Los Angeles – Berlin
Archiv der Ausgabe 3 | 20. Jahrgang | Herbst 2007
- 40 Jahre prosperierende Städtepartnerschaft
Tom LaBonge ist Councilmember des 4. Distrikts von Los Angeles, Mitglied des Stadtrates und Vorsitzender der Partnerstädte von Los Angeles (President of the Sister Cities of Los Angeles). Wir sprachen mit ihm über Geschichte, Gemeinsamkeiten und Ziele der deutsch-amerikanischen Partnerstädte.
Mr. LaBonge, seit den achtziger Jahren reisen Sie regelmäßig nach Berlin. Was empfinden Sie, wenn Sie heute durch die deutsche Hauptstadt spazieren?
Der Austausch zwischen Universitäten und Schulen beider Städte bildet eine wichtige Säule unsererPartnerschaft.
Foto: Oliver Wia
Freude! Ich freue mich bereits, wenn ich die Flugreise nach Europa antrete und weiß, dass ich in kurzer Zeit in einer der aufregendsten Metropolen sein werde, die mir immer wieder neue Überraschungen bietet, die voller Geschichte steckt und die die Gegenwart aktiv mitgestaltet.
Wie hat sich die Stadt Ihrer Meinung nach geändert?
Berlin ändert sich ja permanent – ohne seine Einzigartigkeit zu verlieren. Einerseits steter Wandel, andererseits eine hohe integrative Kraft. Dass Berlin wieder die deutsche Hauptstadt ist, merke ich besonders, wenn ich all die internationalen Regierungsvertreter und Politiker treffe, die vor dem Mauerfall in Bonn und nicht in Berlin arbeiteten. Ich erinnere mich noch, als Ronald Reagan damals ausrief: „Mr. Gorbachev, tear down that wall!“ Dass Gorbatschow dann dank seiner Politik der „Perestroika“ tatsächlich zum Fall der Mauer beitrug, nennt man wohl „self-fulfilling prophecy“… Nun, seitdem hat Berlin mit beeindruckendem Tempo zu seiner alten und neuen Bedeutung als politisches, geographisches und kulturelles Kraftzentrum zurückgefunden. Und mittlerweile werbt ihr in Berlin ja sogar unsere Stars ab. Gott sei Dank haben wir noch viele … (lacht).
Meinen Sie die Umzugspläne des Schauspielerpaares Angelina Jolie und Brad Pitt?
Zum Beispiel! Gerade im Filmgeschäft hat Berlin viele Gemeinsamkeiten mit L. A. Besonders, seitdem Hollywood, das zu meinem Distriktbereich gehört, immer mehr in Babelsberg produziert. So ziehen natürlich viele Stars nach Berlin, wie es in den Goldenen Zwanzigern gang und gäbe war. Leider zerstörte die NS-Ära diese kulturelle Glanzzeit jäh. Ironischerweise bedeutete die Flucht vieler Menschen aus Deutschland in die USA einen positiven Effekt für Los Angeles, da sich dort viele deutschstämmige Kulturschaffende niederließen. Die ihre Wurzeln nie vergaßen – ich erinnere an Billy Wilders Film „Eins, Zwei, Drei“ im geteilten Berlin oder die „Villa Aurora“ von Lion Feuchtwanger. Bis heute hinterlassen viele Deutsche ihre kreativen Spuren in L. A. – was sich ja auch bei der diesjährigen Oscar-Verleihung zeigte.
Wo entdecken Sie weitere Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zwischen Berlin und Los Angeles und wobei könnten beide Städte voneinander lernen?
Zunächst die Unterschiede: Wasser! Während Deutschland von viel Regen „verwöhnt“ wird, ist L. A. von staubtrockenen Wüsten umgeben. Bau-Pioniere wie William Mulholland mussten das Wasser von weit her nach Los Angeles leiten. Dann die Wirtschaft: Dank unserer Lage am Pazifik bieten wir neben sonnigen Stränden auch einen der wichtigsten Handelshafen der USA und beherbergen zahlreiche Schlüssel-Industrien wie die IT-Wirtschaft. Und politisch? Trotz vieler diplomatischer Vertretungen ist L. A. nicht die Hauptstadt der USA, auch wenn das viele gerne so sehen würden.
Gemeinsamkeiten sehe ich zunächst im großzügigen Baustil aus unterschiedlichen geologischen Gründen: hier Sumpfgebiet, dort Erdbebenzone, also wenige Wolkenkratzer, große Ausdehnung. Ferner, und das ist die wichtigste Gemeinsamkeit, leben in L. A. wie in Berlin unterschiedliche Kulturen auf engstem Raum miteinander und bereichern die weltoffene, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung ihrer Städte.
Dabei ist Bildung das wichtigste Gut, in das wir investieren. Deshalb bildet der Austausch zwischen Universitäten und Schulen beider Städte auch eine wichtige Säule unserer Partnerschaft. Ferner lernen wir gegenseitig in Sicherheitsfragen wie z. B. auf den internationalen Flughäfen, aber auch bei der Verbrechensbekämpfung und beim Katastrophenschutz. Bei der Städteplanung blicken wir auf Berlin, das eine effiziente Verkehrs-Infrastruktur besitzt, während bei uns noch alles auf das Auto angewiesen ist.
Zukünftig sollten wir gemeinsam die Sportförderung intensivieren, denn gerade im Sport finden die Menschen zueinander und tragen dazu bei, dass aus unserer 40-jährigen Städtepartnerschaft eine echte Freundschaft entsteht bzw. entstanden ist. dk
www.lacity.org/council/cd4/cd4bo1.htm
www.berlin.de/rbmskzl/staedteverbindungen/losangeles.html
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