Das ist Israel
- für Einsteiger, Fortgeschrittene und Kenner
Israel, Land der Bibel und historische Heimstätte des jüdischen Volkes, entlang der Ostküste des Mittelmeeres gelegen, bildet eine Landbrücke zwischen drei Kontinenten: Asien, Afrika und Europa. Dies ist das Land, in dem das jüdische Volk vor etwa 4.000 Jahren begann, seine Religion und seine Kultur zu entfalten; hier hat es über Jahrhunderte hinweg seine Eigenständigkeit als souveräner Staat bewahrt, unterbrochen von Zeiten der Fremdherrschaft.
In seiner Ausdehnung lang und schmal, dehnt sich Israel über eine Länge von ca. 470 Kilometern vom Norden bis in den Süden aus, während es an seiner breitesten Stelle zwischen dem Toten Meer und der Mittelmeerküste ca. 135 Kilometer breit ist. Im Norden grenzt Israel an den Libanon, im Nordosten an Syrien, im Osten an Jordanien, im Südwesten an Ägypten und im Westen ans Mittelmeer. Gemessen an seiner Fläche ist Israel ein kleines Land, weist aber die topographischen und klimatischen Merkmale eines ganzen Kontinents auf. In Galiläa im Norden geht bewaldetes Hochland in fruchtbare, grüne Täler über; Sanddünen und landwirtschaftliche Nutzflächen kennzeichnen die Küstenebene am Mittelmeer; die felsigen Gipfel der Bergketten von Samaria und Judäa im Inneren des Landes fallen in das subtropische Jordantal und die Region des Toten Meeres am tiefsten natürlichen Punkt der Erdoberfläche ab. Bergige Wüstengebiete erstrecken sich südlich in den Negev und das Arawatal und enden am nördlichsten Zipfel des Roten Meeres.
Klima
Israels mildes Klima zeichnet sich durch sehr viel Sonnenschein aus; Regen fällt nur in den Monaten November bis April. Der Gesamtniederschlag im Jahr beträgt 500-750 mm im Norden und ungefähr 30 mm in den südlichen Wüstengebieten. Regional variieren die klimatischen Bedingungen beträchtlich.
Wasser
Da Wasser in dieser Region ein knappes Gut ist, werden große Anstrengungen unternommen, um eine größtmögliche Nutzung der vorhandenen Wasserressourcen zu gewährleisten und neue Quellen zu erschließen. In den 60er-Jahren wurden die Süßwasserquellen Israels in einem integrierten nationalen Verteilungsnetz zusammengeschlossen, dessen Hauptader, die nationale Wasserfernleitung, das Wasser aus dem Norden und dem Zentrum des Landes über ein Netz von riesigen Rohrleitungen, Aquädukten, Kanälen, Reservoiren, Tunneln, Staudämmen und Pumpwerken in den trockenen Süden führt. Zu Projekten, die zur Erschließung neuer Wasserquellen durchgeführt werden, gehören die Silberjodidbehandlung von Wolken, die erhöhten Niederschlag zur Folge hat, sowie die Abwasseraufbereitung und Entsalzung von Meerwasser. Die Erfindung der „Tröpfchenbewässerung“ konnte einen großen Anteil dazu beitragen, den Einsatz von Wasser in der Land wirtschaft, nicht nur in Israel, effizienter zu gestalten.
Pflanzen- und Tierwelt
Die Lage Israels am Schnittpunkt dreier Kontinente spiegelt sich in der reichen Vielfalt seiner Pflanzen- und Tierwelt sowie in der verschiedenartigen Topographie und den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen wider. Mehr als 500 Vogelarten, etwa 100 Arten von Säugetieren und 90 Arten von Reptilien sowie ca. 3.000 Pflanzenarten, von denen über 150 ausschließlich in Israel beheimatet sind, findet man innerhalb der Grenzen des Landes. Es gibt rund 150 Naturschutzgebiete und 65 Nationalparks, die insgesamt 1.000 Quadratkilometer umfassen, und meh rere Hundert weiterer Anlagen befinden sich im Planungsstadium.
