Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010
Schmargendorf? Da muss ich nicht lange überlegen. Zwei Dinge fallen mir sofort ein: zum einen wilde Partys, zum anderen eine ganz besondere Kirche. Zuerst zu den Partys: Meine Freundin Susan lebt in der Rheinbabenallee unweit des Italienzentrums der Freien Universität. Die Straße heißt nach Georg Freiherr von Rheinbaben, der im Kaiserreich preußischer Innenminister und Finanzminister und später Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft war. Was für eine Gegend! Ich liebe es, in lauen Nächten an den herrlichen Villen entlang bei Susan vorzufahren, um bei ihren Festen bei Prosecco und Sprizz mal das gehypte Berlin-Mitte, Kreuzberg und Prenzlauer Berg zu vergessen. Stattdessen tauche ich ein in eine vermeintlich heile West-Welt, die immer auch einen Hauch München verströmt.
Exzentrische Witwen in expressionistischer Kreuzkirche

Mode in der Kreuzkirche: die „exzentrischen Witwen“ der Designer Alexander Stütz und Petra Rauber, Foto: Alexander Gnädinger
Und die Kirche? Gemeint ist natürlich – pardon, liebe Dorfkirche Alt-Schmargendorf – die evangelische Kreuzkirche am Hohenzollerndamm. Das expressionistische Bauwerk ist eines der wenigen Sakralbauten in diesem Stil, es wurde in den Jahren 1927 bis 1929 nach den Entwürfen des Architekten Ernst Paulus und seines Sohnes Günther Paulus erbaut. Ernst Paulus, der wie meine Freundin in der Rheinbabenallee lebte, entwarf mehrere Kirchengebäude in Berlin, darunter die Segenskirche in der Schönhauser Allee und die Moabiter Reformationskirche. Den 54 Meter hohen Kirchturm am Hohenzollerndamm, der auch bewohnt ist, hat Paulus als Abwehr gegen das weltliche Treiben beschrieben. „Es ist hier der Versuch gemacht worden, ein Bauwerk zu schaffen, das vielleicht ein Schritt vorwärts im protestantischen Kirchenbau sein mag“, schrieben er und sein Sohn 1930. Vor ein paar Jahren erlebte ich in diesen „heiligen Hallen“ eine ganz besondere Aktion: Die Designer Petra Rauber und Alexander Stütz, zwei junge Mode-Absolventen des Lette-Vereins, inszenierten in der von ihnen aus ästhetischen Gründen bewunderten Kreuzkirche ihre Abschlusskollektion „Die exzentrische Witwe“ für einen Fotografen und ein Filmteam. Der Pfarrer hatte seine Genehmigung für diese ganz andere Nutzung erst nach langen Verhandlungen erteilt, war dann aber doch überrascht über die ungewöhnlichen Kreationen. Spannend war es zu sehen, wie die Models in der Kirche geschminkt, eingekleidet und gestylt wurden, um anschließend in den Kirchenbänken zu posieren. (weiterlesen…)
- Gespräch mit Klaus-Jürgen Meier, AG City
- von Gerald Backhaus
Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010
Ein Gespräch mit Klaus-Jürgen Meier, Versicherungsunternehmer und Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft City. Wo dieses Interview stattfinden soll? Da wären zum Beispiel das Turmzimmer, der Besprechungsraum oder das Rote Zimmer. Ich habe die Auswahl, denn der Chef hat keinen eigenen Schreibtisch. „Ich docke mich immer bei meinen Mitarbeitern an“, sagt Klaus-Jürgen Meier. 20 Frauen und Männer arbeiten in den großzügigen Büros seiner Firma Roskos & Meier OHG, einer Allianz Generalvertretung, die in der 5. Etage eines eleganten Gebäudes am Kurfürstendamm nahe der Schaubühne residiert.

Klaus-Jürgen Meier, Foto: eventpress
1995 haben sich die Agenturen Roskos und Meier zu einer Offenen Handelsgesellschaft zusammengeschlossen. Klaus-Jürgen Meier ist persönlich haftender Gesellschafter. Nachdem Herr Roskos 2004 in Pension ging, hat er mit Dr. Bernd Hartmann und Tom Siebert zwei weitere Partner. „Wir vertreiben die komplette ‚Allianz Welt’ inklusive der Bankangebote und haben an der Ecke Nestorstraße eine eigene Allianz- Bankfiliale,“ erzählt Meier, dessen Firma in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum feiert. 1980 eröffnete er seine erste Allianz- Agentur. Auf seine Selbstständigkeit ist er stolz – „Ich war nicht einen Tag angestellt!“ – und auf die Kunden sowieso: „Alles, was wir heute an Kundschaft haben, haben wir selbst geworben.“ Darunter sind Privatpersonen genauso wie M-Dax-geführte Unternehmen. „Wir versichern kompetent alles – von Personenversicherungen wie Altersvorsorge und Krankenversicherung bis hin zu Gewerbe- und Industriebetrieben.“ Visa für die USA – als besonderes Zusatzfeld ist Roskos & Meier (weiterlesen…)
- Gespräch mit der Bestatterin Elke Spelter
- von Gerald Backhaus
Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010
Keine Angst vor dem Tod – die Frohnauer Grieneisen-Mitarbeiterin Elke Spelter erzählt in unserem Gespräch über Vorsorge, Kosten und Trends bei Bestattungen zuerst einmal folgende Anekdote: Ein Endsechziger wollte die Bestattung seiner Ehefrau in Auftrag geben. Ihr Kollege bediente ihn schon eine Stunde. Als Elke Spelter ins Büro trat, verfolgten sie die Blicke des Mannes. Die Traurigkeit um den Tod seiner geliebten Frau schien plötzlich wie weggeblasen. Ihrem Kollegen versicherte der Mann, dass er nicht den Rest seines Lebens allein bleiben möchte, worauf der ihm Mut für einen Neustart machte. Der Witwer wurde konkret und bat den Bestatter, ihn mit einer Witwe zu verkuppeln. „Aber ich kenne doch Ihren Geschmack gar nicht!“ Darauf der Mann: „Ach wissen Sie, sie sollte so aussehen wie Ihre Kollegin! Wenn die nicht gebunden ist, könnten wir gleich ins Gespräch kommen.“

