AUF SEH-REISE
Archiv der Ausgabe 1 | 20. Jahrgang | Frühjahr 2007
- Sanft, grün, still und aufregend: Mecklenburg-Vorpommern
Rauschendes Meer und saubere Luft, weite Strände und schroffe Küsten, blühende Wiesen und stille Wälder, funkelnde Seen und hügelige Landschaften – die Natur hat Mecklenburg-Vorpommern reich beschenkt. Wir waren auf „Seh-Reise“ zwischen Ostsee und Mecklenburger Seenplatte und entdeckten ein Land zum Durchatmen und Auftanken, zum Leben und Erleben, zum Abschalten und Durchstarten. Das Jahr 2007 haben die Mecklenburger Tourismus-Fachleute zum Themenjahr „Natur“ erklärt.
Fotos: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V., www.pixelquelle.deSchließlich steht ein Viertel der Landesfläche unter Naturschutz, drei der zwölf deutschen Nationalparks befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern.
Der größte unter ihnen ist mit einer Fläche von 80.500 Hektar der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, der sich zwischen der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und der Westküste der Insel Rügen erstreckt. Der Müritz-Nationalpark umfasst 32.200 Hektar Wald- und Seengebiet. Der mit 3.000 Hektar kleinste deutsche Nationalpark ist der Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen. Zu dem Gebiet gehört unter anderem der Königsstuhl, einer der berühmten rügenschen Kreidefelsen. Zu den Juwelen des europäischen Naturerbes zählen die drei Biosphärenreservate: die Wald-, Moor- und Seenlandschaft Schaalsee und die Küstenlandschaft Südost-Rügen und der Naturpark Mecklenburgisches Elbtal. Er gehört zum länderübergreifenden Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.
Viele Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern sind Lebensraum von seltenen Pflanzen und gefährdeten Tierarten. Viele der Flusstäler, Moore, Inseln oder Seen sind auch naturgeschichtlich oder landeskundlich außerordentlich interessant. Um diese Naturvielfalt zu erhalten, hat das Land auf einer Fläche von fast 80.000 Hektar insgesamt 288 Naturschutzgebiete eingerichtet. Dafür, dass Seeadler & Co. ihren Nachwuchs in Ruhe aufziehen können, sorgen verschiedene Regeln: So dürfen in den meisten Naturschutzgebieten die Wege nicht verlassen werden. Einige der Gebiete sind für Besucher ganz gesperrt. Damit Naturfreunde dennoch auf ihre Kosten kommen, gibt es aber fast überall Informationstafeln, Rundwege und Beobachtungsplätze.
Rund um das Thema „Natur erleben“ haben die Tourismus-Fachleute des Landes circa 50 Reiseangebote erstellt, hinzu kommen über 100 so genannte Bausteinangebote, die nach Belieben miteinander verknüpft werden können.
Ostsee für Genießer
Einst weilten hier Preußens Majestäten und andre illustre Gäste zur Sommerfrische. Davon kündet die einmalige Bäderarchitektur mit ihren Balkonen, Holzloggien, barocken Putten, Dreiecksgiebeln, breiten Freitreppen und parkähnlichen Anlagen. Die „drei Kaiserbäder“ Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin auf der Insel Usedom sind Orte von ungewöhnlicher Schönheit und Eleganz. Bäderarchitektur ist übrigens keine spezielle Kunst- oder Stilgattung, sondern eine Summierung der verschiedensten Bau- und Stilmerkmale unterschiedlicher Epochen. Die Bauherren, die hier von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg ihre Häuser für den Sommeraufenthalt errichteten, ließen ihren architektonischen Wünschen einfach freien Lauf. Die drei Seebäder übten seit jeher eine magische Anziehungskraft auf berühmte Künstler aus. Die Brüder Mann, Gorki, Tolstoi und Johann Strauß flanierten vorbei an den beeindruckenden Villen der Gründerzeit, atmeten würzige Seeluft und fühlten den Geist eines goldenen Zeitalters, den sie auch in ihren Werken festhielten. Die fast vollständig erhaltene Bäderarchitektur wurde in den vergangenen Jahren aufwendig und liebevoll saniert. Ein Spaziergang über die Promenade ist ein Erlebnis für Ästheten und Menschen, die gern „sehen und gesehen“ werden. Die drei Kaiserbäder bieten spezielle Führungen zum Thema „Bäderarchitektur“ an.