Die Geschichte
Die jüdische Geschichte beginnt in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends v. d. Z. mit den Patriarchen – Abraham, seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob. Eine sich im Land ausbreitende Hungersnot zwang Jakob und seine Söhne – die Vorfahren der zwölf Stämme Israels –, nach Ägypten auszuwandern, wo ihre Nachkommen versklavt wurden. Moses führte sein Volk einige Jahrhunderte später aus Ägypten heraus in das Land Israel zurück – aus der Knecht schaft in die Freiheit. In Sauls Zeiten (um 1020 v. d. Z.) wurde eine Monarchie errichtet, sein Nachfolger David vereinte die Stämme und machte Jerusalem zur Hauptstadt des Landes (ca. 1000 v. d. Z.). Davids Sohn Salomo machte das Königreich zu einem wirtschaftlich mächtigen Land und errichtete in Jerusalem den Tempel für den Gott Israels. Die Assyrer fielen 722 v. d. Z. in das Königreich Israel ein, und sein Volk wurde zerstreut (die zehn verlorenen Stämme). Juda wurde von den Babyloniern 586 v. d. Z. erobert, die den Tempel in Jerusalem zerstörten und den größten Teil der jüdischen Bevölkerung nach Babylon ins Exil trieben. Nach der Eroberung des babylonischen Reiches durch die Perser 538 v. d. Z. kehrten viele Juden nach Juda zurück, der Tempel in Jerusalem wurde neu erbaut und das jüdische Leben im Lande wiederhergestellt. In den folgenden vier Jahrhunderten erfreuten sich die Juden eines hohen Maßes an Autonomie unter persischer und hellenistischer Vorherrschaft. Spätere Maßnahmen der herrschenden Seleukiden zur Unterdrückung jüdischer Religion und jüdischer Bräuche führten schließlich zum Makkabäer- (Hasmonäer-) Aufstand (166 v. d. Z.). Ihm folgte die Errichtung eines unabhängigen jüdischen Königreichs unter jüdischen Königen der Hasmonäer-Dynastie, die ungefähr 80 Jahre Bestand hatte.
Fremdherrschaft (60 v.d.Z.-1948)
Nach 60 v. d. Z. geriet das von politischen Streitigkeiten geschwächte Land zunehmend unter römische Herrschaft. Unter römischer (70-313) und byzantinischer (313-636) Hegemonie erhielt die jüdische Bevölkerung des Landes ihre Institutionen auf den Gebieten des Rechts, der Erziehung und der Kultur aufrecht und setzte deren Entwicklung weiter fort. Ein weiterer Versuch der Juden, ihre nationale Souveränität zurückzugewinnen (Bar-Kochba-Aufstand, 132 n. d. Z.), führte zur Errichtung einer unabhängigen jüdischen Enklave in Judäa mit Jerusalem als Hauptstadt. Drei Jahre später schlugen die Römer Bar-Kochba nieder und änderten den Namen Jerusalems in Aelia Capitolina und den des Landes in Palaestina, um dadurch die jüdische Verbindung mit dem Land zu beseitigen. Seit dem 7. Jahrhundert wurde das Land nacheinander von Arabern (636-1091), Seldschuken (1091-1099), Kreuzrittern (1099-1291), Mamelucken (1291-1516), osma nischen Türken (1517-1917) und Briten (1918-1948) beherrscht.
Zionismus
Im selben Jahr errichtete Großbritannien in drei Vierteln des ihm anvertrauten Gebiets das arabische Emirat Transjordanien (heute Jordanien), wodurch nur das Gebiet westlich des Jordans zur Entwicklung der nationalen jüdischen Heimstätte verblieb. Extreme arabische Führer widersetzten sich der Errichtung einer nationalen jüdi schen Heimstätte selbst in diesem kleinen Gebiet und riefen zu Anschlägen gegen die jüdische Gemeinschaft sowie gegen Araber auf, die eine arabisch-jüdische Koexistenz befürworteten. Britische Versuche, die Araber durch die Einschränkung jüdischer Einwanderung und Ansiedlung zu beschwichtigen, verfehlten ihr Ziel, und die Gewalttaten hielten bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an.
