Archiv der Ausgabe 4 | 22. Jahrgang | Winter 2009
- Der unaufhaltsame Aufstieg des Golfsports in Berlin und Brandenburg
- von Ronald Keusch
„Es gibt gegenwärtig manche Dellen der Krise in Brandenburg und Berlin, doch unsere insgesamt 16 Golfplatzanlagen bleiben davon weitgehend verschont“, meint Dr. Harald Binnewies, seit zehn Jahren Präsident des Golfverbandes Berlin-Brandenburg e. V. „Wir können sogar in den Golfclubs einen Zuwachs an Mitgliedern um zwei bis drei Prozent verzeichnen.“

Foto: Rainer Sturm / pixelio
Insgesamt 20 000 Mitglieder haben die Golfclubs in der Region. Diese Zahl erscheint angesichts von über einer halben Million organisierter Golfer in Deutschland, die auf knapp 700 Golfplätzen unterwegs sind, nicht so üppig. Allerdings entstanden in Berlin und seinem Umfeld die meisten Golfclubs erst nach dem Mauerfall. Eine der berühmten Ausnahmen ist der bereits 1895 gegründete Golfclub Berlin Wannsee, der renommierte und größte Golfclub in Deutschland mit 27-Loch-Golfanlagen. Die insgesamt 1 600 Mitglieder haben Golfer aller Stärken in ihren Reihen und die Mannschaften sind in der Bundesliga vertreten. So ist die Nationalspielerin und Deutsche Meisterin 2008, Nina Holleder, aus dem Golfclub Berlin Wannsee.
Der Höhenflug des Golfsports kommt für Präsident Dr. Binnewies, Universitätsdirektor an der FU Berlin, nicht überraschend. Wie der Tennissport vor 30 Jahren ist nun seit einiger Zeit das Spiel mit der Golfkugel aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Immer mehr Menschen entdecken den Freizeitsport und gerade Golf bietet Bewegung in frischer Luft. Und meistens (weiterlesen…)
Archiv der Ausgabe 4 | 22. Jahrgang | Winter 2009
- Bernhard Kurz, Präsident Golf- & Country Club Seddiner See: Golf ist ein Volkssport!
- von Brigitte Menge
Dem Klischee des gemütlich über den Platz schlendernden Golfspielers entspricht Bernhard Kurz ganz und gar nicht. Aber gegen Klischees hat er prinzipiell etwas. Seit 1997 produziert Bernhard Kurz, der in den 80er Jahren mit seinem Bruder Friedrich weltberühmte Musicals wie „Cats“, „Phantom der Oper“ und „Starlight Express“ nach Deutschland brachte, im Estrel Festival Center in Berlin „Stars in Concert“. Erst vor ein paar Monaten wurde der erfolgreiche Show- und Musicalproduzent in den USA zum wiederholten Mal als bester Produzent ausgezeichnet – eine von vielen Ehrungen für den 58-Jährigen, dessen Leidenschaft für den Golfsport sich nicht nur auf dem Platz zeigt.

Golf- und Country Club Seddiner See
Wie kommt ein Golf-Begeisterter eigentlich durch den Winter?
Schlecht. Und dies ist nach 15 Jahren für mich auch der erste Winter ohne USA-Aufenthalt. Sicher werde ich kurz nach Spanien reisen, um die Golf- Abstinenz zu überbrücken.
Seit wann spielen Sie Golf und wo liegt (weiterlesen…)
Archiv der Ausgabe 4 | 22. Jahrgang | Winter 2009
- Yoga – nur herumsitzen und „Om“ singen, oder?
- von Gerald Backhaus
Wie ein junger Mann gestressten Großstädtern durch Yoga hilft, mit Körper, Geist und Seele anders umzugehen.

Abdul Helal, Foto: nadjahallstrom.com
Viele denken, Yoga sei, sich das Bein hinter das Ohr zu klemmen, so Abdul Helal. Dabei ist Yoga eine Philosophie, die helfen soll, Körper, Geist und Seele so zu lenken, dass es vielleicht irgendwann möglich ist, das Bein hinter das Ohr zu bekommen. Räucherstäbchen gar nicht, aber sich nur zu strecken und zu dehnen, reicht eben auch nicht. Der Berliner Yoga-Lehrer kämpft oft gegen Vorurteile. Zu seinen Kursen in Sportstudios kommen zum Beispiel vorwiegend Frauen. Wenn Abdul sich vorher umzieht, werden in der Männerumkleide schon mal Witze über Yoga gerissen. Neulich spotteten zwei Typen darüber, dass man da nur herumsitzen und „Om“ summen würde. Abdul schloss eine Wette mit ihnen ab: „Ich komme mit in euren Bauchtraining-Kurs, wenn Ihr meinen Yoga-Kurs mitmacht.“ Die Männer gingen darauf ein, kamen und waren nach einer halben Stunde total entsetzt darüber, wie sehr sie schwitzten und an ihre körperlichen Grenzen gerieten. Für viele Menschen, die – oftmals einseitiges – Krafttraining machen, ist Yoga ein perfekter Ausgleich, um ihre Beweglichkeit zu behalten. Gestresste Menschen können durch Yoga auch lernen, richtig zu entspannen. Abdul gibt ihnen in seinen Stunden Werkzeuge mit, damit sie auch im Alltag üben können, gelassener zu werden. „Das ist viel wichtiger als die Anzahl der Sonnengruß-Wiederholungen, die man schafft.“ (weiterlesen…)
Archiv der Ausgabe 4 | 22. Jahrgang | Winter 2009
- Noch einmal Cadillac fahren
- von Erich Kahnt
Vor 50 Jahren war nicht alles besser, das deutsche Volk lebte noch getrennt in zwei Staaten. Aber im Westen gab es stetig etwas Neues. 15 Jahre nach Kriegsende trieb in der Bundesrepublik das Wirtschaftswunder seine Blüten, abseits letzter mahnender Ruinen machte sich dank Vollbeschäftigung allerorten Wohlstand breit. Wer fähig und fleißig war, gewann in seinem Unternehmen noch eine Lebensstellung mit besten Aufstiegschancen. Lange Zeit vor dem unseligen Wirken von Unternehmensberatern und Quereinsteigern auf Vitamin-B-Basis herrschte landauf, landab Betriebsfrieden, Gehaltserhöhungen kamen noch automatisch. Der Unternehmer lebte die Verantwortung für seine Mitarbeiter, die die Trümmer weggeräumt hatten, und aß freitags mit ihnen Erbsensuppe auf dem Firmenhof. In Kindern wurde noch die Zukunft gesehen, drei oder vier durften es sein, die teilen lernten.

