Audienz beim Pralinenkönig
- von Brigitte Menge
Archiv der Ausgabe 2 | 23. Jahrgang | Sommer 2010
Eigentlich hat Gérard Skrovanek so gar nichts von einem Monarchen. Und doch ist der bodenständige Bayer ein König des feinen Geschmacks. Die Pralinen aus seiner Manufaktur tragen die Krone des Genusses. Gekrönte Häupter und Feinschmecker schätzen die verführerischen Köstlichkeiten. Wir trafen den König der Pralinen im Hotel Adlon und erfuhren, dass sein Erfolg erklärbare Ursachen und ein paar Geheimnisse hat.

Foto: privat
Amaretto-Sahne-Trüffel, Krokant- Nougat, Caramel-Fleur de sel, Erdbeer- Minze, Green Lemon, doppelter Espresso … in wunderbarer Vielfalt und fast militärischer Ordnung liegen die runden und quadratischen Schönheiten in den schlichten Verpackungen. Schwarzbraune und helle Schokolade; wie mit einem kräftigen Pinsel gezeichnet offenbaren einige der Pralinen durch ihre Farben zwischen Erdbeere, Passionsfrucht und Vanille ihr köstliches Innenleben. Die Pralinen glänzen wie ein frisch geputzter Spiegel. Woher kommt dieser Glanz auf der schokoladigen Oberfläche? „Das ist ein Geheimnis“, meint der Meister der Pralinen und lässt sich auch mit weiteren Nachfragen nicht aus der Reserve locken. Der Schokoladenduft umschmeichelt die Nase und spätestens in diesem Moment siegt der Appetit. „Greifen Sie ruhig zu“, ermuntert Gérard Skrovanek, der diese Situation wohl sehr oft erlebt hat. Das Probieren ist so vollkommen, dass jede einzelne Geschmacksknospe jubelt. Harmonisch verbinden sich die Komponenten der einzelnen Bestandteile zu purem Genuss. Eifrig sucht die Erinnerung nach Vergleichbarem und tut sich schwer. „Das schmeckt, stimmt’s?!“, fragt Gérard Skrovanek mit einem wissenden Lächeln.
Es war gerade die Unzufriedenheit mit dem Herkömmlichen, die den leidenschaftlichen Konditor und Patissier vor über zehn Jahren auf die Idee brachte, Pralinen selbst herzustellen. Während seiner zehnjährigen Lehr-, Wander- und Arbeitszeit in Europas renommierten Hotels runzelte er immer wieder beim Pralinen Probieren missmutig die Stirn. „Das hat nicht wirklich geschmeckt, jedenfalls nicht für die Ansprüche eines 5-Sterne- Hauses“, erinnert er sich. Gleich einem Künstler suchte er nach der Perfektion des Genusses. Seine erste Kreation war eine Créma di Limoncello, die in purer Handarbeit aus feinster Schokolade und bestem Likör entstand. Die Reaktionen ermutigten den leidenschaftlichen Patissier, weitere Geschmacksrichtungen zu probieren. Dabei blieb er stets einem Grundsatz treu: natürliche Zutaten per Hand zu verarbeiten. Manufakturarbeit – Luxus der Langsamkeit. Keine Maschinen, keine Essenzen, dafür handverlesene Zutaten und feinste Rohstoffe. Das alles überzeugte auch die Marketing-Experten der Luxus-Marke Maybach. Und so ist Gérard Skrovanek gerade dabei, die Pralinen zu kreieren, die jeder Kunde demnächst bekommt, wenn er zum ersten Mal in seinen nagelneuen Maybach steigt. Handarbeit in Perfektion.
Berliner Kreation

Gérard Skrovanek präsentiert seine erlesenen Pralinen auf exklusiven Veranstaltungen, Foto: privat
Auch die Gäste des Hotels Adlon kommen bald in den Genuss der königlichen Pralinen. Als Gute-Nacht-Gruß des Hauses wird eine süße Köstlichkeit aus der Manufaktur von Gérard Skrovanek auf den Kopfkissen liegen. Über deren Innenleben und Aussehen schweigt sich der Meister noch aus. Zu erfahren ist lediglich, dass das Brandenburger Tor und der Adlon-Schriftzug zu sehen sind. „Selbstverständlich ist das eine neue Kreation“, berichtet Gérard Skrovanek. 20 bis 30 neue Sorten entstehen jährlich. „Die fallen mir eben so ein“, erzählt der Meister. Sein Sortiment umfasst über 300 Sorten, exotische, fruchtige, weihnachtliche, sommerliche, klassische … Allein 60 Sorten feinster Kaffee-Pralinen gibt es. Das Zusammenspiel von frisch geröstetem Kaffee und duftender Schokolade ist ein vollkommener Genuss. Die teuerste der Kreationen aus dem Hause Skrovanek ist eine Weinbrand- Praline mit einem 120 Jahre alten Brandy. 5,60 Euro kostet das edle Stück. Zu kaufen gibt es die Pralinen nicht. Gérard Skrovanek arbeitet ausschließlich auf Bestellung für Kunden zwischen Kitzbühel und Sylt. Seine Manufaktur in München- Ramersdorf kann man besuchen und – wenn man Glück hat – dem Meister bei der Arbeit über die Schulter schauen und erleben, wie Stück für Stück die süßen Köstlichkeiten entstehen. Probieren ist erlaubt. Und macht auch nicht dick, wie der Meister glaubhaft versichert. Schließlich kostet er alle Zutaten, Mischungen und Ergebnisse. „Schokolade macht nicht dick und Zucker ist in den Pralinen nicht, nur in den Sorten, wo er hingehört, beispielsweise Karamell.“
Gérard Skrovanek ist ein Ein- Mann-Unternehmen, Einkäufer, Produzent und Vermarkter in einem. In Schokoladen-Hochzeiten, so zu Weihnachten, oder bei Präsentationen unterstützt ihn seine Familie. Fünf, höchsten zehn Kilogramm Pralinen entstehen an einem Arbeitstag. „Mehr schaffe ich nicht, die sorgsame Verarbeitung steht an erster Stelle und darf niemals von dieser Position verdrängt werden“, ein Lob der Langsamkeit!
Marmeladen, Liköre und Skulpturen
Seit geraumer Zeit entstehen in der Manufaktur auch Liköre und Marmeladen. Gérard Skrovanek kreiert ungewöhnliche Geschmacksrichtungen und verarbeitet auch hierbei die Zutaten ausschließlich per Hand. Eigentlich ist er mit all dem mehr als ausgelastet, und doch entdeckte er vor ein paar Jahren eine weitere Leidenschaft, die natürlich mit Lebensmitteln zu tun hat. Wie ein Bildhauer schafft er Skulpturen aus Eis für festliche Buffets. Auch aus Melonen, Butter und Käse entstehen Blüten, Tiere und Figuren. Und natürlich gibt es auch Schokoladenskulpturen. Hochzeitstorten aus seiner Manufaktur sind Kunstwerke und fast zu schade, sie einfach aufzuessen. Kunst ist eben doch nicht immer für die Ewigkeit gemacht.
www.Skrovanek-Edelpralinen.com
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