Am Ende des Krieges wurde die Einschränkung jüdischer Einwanderung in das Land nicht aufgehoben. Dabei war es ein dringendes Erfordernis, einen Ort der Zuflucht für die Menschen zu finden, denen es gelungen war, der Vernichtung der jüdischen Gemeinden in Europa durch das Nazi-Regime zu entkommen, bei der sechs Millionen Juden, darunter 1,5 Millionen Kinder, ermordet wurden. Um die restriktive britische Einwanderungspolitik zu umgehen, mobilisierte die jüdische Gemeinschaft in Israel zusammen mit Juden in der ganzen Welt ihre Kräfte und Mittel und organisierte ein als „Aliyah Bet“ bekanntes „illegales“ Einwanderungsnetz, durch das etwa 85.000 Überlebende des Holocaust ins Land kamen.
Nachdem alle Versuche fehlgeschlagen waren, einen Ausgleich zwischen dem zunehmenden arabischen Widerstand gegen jüdische Einwanderung und Siedlung und der anhaltenden jüdischen Forderung nach Aufhebung der bestehenden Einwanderungsbeschränkungen zu erreichen, verwiesen die Briten das Problem an die Vereinten Nationen. Im November 1947 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen für die Errichtung von
zwei Staaten in diesem Gebiet (westlich des Jordans) – einem jüdischen und einem arabischen. Die Juden nahmen die Teilung an, die Araber lehnten sie ab.
Eigenstaatlichkeit
Nach Beendigung des britischen Mandates am 14. Mai 1948 proklamierte das jüdische Volk die Errichtung des Staates Israel. Weniger als 24 Stunden später drangen die Armeen fünf arabischer Länder in den neuen Staat ein und lösten damit Israels Unabhängigkeitskrieg aus, der – mit Unterbrechungen – länger als ein Jahr geführt wurde. Bis Juli 1949 wurden zwischen Israel und jedem der arabischen Anrainerstaaten getrennte, auf den Feuereinstellungslinien basierende Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.
In der Erklärung zur Errichtung des Staates Israel heißt es: „Israel bietet allen Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und zu guter Nachbarschaft“. Dieser Aufruf, von allen israelischen Ministerpräsidenten wiederholt, wurde entweder hartnäckig ignoriert oder zurückgewiesen. Terroristische Überfälle durch Araber auf israelische Siedlungen wurden fortgesetzt. Dies geschah mit Unterstützung und Förderung der arabischen Staaten, die außerdem einen wirtschaftlichen und diplomatischen Boykott einleiteten, internationale Wasserstraßen für die israelische Schifffahrt blockierten und einen offenen Krieg provozierten.
1979 wurden der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel unterzeichnet und im Camp-David-Abkommen die Rahmenbedingungen für einen Frieden im Nahen Osten formuliert.
Ein bedeutender Durchbruch war die Prinzipienerklärung (September 1993), die von Israel und der PLO (als Repräsentantin des palästinensischen Volkes) unterzeichnet wurde und in der die Regelungen für Palästinenser im Westjordanland und in Gaza umrissen werden. In der Folge wurde in Gaza und Jericho eine palästinensische Selbstverwaltung eingesetzt (1994), die mit der Unterzeichnung des Interimabkommens (1995) auf zusätzliche Gebiete des Westjordanlandes ausgedehnt wurde.
Zu einer weiteren Annäherung in der Region kam es, als Israel und Jordanien den 46 Jahre währenden Kriegszustand zwischen beiden Ländern beendeten (Juli 1994) und in der Folge einen Friedensvertrag unterzeichneten (Oktober 1994), der zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern führte. Im September 1999 unterschrieben Israel und die PLO das Memorandum von Sharm el-Sheikh. Seither hat Israel weitere Truppenverlegungen durchgeführt, Gefangene entlassen, eine gesicherte Transitstrecke im Süden eröffnet und die Gespräche über die endgültige Regelung des permanenten Status wieder aufgenommen.
Ein Gipfeltreffen in Camp David im Juli 2000 scheiterte an der Weigerung der Palästinenser, die weitreichenden und präzedenzlosen Vorschläge für eine Lösung des Konfliktes, die von den USA unterbreitet worden waren, zu akzeptieren. Arabischer und palästinensischer Terrorismus führte über Jahrzehnte zu Tausenden von Toten. Im September 2000 initiierten die Palästinenser eine Welle von wahllosem Terror und von Gewalt, die auf beiden Seiten zum Verlust von vielen Leben und zu Leid führte. Zahlreiche Anstrengungen, die Gewalt zu beenden und den Frie densprozess zu erneuern, scheiterten aufgrund des andauernden und eskalierenden palästinensischen Terrors, unterstützt von der Palästinensischen Autonomiebehörde.
