Wir standen eben erst im Stau und stehen nun fassungslos vor Halteverbotsschildern mit dem erklärenden Zusatz „wegen Dreharbeiten“. Der echte Berliner in der stark verbesserten Version „2007“ wird von Drehteams mit ihren Maskenmobilen, Cateringzelten und Starwohnwagen aus der Stadt vertrieben. Aber im Gegensatz zu früheren Versionen meckert der echte Berliner in der stark verbesserten Version „2007“ nicht. Nein, er programmiert klaglos seinen DVD-Recorder, um wirklich keinen Film und keine Serie zu verpassen, in denen er einen Blick auf die von Filmteams dauerbesetzten Teile seiner Stadt erhaschen kann.
Was macht eigentlich Eberhard Diepgen? Wenn man Kurt Krömer, dem bekanntesten Neuköllner der gesamten Welt und Komiker im ARD-Nachtprogramm, glauben darf, dann verdient sich der Regierende Bürgermeister a. D. was dazu. Als Amtsnachfolger Klaus Wowereit in Krömers Sendung zu Gast war, behauptete der Moderator jedenfalls, dass es sich bei dem bedauernswerten Kleindarsteller, der zum Gaudium der Zuschauer kostümiert als Berliner Bär auf der Bühne stand, um Diepgen handelte.
Der Stammhalter fragt ängstlich, ob schon alle Berliner auf die stark verbesserte Version „2007“ umgestellt wurden und zu jedem Besucher freundlich sein müssen? Aber nein, mein Sohn! Um zu zeigen, welchen Standard Zugezogene und Touristen früher ertragen mussten, wurden einzelne Exemplare nicht dem Upgrade unterzogen.
Gibt es eigentlich noch Kreuzberg? Das weltoffene, charmante, multikulturelle Kreuzberg? Ja, noch! Jedenfalls bei Redaktionsschluss. Aber natürlich wird es in nächster Zeit – leider! – untergehen. Weil dort doch jetzt trotz der Proteste einiger Kreuzberger die erste Filiale von McDonalds eröffnet hat. Plötzlich dieses „Burger-und-Pommes-Einerlei“ inmitten der ganzen Döner-Vielfalt. Kreuzberg – du wirst uns fehlen!
Straßenraub verwandelt sich nicht dadurch in ein weniger verabscheuungswürdiges Verbrechen, dass man ihn „Parkraumbewirtschaftung“ nennt. Am Potsdamer Platz und drum herum kostet die Viertelstunde inzwischen 75 Cent. Das macht pro Stunde drei Euro und wir erinnern uns: Das waren mal fast sechs Mark! Kein Wunder, dass die Parkscheinautomaten inzwischen auch EC-Karten akzeptieren. Und nach der nächsten Gebührenerhöhung (sie wird kommen!) kann der weniger solvente Parker auch direkt am Automaten sein Auto in Zahlung geben. Einfach Zündschlüssel einwerfen!
Der Besuch aus der Provinz betritt das Haus mit dem Ausruf: „Wir wollen unbedingt mal U-Bahn fahren!“ Und weil niemand außerhalb der Stadt behaupten soll, der echte Berliner in der stark verbesserten Version „2007“ meckert plötzlich wieder, wird den Provinzlern dieser Wunsch umgehend erfüllt. Zum Glück ist Pendelverkehr. Und 20-Minuten-Takt. Und eine eher nicht auskunftsfreudige BVG-lerin zum Dienst am empörten Kunden eingeteilt. Die Besucher aus der Provinz haben jetzt was zum Erzählen. Und wollen nie wieder U-Bahn fahren. Danke!