Boss ohne Chefsessel
- Gespräch mit Klaus-Jürgen Meier, AG City
- von Gerald Backhaus
Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010
Ein Gespräch mit Klaus-Jürgen Meier, Versicherungsunternehmer und Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft City. Wo dieses Interview stattfinden soll? Da wären zum Beispiel das Turmzimmer, der Besprechungsraum oder das Rote Zimmer. Ich habe die Auswahl, denn der Chef hat keinen eigenen Schreibtisch. „Ich docke mich immer bei meinen Mitarbeitern an“, sagt Klaus-Jürgen Meier. 20 Frauen und Männer arbeiten in den großzügigen Büros seiner Firma Roskos & Meier OHG, einer Allianz Generalvertretung, die in der 5. Etage eines eleganten Gebäudes am Kurfürstendamm nahe der Schaubühne residiert.

Klaus-Jürgen Meier, Foto: eventpress
1995 haben sich die Agenturen Roskos und Meier zu einer Offenen Handelsgesellschaft zusammengeschlossen. Klaus-Jürgen Meier ist persönlich haftender Gesellschafter. Nachdem Herr Roskos 2004 in Pension ging, hat er mit Dr. Bernd Hartmann und Tom Siebert zwei weitere Partner. „Wir vertreiben die komplette ‚Allianz Welt’ inklusive der Bankangebote und haben an der Ecke Nestorstraße eine eigene Allianz- Bankfiliale,“ erzählt Meier, dessen Firma in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum feiert. 1980 eröffnete er seine erste Allianz- Agentur. Auf seine Selbstständigkeit ist er stolz – „Ich war nicht einen Tag angestellt!“ – und auf die Kunden sowieso: „Alles, was wir heute an Kundschaft haben, haben wir selbst geworben.“ Darunter sind Privatpersonen genauso wie M-Dax-geführte Unternehmen. „Wir versichern kompetent alles – von Personenversicherungen wie Altersvorsorge und Krankenversicherung bis hin zu Gewerbe- und Industriebetrieben.“ Visa für die USA – als besonderes Zusatzfeld ist Roskos & Meier bundesweit für das komplette Inkasso im Auftrag der amerikanischen Botschaft verantwortlich. Meier ist Jahrgang 1957 und stammt aus dem bayerischen Amberg in der Nähe von Regensburg. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm, schon sein Vater arbeitete als Vertreter beim Marktführer Allianz. Der Sohn wuchs quasi mit Versicherungsfällen auf und erlebte schon als Kind Schicksale mit, die durch Schadensfälle geprägt wurden. Er erlernte zwei Berufe. Als frisch gebackener Energieanlagenelektroniker ging er Mitte der siebziger Jahre zu Siemens nach Westberlin. Zunächst war ein Jahr geplant, aber dem jungen Burschen gefiel die Großstadt so gut, dass er hier „hängen blieb“ und seine Tätigkeit als selbstständiger Versicherungsvertreter aufnahm. Ein Bayer in Berlin – zugegeben, Meier vermisst die Berge, hat aber kein Heimweh, sondern fühlt sich generell eher als Europäer.
Ein Mann, ein Wort – Meiers Einsatz für die AG City
Klaus-Jürgen Meier engagiert sich stark – neben seiner Mitgliedschaft im Wirtschaftsclub VBKI – in der Arbeitsgemeinschaft City. Dieser Verein, der Entscheider aus verschiedenen Bereichen des westlichen Berliner Zentrums bündelt, finanziert sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und über Veranstaltungen. „Unsere Kernkompetenzen sind Handel, Tourismus, Kultur und Stadtentwicklung, und wir haben Mitglieder vom Anwalt bis zum KaDeWe.“ Als Kernaufgabe und Hauptaugenmerk der Interessengemeinschaft formuliert Meier, der 2009 erneut zum Vorstandsvorsitzenden gewählt wurde, „dass wir die City West nach vorn bringen, sie aktualisieren, aber dabei auch ihre Historie beachten.“ Wie er zu seinem Ehrenamt kam? „Mein Freund Peter Huber, der auch Vorstand ist und bisher das Europacenter vertreten hat, sagte zu mir, dass man hier einfach mitmachen muss.“ Die AG City sei die Organisation, die sich für das Areal rund um den Kurfürstendamm einsetzt. Den Aufwand für sein Engagement habe er allerdings unterschätzt: „Ich bin freiwillig in die Falle hineingestolpert und Vorstand geworden, und wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig oder lasse es sein.“ Damit seine ehrenamtlichen Engagements mit der Unternehmertätigkeit nicht kollidieren, geht nichts ohne gute Koordinierung. Fast tägliche Telefonkonferenzen mit Jennifer Woelki, Geschäftststellenleiterin der AG City, gehören dazu. Aktuell beteiligt sich der Verein als privater Geldgeber neben Senat, Bezirk und IHK am „Forum City West“ im Amerikahaus. Das soll – im Rahmen eines geplanten Regionalmanagements – zum zentralen Ort der Kommunikation für die City West werden. Ganz wichtig ist Klaus-Jürgen Meier auch das Jubiläum „125 Jahre Kudamm“ im nächsten Jahr. Über die Ideen dazu und die geplanten Veranstaltungen verrät er aber noch nichts.