Unter Leitung von Vereinten Nationen, Europäischer Union, Vereinigten Staaten von Amerika und Russland, dem „NahostQuartett“, ist bis Sommer 2003 ein „Fahrplan“, auch „Road Map“ genannt, entwickelt worden, um eine Beilegung des israelisch-palästinensischen Konfliktes in drei Phasen zu erreichen. Formell wurde dieser Friedensfahrplan international, auch von den arabischen Nachbarstaaten, begrüßt. Die Bilanz nach knapp sechs Jahren Terror mit 1.105 Todesopfern und 7.878 Verletzten brachte die Road Map nahezu zum Erliegen. Dennoch hält Israel an der Road Map fest und sagt zu, seine Verpflichtungen zu erfüllen.
Der von der Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon entwickelte so genannte „Abkopplungsplan“, welcher die Loslösung des gesamten Gazastreifens und des nördlichen Samarias bedeutete, wurde im August 2005 umgesetzt. Dies beinhaltete den Abzug von 8.000 israelischen Staatsbürgern und allen Sicherheitskräften sowie die Übergabe des gesamten Gazastreifens in palästinensische Verantwortung. Nach der Wahl von Mahmoud Abbas Anfang 2005 fanden Anfang 2006 die Parlamentswahlen in den Palästinensischen Autonomiegebieten statt. Die radikal-islamische Terrororganisation Hamas konnte dabei die absolute Mehrheit der Sitze im palästinensischen Parlament (PLC) gewinnen und stellt die Regierung in der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Hamas hat die Zerstörung Israels als erklärtes Ziel, schwört weder der terroristischen Gewalt ab noch erkennt bereits bestehende Abkommen zwischen Israel und den Palästinensern im Rahmen des Oslo-Prozesses an und ist demnach für Israel kein Verhandlungspartner für den Friedens prozess.
Die Wahlen zur 17. Knesset im März 2006 konnte die von Ariel Scharon gegründete Kadima-Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert als größte Fraktion mit 29 von 120 Sitzen gewinnen. Die von der Knesset 2006 gewählte Regierungskoalition unter Führung von Ministerpräsident Ehud Olmert strebt eine Lösung zur friedlichen Koexistenz mit den Palästinensern und sichere Gren zen für den Staat Israel an.
Ende Juni 2006 erlitt Israel territoriale Angriffe und Raketenbeschuss von palästinensischen Terrororganisationen aus dem Gazastreifen, einschließlich der Entführung von Gilad Shalit. Am 12. Juli 2006 griff die Hisbollah Israel unprovoziert an seiner Nordgrenze zu Libanon an und entführte Udi Goldwasser und Eldad Regev, daraufhin begannen die Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel, bei denen Israel von Tausenden von Raketen beschossen wurde. Infolge der UN-Sicherheitsratsresolution 1701 schwiegen ab dem 12. August 2006 an der libanesisch-israelischen Grenze die Waffen.
Der Staat
Die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel (14. Mai 1948) stellt das Bekenntnis der Nation dar. Israel ist eine parlamentarische Demokratie mit gesetzgebender, vollziehender und rechtsprechender Gewalt nach dem Grund satz der Gewaltenteilung, wodurch Kontrolle und Gleichgewicht innerhalb des Systems gewährleistet sind. Der Präsident, dessen Pflichten in weitem Umfang formeller Art sind, symbolisiert die Einheit des Staates. Er wird von der Knesset (Israels Parlament) für eine einmalige Amtszeit von sieben Jahren gewählt. Die Knesset, Israels gesetzgebendes Organ, ist ein Einkammer-Parlament mit 120 Mitgliedern, deren Arbeit in Plenarsitzungen und in 15 ständigen Ausschüssen erfolgt. Debatten und Abstimmungen über Politik und Aufgaben der Regierung sowie über Gesetzesvorlagen der Regierung oder eines Parlamentsmitglieds finden in Plenarsitzungen statt. Die Debatten in der Knesset werden in Hebräisch abgehalten, arabische und drusische Mitglieder können vor dem Parlament in Arabisch (der zweiten Amtssprache Israels) sprechen. Simultanübersetzungen in beiden Sprachen stehen zur Verfügung. Die Knessetabgeordneten, die ein breites Spektrum politischer Parteien repräsentieren, werden für eine Legislaturperiode von vier Jahren in landesweiten Wahlen gewählt, das gesamte Land gilt dabei als ein Wahlbezirk. Jeder Staatsbürger erhält mit Vollendung des 18. Lebensjahres das aktive, mit Vollendung des 21. Lebens jahres das passive Wahlrecht.
