Berlins beste Küchen
Archiv der Ausgabe 2 | 21. Jahrgang | Sommer 2008
Es muss nicht immer Prenzlberg sein. Kreuzberg ist wieder in, ob zum Wohnen oder zum Ausgehen. Die Zeiten, als eine selbsternannte Kiezpolizei Anschläge mit Fäkalien auf vermeintliche Yuppie-Lokale in Kreuzberg verübte, sind zum Glück vorbei. In den letzten Jahren haben sich zwischen Oranien- und Gneisenaustraße viele Restaurants angesiedelt, in denen Gourmets hervorragend und dennoch bezahlbar speisen können. TOP Gastro-Autorin Cecilia Reible unternimmt einen kulinarischen Spaziergang durch Berlins Multikulti-Viertel.
Le Cochon BourgeoisInsbesondere die Gegend rund um den Südstern hat sich zu einer kulinarischen Ausgehmeile entwickelt. Zu den mittlerweile fast schon alteingesessenen Restaurants gehört „Le Cochon Bourgeois“ in der Fichtestraße. Seit rund zehn Jahren wird dort die klassische französische Küche von Froschschenkeln über Confit de Canard bis zur Crème brûlée zelebriert. Inzwischen hat Benjamin Stoeckel das Zepter in der Küche von seinem nach Schöneberg abgewanderten Lehrmeister Hannes Behrmann übernommen. Stoeckel interpretiert die Klassiker eher modern und experimentiert auch gern mit aromatischem Schaum und Püree. Besonders schön sitzt es sich im lauschigen Vorgarten. Es wird nur Bargeld akzeptiert, von dem man auch genügend mitnehmen sollte (Menüpreise 35,- bis 53,- Euro).
Hartmanns RestaurantGleich nebenan ist vor etwa anderthalb Jahren Stefan Hartmann in die Souterrain-Räume des ehemaligen Restaurants „Gerstensack“ eingezogen. Der frühere Küchenchef des „Jolesch“ legte mit „Hartmanns Restaurant“ einen Bilderbuchstart hin. 2007 wurde er im Rahmen des Wettbewerbs „Berliner Meisterköche“ zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt, in diesem Jahr ist er bereits für den Titel „Berliner Meisterkoch“ nominiert. Hartmann pflegt eine ambitionierte und ideenreiche neue deutsche Küche aus traditionellen Basics, mediterranen Produkten und Aromen. Mit pochiertem Saibling im Tomatensud mit Ricottaravioli (15,-), Zweierlei vom Kalb mit Palfyknödel und Pfifferlingen (26,-) und Mohnschupfnudeln mit Feigenkompott und Kaffee-Eis (10,-) sorgt Hartmann für die weitere kulinarische Belebung des Südsternkiezes.
Ein paar Schritte weiter in der Körtestraße haben sich Jürgen Hammer und Manuela Sporbert einen Traum erfüllt. Der Chefsommelier und die Res taurantleiterin verließen die „Rutz Weinbar“, um im Südstern-Kiez ein Feinkostgeschäft mit Weinhandlung zu eröffnen. In der ehemaligen Fleischerei treffen sich Nachbarn, um Delikatessen einzukaufen oder bei einem Glas Wein und einer Kleinigkeit zu essen zu verweilen. Serviert werden in der Weinkostbar schlichte Köstlichkeiten wie Hammers Stulle mit Rillettes von der Gans (3,-), eine Auswahl feinster Rohmilchkäse (6,- bis 9,50) oder Winzervesper (8,-) mit Schinken, Speck und Leberwurst. Höchstes Augenmerk wird dabei auf die Produktqualität gelegt.
Auf der anderen Seite der Gneisenaustraße, an der Ecke Lilienthalstraße, residiert die „Trattoria Noi Quattro“. Der Import aus Friedrichshain konnte von Beginn an die Stamm- und Laufkundschaft mit seiner innovativen, preisgünstigen italienischen Küche überzeugen. Im vergangenen Herbst kam im seitlichen Nebenraum unter demselben Dach das eher gehobene „N.Q.14“ dazu. In der Gourmet-Sektion setzt Küchenchef Andreas Staack auf mediterran angehauchte Abendmenüs. Seine ambitioniert-kreativen Ideen wie Dreierlei vom Tunfisch mit Spinatsalat und Tomatenvinaigrette (12,-), gebratene Perlhuhnbrust auf Leipziger Allerlei (22,-) und Erdbeertartelette mit Rhabarber und Waldmeisterschaum (8,-) kommen gut an, manche Gäste sehen Staack bereits auf Sternekurs.
E.T.A HoffmannMit ihrem Kollegen Thomas Kurt vom „E.T.A. Hoffmann“ in der Yorckstraße haben Andreas Staack und Stefan Hartmann vor gut einem Jahr das Catering-Unternehmen „Die Kreuzberger“ gegründet. Auch Kurt gehört zu den Urgesteinen der gehobenen Kreuzberger Gastroszene. Sein Restaurant im Baudenkmal und Hotel Riehmers Hofgarten mutiert spätabends oft zum Feierabendtreff von Kochkollegen. Doch auch „normale“ Gäste fühlen sich wohl und kommen gern immer wieder in die gediegen-gemütliche Speisestube. Die Küche von Thomas Kurt ist mit lauwarm marinierter Kalbshaxe (11,-), Iberico-Schweinerücken mit Olivensauce (21,-) und Valrhona-Schokoladenkuchen mit Kokoseis (9,-) mal badischsüddeutsch, mal mediterran, mal regional inspiriert. Das „E.T.A. Hoffmann“ gehört wie sein ebenfalls erwähnenswerter Nachbar „Bar Centrale“ natürlich nicht mehr zum Südsternkiez. Und auch im ehemaligen SO 36 gibt es sehr empfehlenswerte Restaurants wie das „Horváth“, das „h.h.müller“ oder das „La Crapule“. Aber das ist ein anderer Spaziergang, der ein andermal unternommen werden soll …
www.lecochon.de, www.hartmanns-restaurant.de, www.hammers-wein.de, www.noiquattro.de, www.restaurant-e-t-a-hoffmann.de
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