Das älteste der Usedomer Pracht-Seebäder ist Heringsdorf mit seinen mondänen freistehenden Villen, zu denen große eigene Parkanlagen gehören. Der Ort hat die längste Seebrücke Kontinentaleuropas. Angelehnt an das historische Vorbild wurde die neue Seebrücke mit Ladenpassage, Kunstgalerie, zwei Museen, Cafés, Restaurants und Freizeiteinrichtungen ausgebaut und 1996 eingeweiht. Das Seeheilbad hat einen Flughafen, von dem neben Linienflügen auch Sportflugzeuge und Chartermaschinen starten und landen. Ein ganz besonderes Erlebnis ist ein Usedom-Rundflug mit einem historischen Doppeldecker.
Elf Hotels der „drei Kaiserbäder“ ziert das Gütesiegel des deutschen Wellnessverbandes e. V. Das Upstalsboom Hotel Ostseestrand wurde als erstes Haus mit diesem Gütesiegel zertifiziert. Es liegt direkt an der Strandpromenade und hat einen direkten Zugang zum 42 Kilometer langen puderzuckerfeinen weißen Sandstrand. Das Hotel ist ein Ensemble aus zwei historischen Häusern aus dem 19. Jahrhundert, an die sich harmonisch ein Neubau angliedert. Alle Zimmer sind Nichtraucherzimmer und zeichnen sich durch eine „First-Class-Superior“-Einrichtung mit viel Komfort aus. Den Alltag vergisst der Gast ganz schnell in der SPA-Oase „Balance“. Zwei Bio-Saunen, Dampfbad, Solarium, Traumbad, Eisbrunnen, Frischlufthof, Ruheraum, Relaxraum sowie Kosmetik- und Behandlungsräume sorgen für Ausgeglichenheit.
Aktivurlaub mit Seeblick
Urlaub ist: faul und bequem sein? Urlaub ist: irgendetwas tun, zu dem man sonst nie kommt? Für viele, die gerade im Urlaub nicht aktiv genug sein können, ist Radfahren die Erfüllung. Bei der körperlichen Betätigung wird der Kopf frei. Eine der beliebtesten Touren für Radwanderer ist der Ostseeradweg. Die Kombination aus Natur pur, stolzen Hansestädten, einer hervorragenden regionalen Küche und einer herzlichen Gastlichkeit machen diesen Weg zu einem ganz besonderen Erlebnis – entsprechende Kondition und genügend Zeit vorausgesetzt. Der Ostseeradwanderweg ist durchgängig einheitlich ausgeschildert und führt größtenteils über Feinschotter, Kies und Asphalt.
Der Weg startet im Kaiserbad Ahlbeck und führt via Wolgast und Greifswald nach Stralsund. Die Hansestadt ist schon von weitem an ihren drei Türmen zu erkennen. Zur Blütezeit der Hanse war Stralsund nach Lübeck die bedeutendste der Hansestädte, die vielen ehrwürdigen Bürgerhäuser erzählen von dieser Zeit. Aber auch die Museen und Kirchen künden von der besonderen Beziehung dieser Stadt zur Schifffahrt und zum Handel auf der Ostsee. Von Stralsund aus besteht die Möglichkeit, eine Rundreise über die Insel Rügen (Garz, Putbus, Binz, Sassnitz, Gingst) zu starten. Von Stralsund aus führt der Ostseeradweg über Barth nach Zingst. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bietet auf einer Fläche von 805 Quadratkilometern über 700 Pflanzenarten sowie 224 Vogel-, 50 Fisch- und einige Amphibien- und Reptilienarten Schutz. Sehenswert ist auch das beschauliche Wustrow mit seinen Kapitänshäusern und Fischerkaten.