Der Staat Israel ist seit 1949 Mitglied der Vereinten Nationen und unterhält Beziehungen zu den meisten Staaten der Welt. Angesichts der Verfolgungen im Laufe der Jahrhunderte, der verheerenden Erfahrung des Holocaust und des jahrzehntelangen arabisch-israelischen Konflikts zielt Israels Außenpolitik auf Frieden unter Gewährleistung der Sicherheit des Landes und der Förderung der Zusammenarbeit mit allen Staaten.
Städtisches Leben
Rund 91 Prozent der israelischen Bevölkerung leben in urbanen Zentren. Einige Städte befinden sich an bekannten historischen Stätten und tragen noch ihre ursprünglichen Namen. So Jerusalem, Be‘er Sheva, Nazareth, Aschkelon, Akko, Safed und Tiberias; ihre Altstädte sind heute Teile neuer sich ausbreitender Städte. Viele vor der Unabhängigkeit gegründete Dörfer wie Chadera, Petach Tikwa, Netanja und Rechovot haben sich allmählich zu Ortschaften und größeren Städten entwickelt. Weitere Städte sind in den ersten Jahren der Unabhängigkeit hauptsächlich in wenig besiedelten Gebieten erbaut worden, um die schnell wachsende Bevölkerung aufzunehmen.
Israels vier Großstädte sind: Tel Aviv, Israels Industrie-, Handels-, Finanz- und Kulturzentrum, 1909 als erste jüdische Stadt der Neuzeit gegründet; Haifa, wichtiger Mittelmeerhafen und Industriezentrum im Norden; Be‘er Sheva, die größte Stadt im Süden, und Jerusalem, die Hauptstadt des Landes.
Ländliches Leben
Rund neun Prozent der Bevölkerung Israels leben in ländlichen Gebieten, in landwirtschaftlichen Siedlungsformen – dem Kibbuz und dem Moschaw, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind – oder in einem der vielen Dörfer des Landes. Der Kibbuz wurde als eine Sozial- und Wirtschaftsgemeinschaft gegründet, in der Besitz und Produktionsmittel in den Händen des Kollektivs liegen und Entscheidungen von einer Mitgliedervollversammlung getroffen werden. Der Kibbuz erwartet von seinen Mitgliedern Verantwortung und Engagement für die Gemeinschaft und versorgt sie mit dem für das Alltagsleben notwendigen Bedarf von der Säuglingszeit bis ins hohe Alter hinein. Heute suchen die Kibbuzim, die sich mit ihren Beiträgen zur Gründung und Entwicklung des Staates ausgezeichnet haben, neue Wege, um den Herausforderungen des modernen Lebens im technologischen Zeitalter zu begegnen und gleichzeitig ihren ursprünglichen egalitären Lebensrahmen aufrechtzuerhalten.
Der Moschaw ist eine landwirtschaftliche Siedlung, in der jede Familie ihren eigenen Haushalt führt und das Land wie ihr privates Eigentum selbst bewirtschaftet. In Israels 452 Moschawim, mit durchschnittlich jeweils 60 Familien, leben heute rund 3,3 Prozent der Bevölkerung des Landes. Ein großer Teil der gesamten Agrarerzeugnisse des Landes wird in den Moschawim produziert.
In den Dörfern (Gemeindesiedlungen ausgenommen) leben Araber und Drusen. Diese Landbevölkerung macht etwa 3 Prozent der Gesamtbevölkerung Israels aus. Häuser und Land sind Privatbesitz, die Landwirte bestellen ihre eigenen Felder und vermarkten ihre Erzeugnisse selbstständig.
