Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010
Vegetarier müssen in Berlin nicht darben. Ob beim Asiaten, beim Italiener oder im bayerischen Brauhaus, irgendetwas ohne Fleisch oder Fisch findet sich auf fast jeder Speisekarte. Nicht ganz so einfach wird die Suche nach dem passenden Lokal, wenn vegane Küche gefragt ist, Wert auf eine große Auswahl gelegt wird oder es etwas gehobener zugehen soll. Doch auch wer mehr als Soja-Bratlinge an Salat sucht, wird fündig. TOP-Gastro-Autorin Cecilia Reible stellt einige Adressen vor.
Gesundheit, Tierliebe, Ökobilanz, Fastenzeit – die Gründe, auf Fleisch und Fisch zu verzichten, sind vielfältig. Und die Zahl der Vegetarier wächst: Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland haben der Fleischeslust nach Zahlen der Tierschutzorganisation Peta bereits abgeschworen, darunter viele Prominente wie Grünen-Chef Cem Özdemir, SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, Schauspielerin Cosma Shiva Hagen, Model Nadja Auermann und Juli- Sängerin Eva Briegel. Für diese und andere Veggies ist Berlin ein gutes Pflaster. Schon 2008 wurde die Hauptstadt von Peta als „vegetarierfreundlichste Stadt Deutschlands“ ausgezeichnet. Vom veganen Döner über fleischloses Fastfood bis zum vegetarischen Gourmet-Menü finden Fleischverächter ein großes Angebot für jeden Geldbeutel.
Gourmetküche für Vegetarier – geht das überhaupt?

Saint Pierre à la Barigoule, Foto: Margaux
Sternekoch Michael Hoffmann liefert den Beweis: In seinem eleganten Restaurant „Margaux“ kreiert er komplette Menüs, die auf Gemüse, Wildkräutern und fleischlosen Fonds basieren und auch für Veganer oder Glutenallergiker geeignet sind. Die „Voyage de Légumes“ (sieben Gänge 140 Euro, vier Gänge 80) dürfte nicht nur in Deutschland konkurrenzlos sein. Die Reise beginnt mit einem sensationellen Salat von dicken Bohnen, Erbsenschoten, kandierter Zitrone und Avocado. Für das Tüpfelchen auf dem i sorgen marinierte Vogelmiere, Löwenzahn, Fette Henne und Liebstöckel auf Bohnengelee. Der zweite Gang heißt schlicht „Sellerie“. Hier zeigt der Aromenkünstler, was aus der Wurzelknolle herauszuholen ist: Sellerie in Meersalz gegart, als Gnocchi und Creme, begleitet von Schnittlauch und Mandelöl – ein Aphrodisiakum für den Gaumen. Weiter geht es mit Frühlingsgemüse: Gedünsteter Kürbis, Möhren, Sellerie, Petersilienwurzel und Topinambur, dazu gefüllter Spitzkohl, getrocknetes Gemüse, Creme von Olivenöl und Kichererbsen – Michael Hoffmann beherrscht das Spiel mit den Texturen meisterhaft. Höhepunkt folgt auf Höhepunkt und kulminiert im Hauptgang: Spitzmorcheln und Lauch mit kleinem Eintopf von Poweraden, marinierten violetten Kartoffeln und Brokkoli. Diese vegetarische Gaumenreise hinterlässt bleibende Eindrücke auf den Geschmacksknospen, ist auch optisch ein Genuss und mit Sicherheit mehr als einen Stern wert.
www.margaux-berlin.de (weiterlesen…)