„Wenn es die AG City nicht gäbe, müsste sich der Handel zusammenschließen und eine gründen“, so Meier, „allein schon wegen der Öffnungszeiten, der Sicherheit und Sauberkeit.“ Weil hier einzelne Unternehmen tätig sind, sei es nicht wie in einem Einkaufscenter, „wo man mit dem Mietvertrag schon für Marketingaktivitäten unterschreibt. Hier ist alles freiwillig, und die AG City stellt die Plattform für die Akteure, sich zu begegnen und Vereinbarungen treffen können.“
City West in zehn Jahren
Auf die Frage, wie er Berlins westliches Zentrum in zehn Jahren sieht, hat Meier klare Vorstellungen. Es sprudelt geradezu aus ihm heraus: „Ich wünsche mir, dass dann das Riesen- oder Aussichtsrad da ist. Ich war gerade am London Eye, und das war wunderbar. Also so ein Riesenrad muss einfach her! Ich denke, dass wir dann eine Seilbahn von Mitte hierher haben, dass der Hardenbergplatz endlich vernünftig aussieht, dass der ICE wieder am Bahnhof Zoo hält und dass das Zoofenster und das Waldorf Astoria fertig sind und florieren. Dass der zweite Turm gegenüber der Gedächtniskirche dann auch hochgezogen ist, dass die Umbauarbeiten am Tauentzien fertig sind, und dass wir ein komplettes Konzept für die Zukunft des Kurfürstendamm – inklusive Lichtkonzept – haben …“ Letzteres funktioniert bereits prächtig in den Wochen vor Weihnachten. „Die Adventsbeleuchtung ist sensationell, es gibt nirgendwo eine Straße, die über vier Kilometer so beleuchtet ist,“ schwärmt Meier. „Die Anfänge gehen auf die AG City zurück. Wir hatten das angeregt, damals Geld gesammelt und Herrn Boehlke damit beauftragt.“ Das sei gar nicht einfach gewesen, da die Filialisten immer ihr K.o.-Argument brächten: „Wenn wir hier mitmachen, müssten wir auch überall, wo wir sind, mitmachen, und deshalb dürfen wir nicht.“ Es ging also nur über Lobbyarbeit und persönliche Kontakte. „Wir sind froh, dass wir die Firma Wall AG ins Boot holen konnten und diese mit dem Bezirk eine gute Vereinbarung treffen konnte.“ Der Vertrag wurde verlängert, so dass die Adventsbeleuchtung in den nächsten vier Jahren gesichert ist. Und nicht nur das, sie wurde erweitert auf die untere Kantstraße, und im nächsten Advent soll auch die Fasanenstraße illuminiert werden.
„Abirrende Bälle“ fernab vom Fairway
„Wir haben ein eigenes Golfplatzkonzept, sind darin Marktführer,“ erzählt der Versicherungsmann und passionierte Golfspieler Meier. Früher in Bayern spielte er Fußball, Tennis, Squash und ging Ski laufen, seit 17 Jahren aber kann man ihn regelmäßig auf verschiedenen Golfplätzen antreffen, am liebsten natürlich in seinem Club in Bad Saarow. Er erwähnt gern die so genannten „abirrenden Bälle“. „Wenn einer an der Eins abschlägt und rechts ist der Parkplatz, wohin man normal nicht schlägt, aber derjenige hat einen ,abirrenden Ball‘, der ein Auto trifft, dann kommt es zu Haftpflichtschäden.“ Diese abzuwickeln ist oftmals sehr amüsant: „Natürlich will es keiner gewesen sein, wenn man fragt, wie der Ball von der Position dorthin kam.“ Irgendwann erkennt man das wahre Wesen eines Menschen, beschreibt Meier einen Grund für seine große Liebe zum Golfen: „Lange kann sich auf dem Platz keiner verstellen, nach spätestens 18 Löchern haben Sie den Charakter Ihres Mitspielers erkannt.“ Direkt Geschäfte macht er beim Golf kaum, „von 100 Prozent Redeanteil sind nur 2 Prozent über das Geschäft“, aber man kennt sich, ist gleich per „Du“, und das kann natürlich auch das berufliche Vorankommen erleichtern. Seit mittlerweile 15 Jahren organisiert er eine Golfturnierserie, den Allianz Agenturen Golfcup, mit. „Der Koordinierungsausschuss besteht aus vier Leuten, und davon bin ich einer.“
Klaus-Jürgen Meier lebt in einer so genannten Patchworkfamilie. Seine Kinder aus erster Ehe sind 26 und 22 Jahre. Während der „Junior“ derzeit in England in der Gastronomie tätig ist, hat sich die Älteste für die Versicherungsbranche entschieden und arbeitet als Kundendienstberaterin bei Roskos & Meier. Die beiden Söhne seiner zweiten Frau sind 16 und 18 Jahre alt. Für den Jüngeren gibt es derzeit nichts Spannenderes als die Freunde und die Stadt, der Ältere hingegen fährt gern mit raus zum Golf spielen. Obwohl Klaus-Jürgen Meier dem Berliner Winter etwas abgewinnen kann – „Ich mag den Schnee“ –, kann sich der 52-Jährige auch gut vorstellen, die kalte Jahreszeit in zehn Jahren woanders zu verbringen, „wenn ich mich aus dem operativen Geschäft zurückziehe.“ Er favorisiert wärmere Gefilde auf der anderen Seite der Erdkugel wie Südafrika, Australien und Neuseeland.
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