Wissenschaft und Technologie
Der starke Wille, ein unfruchtbares Land in einen modernen Staat zu verwandeln, war wegweisend für Israels wissenschaftliche Untersuchungen und technologische Entwicklung. Anfangs konzentrierte sich die Forschung auf Projekte von nationaler Bedeutung. Die Prozentzahl an Israelis, die sich heutzutage im Bereich der wissenschaftlichen und technologischen Analyse engagieren, und die Zeit, die auf Forschung und Entwicklung (F&E) verwendet wird, ist, in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), unter den höchsten der Welt. Binationale Forschungsstiftungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Mannigfaltigkeit in Grundlagenforschung, industrieller Entwicklung und Marketing.
Wirtschaft
Israels Bruttoinlandsprodukt lag 2001 bei $ 17.300 pro Kopf der Bevölkerung. Damit zählt Israel zu den weltweit am höchsten entwickelten Ländern. In den Jahren 1991 bis 1996 erzielte Israel eine der höchsten Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (durchschnittlich sechs Prozent) in der entwickelten Welt. Im letzten Quartal des Jahres 2000 kam es zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums um 0,6 Prozent infolge der Verschlechterung der Sicherheitssituation und der Unbeständigkeit des globalen High-Tech-Sektors. Eigentlich liegt die außerordentliche ökonomische Leistung des Landes in der Wachstumsrate der Wirtschaft während der 60 Jahre staatlicher Existenz, die trotz einer Reihe größerer Herausforderungen erzielt werden konnte: Aufrechterhaltung der na tio nalen Sicherheit, für die gegenwärtig rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufgewendet werden; Eingliederung von zwei Millionen Einwanderern, eine der zentralen Aufgaben des jüdischen Staates; Aufbau einer modernen Infrastruktur, um den Anforderungen des Wirtschaftswachstums gerecht zu werden; hohes Niveau im Angebot öffentlicher Dienstleistungen.
Landwirtschaft
Was die Qualität und den Ertrag landwirtschaftlicher Erzeugnisse angeht, nimmt Israel in der Welt eine Spitzenstellung ein. Dieser Erfolg ist das Ergebnis eines engen Zusammenwirkens von Landwirten und Forschern, die bei der Entwicklung und Anwendung hochentwickelter wissenschaftlicher Methoden in allen Agrarbereichen zusammenarbeiten. Maschinen und elektronische Geräte aus ei gener Entwicklung und Produktion kommen in allen Bereichen der Agrarwirtschaft zum Einsatz. Unter größt mög licher Nutzung der knappen Wasserressourcen und des anbaufähigen Landes erzeugt Israel mehr Obst, Gemüse, Geflügel- und Molkereiprodukte, als es für seinen Eigenbedarf benötigt. Die im Wesentlichen aus Getreide, Fleisch, Tee, Kaffee, Reis und Zucker bestehenden Lebens mittelimporte werden von den Exporten weit übertroffen. Langstielige Rosen, großblütige Nelken, Melonen, Tomaten, Gurken, Paprika, Erdbeeren, Kiwis und Avocados gehören zu den erfolgreichsten Exportartikeln, insbesondere auf den Märk ten Europas und Amerikas in den kalten Wintermonaten.
Industrie
Israels Industrie zeichnet sich durch Dynamik und breite Diversifikation aus. In den letzten zwei Jahrzehnten stieg der Prozentsatz exportierter Industrieerzeugnisse auf gegenwärtig über 50 Prozent und machte damit 92 Prozent der sich auf $ 27,4 Milliarden belaufenden Warenexporte aus. Da Israel kaum über Rohstoffe, jedoch über hochqualifizierte Arbeitskräfte verfügt, hat sich seine Industrie auf die Herstellung von hochwertigen Produkten konzentriert. Dabei stützt man sich auf Israels wissenschaftliche Kreativität und seine technologische Innovationskraft. In den letzten Jahrzehnten sind international anerkannte Fortschritte in den Bereichen Medizinelektronik, Agrartechnik, Telekommunikation, Feinchemie, Computer-Hardware und -Software, Lebensmittelverarbeitung und Solarenergie gemacht worden. Israels Diamantenindustrie ist die größte der Welt; 2001 wurden Edelsteine im Wert von $ 7,5 Milliarden exportiert. 2001 wandte Israel über vier Prozent seines BIP für zivile Forschung und Entwicklung auf, was dem Stand der meisten Industrieländer entspricht. Forschungs- und Entwicklungsarbeit findet in Bereichen wie Energie- und Stromerzeugung, Telekommunikation und Wasserbewirtschaftung hauptsächlich in den Universitäten, in staatlichen Forschungsinstituten, medizinischen Zentren und militärischen Einrichtungen sowie in Unternehmen der Privatindustrie statt.