„Buk“ und „Molli“ in Kühlungsborn

Station sollte der Radwanderer in Kühlungsborn machen. Für Radfahrer ist die sanft hügelige Umgebung Kühlungsborns ein Paradies. Immer wieder bieten sich Aussichtspunkte mit freiem Blick auf die Ostsee. Unberührte Natur und eine vielgestaltige Landschaft umgeben das Ostseebad. Imposant erhebt sich im Süden die sagenumwobene, waldreiche „Kühlung“. Von dort aus genießt man einen fantastischen Blick auf den Küstenverlauf. Deutschlands höchstgelegener Leuchtturm auf der Erhebung „Buk“ beeindruckt Besucher durch atemberaubende Rundblicke. Viele Wege in und um Kühlungsborn sind von Ilexsträuchern, Sanddornhecken, Holunder- und Hagebuttensträuchern gesäumt und dadurch windgeschützt. Unser Tipp: Gönnen Sie dem Fahrrad eine Pause und bummeln Sie auf Deutschlands längster Strandpromenade. Am Rande des Waldgebietes „Kühlung“ erstreckt sich das Atelierhaus Rösler-Kröhnke. Der Weg dorthin führt die romantische Schlossstraße hinauf. Das Atelierhaus vereint drei Künstlergenerationen unter einem Dach. Und wenn das Fahrrad schon einmal Pause hat, ist „Molli“ eine Alternative. Mit der historischen Dampfeisenbahn geht es mehrmals täglich auf schmaler Spur mit nostalgischem Gebimmel von Kühlungsborn nach Bad Doberan und zurück. „Molli“ fährt von Kühlungsborn vorbei an der ältesten Galopprennbahn des europäischen Kontinents in Heiligendamm, entlang einer der schönsten Lindenalleen Deutschlands, mitten durch die engen Straßen der Münsterstadt Bad Doberan und zurück. Anmelden müssen sich alle, die, statt im Waggon zu sitzen, dem Lokführer und seinem Heizer aus nächster Nähe zusehen wollen.
Verschiedene Veranstalter bieten organisierte Touren über den Ostsee-Radwanderweg an, die Streckenführung variiert je nach Anbieter. Wer so radelt, wird mit Kartenmaterial versorgt, braucht sich nicht um Übernachtungen zu kümmern. Wer individuell unterwegs ist, kann seine Reiseroute ganz nach Lust, Wetter, Interessen und Kondition bestimmen.
Gut gebettet
Entlang dem Radwanderweg liegen Hotels in allen Kategorien vom urigen Landgasthof bis zum exklusiven 5-Sterne-Haus, viele davon liebevoll saniert. Beispiel dafür ist das Schlossgut Gross Schwansee in direkter Nähe der Ostsee. Die acht Zimmer und zwei Suiten des Hauses sind individuell ausgestattet, und die Gäste haben die Wahl zwischen maritimem Ambiente, herrschaftlichem Stil oder asiatisch inspirierter Ausstattung. Im exklusiven „Schlossrestaurant“ mit Wintergarten und Terrasse überrascht der Küchenchef mit kulinarischen Kombinationen aus der mediterranen und der modernen deutschen Küche mit regionalen Akzenten. Seit diesem Sommer verfügt das Schlossgut über ein zweites außergewöhnliches Restaurant, das im ehemaligen Pferdestall untergebracht ist. In der Brasserie werden die Gäste mit Spezialitäten der Mecklenburger Küche verwöhnt. Wer Lust hat, kann den Köchen beim Zubereiten der Speisen direkt zuschauen. Übrigens, die Kuchen und Torten aus der hauseigenen Bäckerei sind eine süße Empfehlung.
- Archivbeiträge der Ausgabe 3/2006
- Archivbeiträge der Ausgabe 4/2006





















