimat“ Berlin
Stephan Blässing kam beruflich viel herum in seiner Zeit bei Mercedes, lebte und arbeitete für jeweils drei bis vier Jahre in verschiedenen Städten in Deutschland, in unterschiedlichen Führungspositionen bis zur leitenden Führungskraft. Als der Konzern mit der A-Klasse neue Wege beschritt, war er als Projektleiter dabei und begleitete die weltweite Markteinführung. Im Daimler-Konzern hatte er das erreicht, was ihn reizte, und so liebäugelte er damit, ganz neue Wege zu gehen und sogar die Branche zu wechseln, um im Bereich Management, Vertrieb und Marketing zum Beispiel für ein hochwertiges Label der Bekleidungsindustrie zu arbeiten. Doch dann fiel die Entscheidung zugunsten eines anderen Automobilherstellers: klar, zugunsten von Porsche. Neu war für ihn nicht nur die Marke. In seinen knapp drei Jahren bei Porsche in Düsseldorf baute er auch erfolgreich ein Zentrum an einem neuen Standort auf. Schließlich erlag er dem Lockruf der Hauptstadt und zog an die Spree. Neben der Faszination, die die Metropole generell auf ihn ausübt, gibt er vor allem „mehr Nähe zum Hersteller“ als Herausforderung und Grund für seinen Wechsel in die Berliner Werksniederlassung an.
Berlin passt super zur Marke Porsche
Der Frühaufsteher, der gerade eine neu sanierte Altbauwohnung direkt an der Spree gefunden hat, joggt jeden Morgen eine halbe Stunde am Spreeufer entlang, um sich fit zu halten. In nur fünf bis sieben Minuten ist er mit seinem Porsche am Arbeitsplatz: „Es ist Lebensqualität für mich, am Wasser und nahe am Geschäft zu wohnen.“ Blässing liebt es, in der Hauptstadt zu leben und hier jeden Tag neue Menschen und Orte kennenzulernen. „Es ist die Stadt in Deutschland, was Lebenslust, Experimentierfreude und Lebensqualität angeht.“ Mit seiner bunten Vielfalt passt Berlin super zur Marke Porsche, findet er. Porsche-Fahrer sind unglaublich unterschiedliche und teilweise abenteuerliche Menschen. „Wir haben Kunden, die sich einen Porsche- Lebenstraum für 30 000 Euro erfüllen. Das ist deren erster Porsche, ein Gebrauchtwagen und ein genauso großes Erlebnis wie für diejenigen, die einen limitierten Porsche für weit über 200 000 Euro kaufen.“ In Zukunft möchte er noch stärker Ansprechpartner für Porsche-Fahrer mit klassischen Fahrzeugen aus den 70er bis 90er Jahren sein und mit den Mitarbeitern der beiden Zentren „mehr Gesicht“ sein. „Wir sind keine Volumenverkäufer und können daher das spezialisierte und besondere Fachgeschäft sein.“ Das Besondere sucht Stephan Blässing auch in seiner „neuen Heimat“ Berlin, die er auch als seinen „Landepunkt“ bezeichnet. Hier will er Wurzeln schlagen.
www.porschezentrum-berlin.de
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