Außenhandel
Israel betreibt Handel mit Ländern aller sechs Kontinente. 42 Prozent der Importe und 26 Prozent der Exporte werden mit der Europäischen Union (EU) abgewickelt, mit der Israel seit 1975 ein Freihandelsabkommen geschlossen hat. 1985 wurde ein ähnliches, 1995 erneuertes Abkommen mit den USA unterzeichnet, auf die 20 Prozent der Importe und 38 Prozent der Exporte entfallen.
Tourismus
Etwa 2,4 Millionen Besucher aus aller Welt kamen 2000 nach Israel. Sie wurden angezogen von der geographischen Vielfalt, den archäologischen und religiösen Stätten, gut ausgestatteten Fremdenverkehrseinrichtungen und den herrlichen Stränden am Mittelmeer, den Ufern des Toten und Roten Meeres sowie um den Kinneret See (See Genezareth). Zirka 54 Prozent dieses Touristenstroms kamen aus Europa, 28 Prozent aus Nord- und Südamerika sowie zehn Prozent aus Asien. Auf Grund der angespannten Sicherheitslage sank die Zahl der Touristen im Jahr 2001 um über 50 Prozent.
Währung
Israels Währungseinheit ist der Schekel (unterteilt in 100 Agorot), eine bereits im zweiten Jahrtausend v. d. Z. bekannte Gewichtseinheit für Zahlungsmittel in Gold und Silber. Die Bibel berichtet, dass Abrahams Diener auf Rebekka zuging mit „einem Ohrring, einen halben Schekel schwer, sowie zwei Spangen für ihre Arme, zehn Schekel schwer“ (1. Mose 24:22).
Kultur und Kunst
Viertausend Jahre jüdische Geschichte, ein Jahrhundert politischer Zionismus und fünf Jahrzehnte modernes Staatswesen haben zu der Entwicklung einer israelischen Kultur geführt, die den Einfluss verschiedenartiger Elemente aus aller Welt widerspiegelt, aber gleichzeitig nach einer dem Land eigenen Identität strebt. Die künstlerischen Ausdrucksformen in Israel sind ebenso vielfältig wie die Bevölkerung selbst, und die Darbietungen werden allen Neigungen gerecht. Voraussetzung für die Entwicklung der Literatur des Landes war die ein Jahrhundert dauernde Wiederbelebung des Hebräischen nicht nur als Umgangssprache, sondern auch als ausdrucksvolle Sprache der Literatur. Israelische Autoren und Dichter befassen sich eingehend mit den Gegebenheiten und Geschehnissen im Land, aber ebenso mit weltumfassenden Themen. Jährlich werden etwa 2 500 neue Titel veröffentlicht. Ungefähr 1 000 Bibliotheken bieten Leih- und Informationsdienste an, und mobile Büchereien betreuen abgelegene Gebiete. Die alle zwei Jahre veranstaltete Internationale Buchmesse bringt Tausende von Besuchern nach Jerusalem, und in jedem Frühjahr verwandelt die Woche des Hebräischen Buches Plätze und Parkanlagen in lebhaft besuchte Büchermärkte.
Kunst in allen Formen wird in vielen Museen und in einer Fülle von Galerien im ganzen Land gezeigt. In Jerusalem, Yafo und Safed sind alte Bezirke als Künstlerviertel wiederhergestellt worden, und das im Karmelgebirge bei Haifa versteckte Künstlerdorf En Hod ist für die eine besondere Freude, die Kunst in einem rustikalen Rahmen mögen.
Mehrere große Symphonieorchester, einschließlich des weltberühmten Israelischen Philharmonischen Orchesters, verschiedene Chöre, ein Opernensemble und Dutzende von Kammermusikensembles treten im ganzen Land auf. Auch Israels wachsende Filmindustrie beginnt, sich auf internationaler Ebene durchzusetzen.
