Berlins beste Küchen
Archiv der Ausgabe 2 | 22. Jahrgang | Sommer 2009
- von Cecilia Reible
Der Berliner sitzt gern draußen. Kaum ist der Schnee geschmolzen, stellen pfiffige Gastwirte die ersten Tische und Stühle vor ihr Lokal. Dazu einen Heizpilz, wo’s erlaubt ist, und schon hocken die ersten dick eingemummelten Gäste auf der Terrasse und wärmen sich an Heißgetränken. Genießer warten die warme Jahreszeit ab. Sie lassen sich auch nicht in jedem x-beliebigen Straßencafé nieder. Denn nicht nur das Ambiente – idyllischer Garten, verwunschener Hinterhof oder traumhafter Ausblick –, auch die Küchenleistungen müssen ja stimmen. TOP-Gastro-Autorin Cecilia Reible stellt kulinarische Oasen mit Freisitz vor.
Mit einem der schönsten Innenhöfe der Stadt wartet das Restaurant Guy am Gendarmenmarkt auf. Das mediterran wirkende Ensemble in der Jägerstr. 59/60 mit Rundbögen, Kübelpflanzen und Wasserbecken bietet die perfekte Kulisse für ein romantisches Tête-à-tête. An 16 Tischen kann man draußen die mediterran angehauchte Gourmetküche genießen. Verschiedene Aromen und Texturen werden mutig kombiniert, z. B. Hummer mit Chorizo, Chicoree und Cashewkernen (23 Euro), Kabeljau, Rinderhüfte, verschiedene Bohnen und Kaviarvinaigrette (29 Euro) sowie Vanille-Crème brûlée mit Paprika und Himbeere (10 Euro). Erinnerungen an Pariser oder Brüsseler Restaurants weckt die Spezialität des Hauses: die Meeres-Etagère mit einer riesigen Auswahl an Mollusken, Krusten- und Schalentieren (99 Euro für zwei Personen, nur auf Vorbestellung zwei Tage im Voraus). Zum Kennenlernen des Lokals bietet sich der täglich wechselnde Business Lunch an (17–22 Euro). Gut zu wissen: Auch Vegetarier kommen mit einem mehrgängigen, einfallsreichen Menü auf ihre Kosten. Und Weinliebhaber freuen sich am großen Angebot offener Tropfen. www.guy-restaurant.de
Ein paar Häuser weiter, in der Jägerstraße 54/55, gelangt man durch ein schmiedeeisernes Gitter in den kleinen Innenhof des Restaurants VAU. Nur knapp vierzig Gäste finden an den weiß eingedeckten Tischen Platz. Der im Jugendstil rekonstruierte, typische Berliner Hinterhof dürfte insbesondere Architekturfreunde begeistern, schließlich hat Stararchitekt Meinhard von Gerkan das Restaurant gestaltet. Für Grün sorgen einige in Kübel gepflanzte Lorbeerbäume. Was Sternekoch Kolja Kleeberg auf die Teller bringt, lässt Feinschmecker jubeln, etwa Salat von geräuchertem Tafelspitz mit Liebstöckel, Rettich und Kalbsbries (30 Euro), Gerösteter Heilbutt mit Champagnerrisotto, Sommertrüffel und Sellerie (48 Euro) und Tarte von Ziegenfrischkäse mit geschmorter Vanille-Mango und Passionsfruchthollandaise (17 Euro). Mittags wird jeder Gang mit 15 Euro berechnet, wobei sich der Gast sein Menü individuell zusammenstellen kann. Der gut sortierte Weinkeller mit fast 500 Positionen lässt kaum Wünsche offen. www.vau-berlin.de
Ein weiterer berühmter Architekt zeichnet für den Hofgarten des Restaurants Traube verantwortlich: Hans Kollhoff restaurierte das denkmalgeschützte Haus in der Reinhardtstraße 33 und verlieh der ehemaligen Schmiede weltstädtische Eleganz. Im Innenhof sitzt man an Gartenmöbeln aus Holz vor den bodentiefen Fenstern, ein Ahornbaum spendet Schatten. In der Küche gab es im Juni einen Wechsel: Nach dem Weggang von Kevin Nathan hat dessen einstiger Sous-Chef Christian Gau das Zepter übernommen. Dieser setzt weiterhin auf die modern interpretierte, badisch-alpenländische Küche mit Bärlauchsüppchen mit sautierter Rotbarbe (8 Euro), kross gebratenem Zanderfilet auf Champagnerkraut und Blunzen-Erdäpfel-Püree (21,50 Euro) und Törtchen von zweierlei Melone mit Minz-Pesto und Sonnenblumenkerneis (7,50 Euro). Der Name Traube verpflichtet: Auf eine breite Weinauswahl überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum wird Wert gelegt. Zum Lunch gibt es ein täglich wechselndes „Plat du jour“ (9,90 Euro), mit einer Vorspeise oder einem Dessert wird daraus für 15 Euro ein kleines Menü. Gut für Mittagstrinker: Viele Tropfen werden auch glasweise ausgeschenkt. www.traube-berlin.de