Elke Spelter, Foto: Gerald Backhaus
Männer möchten ohne Lücke weiter leben wie gehabt, so das Fazit von Elke Spelter, nachdem sie diese Geschichte vom „lustigen Witwer“ erzählte. Meistens aber sei ein zurückbleibender Mann eine Katastrophe, meint sie, Frauen würden viel besser allein zurechtkommen. Für einige Witwer ist sie daher nicht nur diejenige, die sich um Beerdigung und Trauerfeier für die Gattin kümmert, sondern auch eine helfende Hand in vielen Dingen drumherum. „Ich habe schon Grabstätten mit ausgewählt, den Männern vor der Trauerfeier die Schuhe geputzt und die Kleidung mit ausgesucht.“ Die 63-Jährige betreut für das Bestattungsunternehmen Grieneisen drei Standorte im Berliner Norden: in Wittenau, Tegel und Frohnau. Das dortige Büro am Ludolfinger Platz besteht seit 2008. Die Firma mit ihren rund 220 Filialen – davon 34 Filialen in (weiterlesen…)
- 100 Jahre Frohnau
- von Thomas Ultsch
Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010
Er wird wohl als einziger dieses besondere und ereignisreiche Jahr gelassen an sich vorüberziehen lassen. Kein Wunder, denn schließlich hat er schon viel gesehen in den vergangenen 100 Jahren: Der Casinoturm ist so alt wie Frohnau, die Gartenstadt im Norden Berlins. Er steht mittendrin, die Uhren an seiner Seite zeigen den Frohnauern, was die Stunde geschlagen hat, wer in Frohnau aus der S-Bahn aussteigt, kommt an ihm nicht vorbei und an lauen Sommerabenden trifft man sich zu seinen Füßen. Kein Wunder, dass er heute das unbestrittene Wahrzeichen Frohnaus ist und es nicht nur in das Wappen des Reinickendorfer Ortsteils geschafft hat, sondern auch in das Logo des Jubiläumsjahres. Dort bildet er die „Eins“, gefolgt vom Grundriss des Ortszentrums mit Ludolfingerplatz und Zeltinger Platz. Die sind halb- beziehungsweise ganz rund und deshalb bestens als „Nullen“ geeignet.

Blumenschmuck zum Jubiläum: Blick über den Zeltinger Platz zum Casinoturm, Foto: Bezirksamt Reinickendorf
Die Frohnauer wollen dieses runde Jubiläum gebührend feiern und zwar mit genau 100 Veranstaltungen verteilt über das ganze Jahr – von der Stadtführung bis zu Atelierbesuchen bei Frohnauer Künstlern, vom Festumzug bis zu Klassik- und Rock-Konzerten. Und sie wollen an wichtige Tage in der einhundertjährigen Geschichte erinnern. Ein Datum sticht da besonders hervor: Der 17. Februar 1990. Seit Monaten hatte die innerdeutsche Grenze damals schon ihren Schrecken verloren, die Mauer war durchlässig geworden – aber noch nicht überall. Frohnau war immer noch an drei Seiten vom Eisernen Vorhang umzingelt, nur wenige Straßen führten im Süden in die anderen Teile West-Berlins. Erst jetzt wurden endlich auch hier die Grenzanlagen abgebaut und Frohnau bekam seinen nördlichen Nachbarn Hohen Neuendorf in Brandenburg zurück. An diesen bewegenden Tag vor 20 Jahren erinnerte gleich zu Beginn des Jubiläumsjahres eine Ausstellung im Kulturzentrum Centre Bagatelle. Neben den historischen Bildern von damals wurden auch Fotos gezeigt, die dokumentieren, was sich seit damals verändert hat, wo die Natur den Todesstreifen zurückerobert hat und wo man immer noch Spuren der deutschdeutschen Teilung sehen kann. (weiterlesen…)
- Die Ballsaison ist so gut wie beendet. Zeit für die Ballveranstalter, zurückzuschauen und Bilanz zu ziehen, über das eigene Event und die anderen gesellschaftlichen Ereignisse. Martina Reckermann hat sich für Sie umgehört.
Archiv der Ausgabe 1 | 23. Jahrgang | Frühjahr 2010

GASAG-Ball 2009, Foto: GASAG
Otfried Lauer ist vollauf zufrieden mit seinem Theaterball, der Mitte November als einer der ersten Bälle die Saison eingeläutet hat. „Unser Ball hat von der ersten bis zur letzten Sekunde gelebt, es wurde viel getanzt und es gab durchgehend gute Unterhaltung, ohne Unterbrechung. Auf jeder Bühne wurde etwas geboten, entweder ein ausgewähltes Showprogramm oder tolle Bands und Orchester. Es gab eine schöne Tombola mit ausgezeichneten Preisen.“ Der Chef des Berliner Theaterclubs habe gemeinsam mit seiner Frau Leni auch wie immer viele andere Bälle besucht. „Ich glaube, die anderen setzen andere Schwerpunkte als wir. Mir sind die meisten anderen Veranstaltungen zu langatmig und zu steril“, kritisiert Otfried Lauer. (weiterlesen…)