Die Hebräische Sprache
Hebräisch ist die Sprache Israels. Obgleich seit etwa 2 000 Jahren im Alltag kein Hebräisch mehr gesprochen wurde, hat man es über die Jahrhunderte hinweg weiterhin als „heilige Sprache“ in der Liturgie, Philosophie und Literatur benutzt. Im späten 19. Jahrhundert keimte Hebräisch als modernes kulturelles Medium wieder auf und wurde zu einem entscheidenden Faktor in der nationalen Erneuerungsbewegung, die im Zionismus gipfelte. Während der britischen Mandatszeit (1918-48) wurde das Hebräische neben dem Englischen und Arabischen als eine der Amtssprachen des Landes anerkannt. So wurde die Sprache auch in jüdischen Institutionen und im Erziehungswesen wieder eingeführt. Die hebräische Presse und Literatur erlebte ihre Blütezeit mit neuen Generationen von Autoren und Lesern. Heute ist Hebräisch eine reiche, lebendige Sprache. Der hebräische Wortschatz ist von etwa 8.000 Wörtern in biblischen Zeiten auf mehr als 120.000 Wörter im heutigen Hebräisch angewachsen. Die formale linguistische Entwicklung wird von der 1953 gegründeten Hebräischen Sprachakademie gesteuert.
Quelle: „60 Jahre Unabhängigkeit“, Botschaft des Staates Israel, Berlin
Israel in Zahlen (Stand: August 2007)
- Fläche: 22 145 Quadratkilometer
- Einwohner: 7 161 000
- Landessprachen: Hebräisch, Arabisch
- Hauptstadt: Jerusalem
- Staatsform: Parlamentarische Demokratie
- Unabhängigkeitstag: 5. Ijar 5708 (14. Mai 1948)
- Sechs Verwaltungsbezirke
- Klima: Gemäßigtes bis tropisches Klima
Bevölkerung nach Ethnien:
Israel ist eine durch Einwanderung geprägte Gesellschaft.
- Juden: 5 442 360 (76 Prozent)
- Araber: 1 432 200 (20 Prozent)
- Muslime: 1 140 600
- Christen: 146 000
- Drusen: 115 200
- Andere: 286 440 (4 Prozent)
Wirtschaftliche Eckdaten:
- Bruttoinlandsprodukt (BIP): 123 439 Millionen US $
- Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 17 807 US $
- Inflationsrate: 2,4 Prozent
- Arbeitslosenquote: 7,7 Prozent
- Wirtschaftswachstum: 6,6 Prozent
Währung:
- Neuer Israelischer Schekel - NIS (Schekel Chadasch)
- 1 Schekel = 100 Agurot
- 1 Euro ~ 5,90 NIS
- 1 US-Dollar ~ 4,30 NIS
Wichtige Adressen:
Botschaft des Staates Israel
Auguste-Viktoria-Straße 74-76
14193 Berlin
Tel. 030 / 89 04 55 00, Fax 030 / 89 04 52 22
www.israel.de
Israel Trade Center (Handelsabteilung)
Auguste-Viktoria-Straße 74-76
14193 Berlin
Tel. 030 / 206 44 90, Fax 030 / 20 64 49 55
www.israeltrade.gov.il/germany/
Staatliches Israelisches Verkehrsbüro
Friedrichstraße 95
10117 Berlin
Tel. 030 / 20 39 70, Fax 030 / 20 39 97 30
www.goisrael.de
Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG)
Bundesgeschäftsstelle
Martin-Buber-Str. 12, 14163 Berlin
Tel. 030 / 80 90 70 28, Fax 030 / 80 90 70 31
www.deutsch-israelische-gesellschaft.de
Jewish Agency for Israel (Sochnut)
Hohenzollerndamm 196
10717 Berlin
Tel. 030 / 881 94 25, Fax 030 / 88 68 19 30
www.jafi.org.il
Keren Hayesod Deutschland
Kurfürstendamm 196
10707 Berlin
Tel. 030 / 887 19 33
www.keren-hayesod.de
Keren Kayemeth Leisrael (KKL) – Jüdischer Nationalfonds
Hohenzollerndamm 196
10717 Berlin
Tel. 030 / 883 43 60, Fax 030 / 883 68 81
www.jnf-kkl.de
State of Israel Bonds
Hebbelstr. 6
60318 Frankfurt/Main
Tel. 069 / 749 04 17, Fax 069 / 749 10 69
www.israelbonds.de
Fotos: Ministry of Tourism State of Israel