„Mutter“ der Traube ist das Restaurant Paris-Moskau. Das hutzelige Fachwerkhaus hat nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch zahlreiche Abrisspläne überstanden. Einst im Schatten der Berliner Mauer gelegen, befindet sich die Adresse Alt-Moabit 141 heute mittendrin zwischen neuem Hauptbahnhof und dem künftigen Bundesinnenministerium. Bis 2011 die Bauarbeiten beginnen, können Gäste noch den Blick ins Grüne genießen. Im Sommergarten unter Robinien lässt es sich fast vergessen, dass man sich mitten in der Großstadt befindet. Gekocht wird auf hohem Niveau: Kalbstafelspitz auf Karotte und Zuckerschote mit Wildkräutersalat (12,50 Euro), Ibericoschwein und Calamaretti mit Blumenkohl und Bärlauchbaumkuchen (23,50 Euro) und pochierter Schokoladenkuchen mit Mango und Champagnereis (8,50 Euro). Dazu eine reichhaltige Auswahl an Weinen aus Europa, viele davon im offenen Ausschank. Die Mittagskarte ist etwas kleiner, die Preise liegen dann niedriger. Wer Zeit hat, bestellt ein Überraschungsmenü mit drei oder vier Gängen (25–32 Euro). www.paris-moskau.de
Ebenfalls einen traumhaften (und zudem denkmalgeschützten) Garten mitten in der City West hat das Café im Literaturhaus in der Fasanenstr. 23. Im Schatten der imposanten Stadtvilla aus dem Jahr 1889 sitzt man idyllisch im Grünen unter alten Bäumen und befindet sich doch nur ein paar Schritte vom Kurfürstendamm entfernt. Vogelgezwitscher und ein plätschernder Springbrunnen sorgen für die passende akustische Untermalung. Die Küche im Bistrostil greift nicht nach den Sternen, bietet dafür das volle Programm vom Frühstück über Kaffee und Kuchen bis hin zum kompletten Menü. www.literaturhaus-berlin.de
Mit dem Fahrstuhl gelangt man zur Terrasse des Restaurants 44 im Swissôtel (Augsburger Str. 44). Von dort genießt man nicht nur einen traumhaften Blick auf den Ku’damm, sondern kann sich auch an duftenden Kräutern berauschen. Küchenchef Danijel Kresovic hat auf der Terrasse einen etwa 25 Quadratmeter großen Garten angelegt, in dem allerlei Küchengewürze wachsen. Neben den Klassikern sind Exoten wie Chianti-Basilikum, Ananassalbei, Peruanischer Purple Chili und Currykraut dabei. Die Blätter und Blüten finden sich natürlich in den Kreationen des Meisters wieder: Bronzefenchel würzt den gebeizten Ikarimi-Lachs mit Pulpo, Ouzo und wildem Spargel (18 Euro). Wasabikraut gibt den Farfalle Pfiff, die das Perlhuhn mit Blütenhonig, Gurkenjus und Römersalat (27 Euro) begleiten. Aus Anissamen fabriziert Kresovic ein Eis in einer Komposition mit Valrhona-Schokolade, Rhabarber und Himbeere. Die Preise fürs Lunch- Degustationsmenü liegen zwischen 22 und 44 Euro. Unter den rund 300 Weinen finden sich viele halbe Flaschen sowie etwa zehn offene Weine. www.restaurant44.de
Stadtauswärts im Grunewald herrscht an Lokal-Freisitzen kein Mangel. Doch ein besonderes Kleinod im Grünen soll hier noch genannt werden: Das Ristorante La Forchetta an der Koenigsallee 5b. Hier sitzt man entweder auf der schönen Terrasse mit Terrakottaboden, Blumenkübeln und Blick in einen verwunschenen Garten und auf den Halensee. Oder man lässt sich gleich direkt am Wasser, dem so genannten „Ku’damm Beach“, nieder. Auf schwimmenden Pontons haben die Betreiber eine stylische Champagner-Bar eingerichtet. Dort kann man lässig im Liegestuhl oder auf roten Polstern Cocktails schlürfen und die Abendsonne genießen. Die Grundlage dafür legt man zuvor oben im Restaurant mit Risotto mit Erdbeeren und Champagner (16,50 Euro), Kalbsroastbeef mit Pfifferlingen (30 Euro) und Ricotta-Käsekuchen (8). Dazu ein bisschen vino, und man fühlt sich wie am Lago di Como. Nur George Clooney ist bisher noch nicht aufgetaucht …
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2007
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2008
- Archivbeiträge der Ausgabe 1/2009
- Archivbeiträge der Ausgabe 2/2009

