Monte-Sieg mit Mercedes-Limousine, Foto: Daimler AG
Vor 50 Jahren war „Made in Germany“ weltweit das Qualitätssiegel an sich, was von den Bändern lief, schien für die Ewigkeit gebaut. Das galt auch für die Wertarbeiten der deutschen Autoindustrie, damals schon eine starke Konjunktur- Lokomotive. Mit erstmals über zwei Millionen fertiggestellten Einheiten und einer Stückzahl- Steigerung um 19,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnete sie neue Produktionsrekorde und baute im weltweiten Vergleich Rang zwei hinter den USA und vor Großbritannien wesentlich aus. Der Exportanteil wuchs um 12,8 Prozent, im Inland gab es kaum noch Lieferfristen. Damals, 1960, war das Auto der Deutschen liebstes Kind, es wurde „Badewanne“, „Creme-Schnittchen“, „Ente“ oder „Käfer“ getauft und löste gerade auf breiter Front das Motorrad ab, das bis dahin nicht etwa Hobby, sondern einfach das kostengünstigere Verkehrsmittel war. Wer schon etwas geworden war indessen, fuhr Auto und wusch es samstags auf der Straße, wo der Nachbar es sehen konnte. In Gravenbruch bei Frankfurt am Main eröffnete das erste deutsche Autokino als drittes in Europa, und sogar der erste russische Beitrag auf vier Rädern, der Moskwitsch, rollte schon auf den deutschen Importeur in Gronau zu. (weiterlesen…)
Archiv der Ausgabe 4 | 22. Jahrgang | Winter 2009
- Eine kesse Sohle aufs Parkett legen – kein Problem in Clärchens Ballhaus
- von Gerald Backhaus
Neulich bin ich mit Freunden, von der Museumsinsel kommend, um den Hackeschen Markt spaziert und dann hungrig in Clärchens Ballhaus eingekehrt. Dort gibt es neben handfesten Berliner Spezialitäten wie Bulette mit Kartoffelsalat auch neapolitanische Steinofenpizza. Nach dem Essen haben wir irgendwann angefangen zu tanzen. Aus dem geplanten Imbiss wurde ein Tanzvergnügen, das bis spät in die Nacht dauerte. Wo kann einem sonst so etwas passieren? „Das ist der schönste und geilste Laden von Berlin“ lautet der Eintrag einer jungen Frau im abgewetzten roten Gästebuch, das am Eingang angeleint auf Lob und Kritik wartet. Wobei letztere kaum zu finden ist, so beliebt wie das Haus ist.
Den Mann oder die Frau fürs Leben kennenlernen

„Saturday Night Fever“ nicht nur samstags: Ekstase auf Clärchens Tanzfläche – hier bleibt keiner lang allein, Foto: Bernd Schönberger
Beliebt war Clärchens Ballhaus schon immer, auch wenn man früher nicht unbedingt zugab, dort hinzugehen. Der Ort galt als verrucht. Ein altes Schild an der Bar verkündet Zutritt nur für Personen ab 28 Jahren. „Als anständiges Mädchen ging man früher nicht in Clärchens Ballhaus“, erzählt David Regehr, der während des Interviews sein drei Wochen altes Töchterchen Maria auf dem Arm hält, „dennoch gingen alle hin und haben hier ihre zukünftigen Männer kennen gelernt.“ Wie die etwa achtzigjährige Dame, die neulich fragte, ob hier noch einzelne Männer zum Tanzen herkämen. Sie hatte ihren ersten und ihren zweiten Mann im Ballhaus kennen gelernt, beide inzwischen tot, und war jetzt auf der Suche nach dem dritten. So was ist das größte Lob, findet David Regehr, der das traditionsreiche Haus zusammen mit seinem Kompagnon Christian Schulz seit fünf Jahren betreibt. Die beiden Männer haben sich 2001 im Berliner Hexenkesselhoftheater kennen gelernt. „Sommernachtstraum“ hieß das Stück, David hatte das Bühnenbild kreiert und Christian war Intendant. Mittlerweile leiten beide diese Bühne gemeinsam, genauso wie das Ballhaus. Sie hatten damals gehört, dass (weiterlesen…)